Donnerstag, 28. Mai 2026
Der Spielverderber 
der imperialist, 11:13h
Das Interview hat in Österreich eingeschlagen wie die russische Oreschnik‑Überschallrakete in der Ukraine. Beinahe zeitgleich.
Quelle: Die "Presse am Sonntag"
»Viele können kaum lesen und schreiben«
Vor drei Jahren verließ Thomas Walach die SPÖ, um Lehrer an einer Brennpunktschule zu werden – und begann, massive Integrationsprobleme öffentlich zu machen. Über einen Alltag zwischen Sprachproblemen, Jungdealern und Kinderehen.
Sie waren im engsten Kreis von Pamela Rendi-Wagner, haben bei Peter Pilz und an der Uni gearbeitet. Jetzt sind Sie Mittelschullehrer. Warum? Der Verdienst wird es nicht sein.
Thomas Walach: Weil ich glaube, dass wir da einfach ein massives gesellschaftliches Problem haben. Und das hat mich einfach interessiert. Ich verdiene exakt halb so viel wie davor, arbeite aber auch nicht mehr so viel. In der Gesamtschau ist der Beitrag, den ich leisten kann, vielleicht gering, aber ich wollte mir diesen Bereich unbedingt ansehen.
Was hat Sie dort überrascht?
Wie groß die Startnachteile der Kinder dort sind. Eines meiner Schlüsselerlebnisse war ein Deutschförderkurs, in dem wir darüber geredet haben, welche Schulen die Kinder in ihrer Heimat besucht haben. Und was ihnen in Österreich jetzt besser – oder weniger gut – gefällt. Alle Kinder haben gesagt: Es sei schön, dass sie hier in der Schule nicht geschlagen werden. Manche haben dann ihre T-Shirts hochgezogen und mir ihre Narben gezeigt, von Peitschenschlägen und dergleichen. Bei Kindern mit so einer Vergangenheit – manche haben noch weitaus Schlimmeres erlebt – muss man, glaube ich, die Anspruchshaltung ein wenig ändern. Was kann man von denen erwarten? Da steht nicht im Vordergrund, dass sie Gleichungen lösen können.
Wie gewöhnt man Flüchtlingskinder an die Schule?
Da gibt es große Unterschiede. Ukrainer sprechen lediglich nicht Deutsch, sie kommen aber aus einem offenbar funktionierenden Schulsystem. Nach ein, zwei Jahren wechseln diese Kinder oft in eine HTL oder ins Gymnasium. Die Kinder aus Syrien und Somalia müssen erst einmal mit dem System Schule vertraut gemacht werden. Die wissen basale Dinge nicht. Dass man jeden Tag kommen und still sitzen muss. Die Orientierungsklassen, die viele Linke ablehnen, sind da eine gute Sache. Weil es anders gar nicht funktionieren würde.
Gibt es eigentlich auch autochthone Österreicher in Ihrer Klasse?
Nein. Wir haben in Österreichs Großstädten ein ethnisch segregiertes Schulsystem. Es gibt Migranten, die eine AHS besuchen, aber es gibt so gut wie keine Österreicher in den öffentlichen Mittelschulen. Mit einigen Ausnahmen, zum Beispiel Kinder mit geistigen Behinderungen. Wir haben im Moment rund 400 Kinder in der Schule, davon haben fünf keinen Migrationshintergrund.
Sie schrieben unlängst, dass es ein Erfolg ist, wenn die Mittelschüler am Ende Volksschultexte lesen können. Was sind die Ziele in Ihrer Schule?
Die Ziele sind individuell. Manche Kinder unterrichten wir nach AHS-Lehrplan, manche können nicht alle Buchstaben. Das Minimalziel ist es, dass alle ihr Leben selbstständig und autonom bestreiten können.
Wie viele sind hier geboren?
Fast alle Kinder, die ich in der Klasse habe, sind in Wien geboren, haben aber in der Schule zum ersten Mal Kontakt mit der deutschen Sprache gehabt.
Wir könnten jetzt über Politik und staatliche Pflichten reden, aber zuallererst einmal: Ist es den Eltern so egal, ob ihre Kinder Deutsch lernen? Und Erfolg in der Schule haben?
Ja. Bei den meisten Eltern der Kinder unserer Schule ist offensichtlich, dass sie ihre Kinder lieben. Aber viele haben wenig Verständnis, was Schule ist und wie sie funktioniert. Weil sie oft selbst keine besucht haben. Sie sehen auch keinen Zusammenhang zwischen Bildungsbiografie und Erwerbsbiografie. Viele sind nicht alphabetisiert, sprechen selbst kein Deutsch. Die Kollegen in den Volksschulen sind mit basaler Sozialisation beschäftigt – bis hin zur Hygiene. Wenn die Kinder dann zu uns kommen, beginnen wir dort, wo eigentlich die Volksschule anfinge. Viele Kinder, die zu uns kommen, können auch kaum lesen und schreiben.
In keiner Sprache?
In keiner Sprache. Dolmetscher und Muttersprachenlehrer sagen mir oft, dass sie die Kinder schlecht verstehen. Die können sich also in keiner Sprache wirklich ausdrücken. Das könnte auch der Grund sein, warum es zu viel Gewalt kommt.
Was sind Erfolge für Sie?
Es gibt ganz viele! Da gab es etwa ein Mädchen, das vor zwei Jahren in der vierten Klasse war, als der Überfall der Hamas auf Israel gerade großes Thema war. Das Mädchen hat sich sehr stark radikalisiert, trug plötzlich Ganzkörperverhüllung und erzählte, dass möglichst viele palästinensische Babys getötet werden sollen, weil die dann gleich ins Paradies kämen. Und das sei sehr schön für sie. Mit diesem Mädchen habe ich viel geredet. Die hat die Kurve bekommen. Und war die einzige in ihrem Jahrgang, die es geschafft hat, an einer weiterführenden Schule zu reüssieren.
Wie gestaltet sich der Schulalltag mit muslimischer Mehrheit? Sie twitterten von Problemen im Ramadan.
Ramadan ist ein viel größeres Problem als das Kopftuch. Die Politik kümmert sich leider viel mehr um das Kopftuch.
Ist ja auch einfacher.
Es hat auf das Lernen selbst keinen Einfluss. Bei uns sind rund zwei Drittel der Schüler muslimisch, und im Ramadan essen oder trinken nahezu alle muslimischen Kinder nicht.
Nahezu alle?
Ja. Das ist nicht gerade konzentrationsfördernd. Dazu kommt, dass die Kinder emotional ganz weit weg von der Schule sind. Sie sind oft die halbe Nacht wach, weil zu Hause gefeiert wird zum Fastenbrechen. Dann gehen sie um zwei, drei, vier Uhr ins Bett. Das kann nicht funktionieren, der Monat fällt für den Lernerfolg also weg. Der Ramadan hat bei uns etwas Frömmlerisches. Dieses Jahr hat es im Ramadan geschneit, und ein Mädchen hat eine Schneeflocke auf die Lippen bekommen. Dann ist sie in Panik geraten, weil sie fürchtete, das Fasten gebrochen zu haben. So ist das Klima. Es geht auch kein Kind schwimmen.
Kann man einfach sagen: Es ist Ramadan, ich schwimme nicht mit?
Nein, aber sie kriegen alle Entschuldigungen.
Bei wie vielen gelingt es, sie in eine weiterführende Schule zu bringen? Oder in einen Job?
Ich würde sagen, dauerhaft ungefähr bei der Hälfte.
Und die andere Hälfte?
Viele Mädchen werden einfach nach der Pflichtschule verheiratet. Ich glaube, es hat niemand am Schirm, dass uns deshalb ganz viele Mädchen einfach aus der Bildungslaufbahn wegbrechen.
Und weg sind vom Bildungssystem oder Arbeitsmarkt?
Die sind dann zu Hause. Die Mädchen wissen das ja auch, wenn sie jemandem versprochen sind. In der vierten Klasse sagen manche, dass sie das nicht zu lernen brauchen, weil sie eh heiraten. Beim letzten Sprechtag saß die Mutter einer Zwölfjährigen bei mir, die sich erkundigt hat, wie lang das Mädchen denn noch in die Schule gehen müsse. Der Ehemann warte nämlich schon.
Was sagt man da?
Dann halte ich einen langen Vortrag, dass Zwangsehen verboten sind und warum es gut wäre, mehr zu lernen und einen eigenen Beruf zu ergreifen. Aber da weiß ich schon, da rede ich nur für mich. Es ist völlig jenseits der Lebenswelt der Mutter gewesen. Es ist auch schwer zu kontrollieren, weil die natürlich nicht vor einem österreichischen Standesamt heiraten.
Und der Rest jener, die quasi aussteigen?
In der dritten oder vierten Klasse hört man oft: Warum brauch ich das? Ich geh eh AMS. Lebenslang von Sozialhilfe zu leben ist für viele ein normaler Lebensentwurf. Sie kennen das von den Eltern, außer ihnen bleiben in der Früh oft zu Hause alle liegen. Und dann wären da noch jene, bei denen absehbar ist, dass sie wohl in der Kriminalität enden. (seufzt) Es gibt Kinder bei uns, die lassen wir in den ersten Stunden schlafen, weil sie in der Nacht am Praterstern gedealt haben. Es wäre sinnlos, die zu unterrichten.
Richtet sich auch Gewalt gegen Sie?
Nein, das ist noch nie passiert. Im Gegenteil, mir haben Schüler Drogen und Hehlerware angeboten. Das war aber, glaube ich, nicht unfreundlich gemeint. (lacht)
Wie kam es, dass Sie Ihre Erlebnisse als Whistleblower in einem aus den Fugen geratenen System öffentlich machen?
Weil niemand darüber redet. Und ich denke mir, wenn die Öffentlichkeit informierte Urteile über Schule, Bildungs- und Sozialpolitik fällen soll, muss sie Bescheid wissen, was hier Sache ist.
Wie kann man Eltern verpflichten, sich mehr zu kümmern?
Es ist akzeptiert, dass zum Schuleintritt die Schulreife überprüft wird. Was spricht dagegen, dass es mit Ende des dritten Lebensjahres eine neue Sprachstandsfeststellung gibt? Spricht das Kind nicht Deutsch, dann muss es eben möglichst ganztägig in den Kindergarten. Und man muss auch die Eltern in die Pflicht nehmen. Ihnen erklären, wie sie ihr Kind fördern können. Und von ihnen verlangen, dass sie selber Deutsch lernen, damit sie überhaupt mit ihren Kindern in der Landessprache sprechen können.
Aber Sie schildern oft, wie wenig sich die Eltern kümmern, wie unkooperativ sie sind. Wie soll das dann gehen?
Ich bin sicher, dass es ginge.
Wieso?
Nehmen wir das Problem des Schulschwänzens: Das gibt es kaum mehr, seit eingeführt wurde, dass die Eltern Strafe zahlen, wenn ihre Kinder schwänzen. Diese Maßnahme hat gezeigt, dass man manchmal auch Druck ausüben muss. Wenn es dem schulischen Erfolg der Kinder förderlich ist, muss man die Eltern auch verpflichten. Und dazu gehören auch Sanktionen. Natürlich muss zuerst einmal ein Angebot da sein.
Wie kann es sein, dass Eltern weder Geld noch Zeit haben? Üblicherweise hat man zumindest eines von beidem.
Ich glaube schon, dass sie Zeit haben. Aber viele setzen sie nicht für ihre Kinder ein. Es werden ja auch Kinder mit Handys ruhiggestellt. Ich habe einmal in der Klasse gefragt, wer eine Begrenzung bei der Bildschirmzeit hat. Ein einziges Kind in der Klasse hat das. Alle anderen dürfen am Handy hängen, so lang sie wollen. Sie haben auch keine fixen Zu-Bett-Geh-Zeiten. Wir erklären den Eltern an Sprechtagen natürlich, dass Kinder nicht einschlafen können, wenn sie im Bett am Handy hängen. Aber es verfängt offenbar nicht.
Sind Sie enttäuscht von der SPÖ? Und von politischen Entscheidern generell?
Ich bin über Enttäuschung weit hinaus. Ich halte das System in der gegebenen politischen Situation für tatsächlich unreformierbar. Weil es ideologische Differenzen in diesem Bereich gibt, die pragmatische Lösungen verhindern. Daher versuche ich mich darauf zu konzentrieren, was vor mir liegt und was ich selbst beeinflussen kann.
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Ende
Ich sah gestern einen Teenager, der sehr wahrscheinlich keine höhere Schule besucht, wie er einer Teenagerin mit Kopftuch – noch ohne Pinguinstyle – a Watschn gab. Mitten in der Öffentlichkeit. Nee, auf der Donauinsel. Der Wortmacher unterstellte der Szene: Er hat ihr eine gelangt, weil sie hoch hinaus möchte. Über die Dächer Wiens. Aber keine mit der Faust. Noch wollte er ihr nicht zeigen „wo Gott wohnt." Der wohnt und lebt noch wie der alte Holzmichl im Refrain? Ja. Aber in meinem Fall hat dieser Gott die Möbel vom Tischler und nicht vom Möbel-Discounter.
Einerseits dominiert die XXXLutz-Gruppe mit ihren Ablegern Möbelix und Mömax im Grunde den österreichischen Discount-Möbelmarkt, und andererseits macht sie mit der ‚Möbel-Mafia‘ eine Werbekampagne, die genau jene Praktiken persifliert, die man Branchenriesen wie eben der XXXLutz-Gruppe nachsagt.
Und jetzt, in der warmen Jahreszeit, wimmelt es nur so von Jungs, die mit der Gesellschaft das „Ausweichspiel“ spielen – wie ich einst am Gehsteig, wenn ich direkt auf Männern zusteuerte, die viel mehr zu verlieren hatten als ich, weswegen sie zuerst den Schwanz einzogen und auswichen. So wie du heute ausweichend auf die Frage antwortest, warum du dich durchs Leben schnorrst. Genau.
Die können nichts und ich konnte eins auch nichts. Dafür. Der ist gut. Aber einen Unterschied gibt es. Ich wollte ja nur spielen und a Hetz(e) haben vordergründig, weil hintergründig alles so schrecklich war. Jungs von heute, ohne Anbindung an die kleinstbürgerliche Matrix, mit ihrem herrschaftlichen Anspruch, wollen nicht nur spielen. Auf ihren entfesselten, nee enttrosselten E-Scootern fahren dich einfach über den Haufen wenn du nicht ausweichst. Möglicherweise haben sie auch einen ganz anderen Ehrenkodex, wenn man eins noch einen ganz anderen Arbeitsethos hatte. Verlierer wie ich gingen zum Militär. Verlierer von heute gehen zum IS.
"The Times They Are A-Changin'."©️Bob Dylan
Was ist jetzt mit der Oreschnik? Was soll mit ihr sein? Wird sie Schaschlik aus uns machen? Zwecks Prävention und Kulminierung unserer Angst? Wovor? Na, vor den Russen. Kommen die schon wieder? Also in einem meiner Texte, die ich geschrieben habe, schon. Da wixxen sich russische Soldaten vor unserer Haustür einen herunter. Der alte Sergej Lawrow wäre natürlich viel komischer. Unerhört so etwas zu schreiben. Stimmt. Wenn einer unerhört ist dann bin ich das. Der Text kugelt jetzt irgendwo hier herum und wird der Welt sehr wahrscheinlich vorenthalten bleiben. Da entgeht der Welt so einiges. Das ist einer von jenen Texten die die 15 schaffen. 15 Seiten? Nee, das ist ein Insider.
Aus der Astrobiologie.
Was ist Leben? Und wie kann es sein, dass eine Ansammlung von leblosen Atomen, richtig zusammengesetzt, lebendig wird? Was also unterscheidet einen Stein von einem Seepferdchen, einen Roboter von einem Menschen?
Damit im Universum komplexe Moleküle entstehen können, müssten in einem System, beispielsweise der Vorläufer einer biologischen Zelle, Informationen gesammelt werden, wie man Atome auf eine bestimmte Art zusammenfügt. »Das ist es, was wir lebendige Materie nennen«, sagt Walker.
Leben, könnte man also sagen, ist ein Prozess, der das Unwahrscheinliche wahrscheinlich macht. SPIEGEL 22/2026
Woraufhin der Wortmacher wir ins Ohr flüsterte. Das aus dir noch etwas wird kann man gänzlich ausschließen. Was sagt uns das? Genau in dem Moment grüßte ich den Radl-Hermann. Der grüßte sogar zurück. Ein paar Minuten später stand ich neben dem Hydranten und füllte meine Wasserflasche auf. Wortlos radelte er an mir vorbei. Woraufhin ich mir dachte: Das sind also die Früchte meiner Beziehungsarbeit die ich geleistet hatte. Wie ein Bekloppter habe ich den Mann gegrüßt, während er Schlangenlinien fuhr. Freundlich unterwandert habe ich sogar ein Gespräch mit ihm gesucht. Besser gesagt in ihm.
Und dann ist der Mann ohne Aufhänger über seinen drogensüchtigen Sohn hergezogen, der angeblich schon einen Geburtsfehler hatte. Weshalb aus dem ja nichts werden konnte außer ein Junkie. Der Gedanke liegt dem Radl-Hermann viel mehr am Herzen als das Wohlbefinden seines Sohnes. Vor dem er sich im Juli und August immer eine Auszeit nimmt. Da lädt er seinen Sohn nicht einmal im Monat ins Gasthaus ein. Woraufhin ich mich fragte. Kann sich der Sohn vor free auch ein Getränk zum Essen bestellen oder muss er darauf verzichten, so wie der Radl-Hermann immer auf ein Getränk verzichtet wenn er im Gasthaus zum Mittag ist. Man(N) muss ja sein Geld beisammen halten. Im Leben wird einem ja nichts geschenkt. Doch das Leben. Der ist gut. Gleichzeitig hatte aber zu viel Pension um in einer Gemeindewohnung leben zu können. Darauf kam er zu sprechen weil seine Miete erhöht wurde.
Wer mehr als 61.280 € netto im Jahr oder 4.377 € netto im Monat (14 Mal im Jahr) verdient, kann nicht mehr um eine Gemeindewohnung ansuchen. Ansuchen kann man natürlich schon nur wird man keine mehr bekommen.
Aber ansonsten geht's dem Radl-Hermann ganz prächtig. Möglicherweise empfindet er die kurzen Unterhaltungen mit dir als unangenehm. Oder dich als Person. Gut möglich ja. Mein Eindruck ist aber ein anderer. Der Mann ist ein dunkles schwarzes Loch. Neben dem existiert kein Leben. Der radelt jeden Tag und bei jedem Wetter gegen seine Auslöschung an. Was anderes hat der Mann nicht im Sinn. Der will 200 Jahre alt werden. Der will einfach alle nur überleben. Der interessiert sich nicht für dich oder andere Menschen wie seinen drogensüchtigen Sohn. Letztes Jahr riss der Kontakt zu seinem drogensüchtigen schon auf einmal ab. Heuer im März hatte er in seiner Erzählung noch immer keinen Kontakt zu seinem Sohn. Woraufhin ich ihn verstört fragte: „Verstorben wird er ja nicht sein oder? Weil dann hätten sie dich ja verständigt. Oder nicht?
Nachdem der Radl-Hermann wortlos an mir vorbei geradelt war überholte ich ihn noch einmal. Natürlich ohne Sprachangebot. Es gibt wirklich total bekloppte Männer. Darüber wird viel zu selten gesprochen. Vor allem von Männern. Aber du hast doch selbst einen an der Waffel, versucht mich der Deichgraf, der hier die Stimme der Vernunft imitiert auf dem Boden der Realität zurückzuholen. Das mag schon stimmen. Aber ich stelle mein Blog nicht seit Jahren jedes Mal neu ein wie der Opa, sobald meines online sieht.
Und was ist jetzt mit der 15?
Eine entscheidende Rolle in Walkers Theorie des Lebens spielt eine Zahl. Sie nennt sie »assembly index«, auf Deutsch »Konstruktionszahl«. In ihrem Buch »Life as No One Knows It« veranschaulicht Walker die Idee anhand von Legosteinen: Man soll sich vorstellen, aus vielen bunten Steinen ein Objekt zusammenzubauen, etwa eine Figur. Ist es dann fertiggestellt, kann man es von da an immer wieder als Einheit benutzen. Die Konstruktionszahl gibt das Mindestmaß an Schritten an, um das vollständige Objekt zusammenzusetzen. Je höher die Zahl, desto komplexer das Objekt.
Zahl des Lebens
In einem Experiment untersuchten Walkers Kollegen verschiedene Objekte, manche leblos, manche Produkte des Lebens: Aminosäureverbindungen, Kalkstein, Kohle, Hefezellen, Bakterien. Anstatt sie zusammenzusetzen, gingen sie umgekehrt vor. Sie zerlegten sie mithilfe von Massenspektrografen, einer Art Waage für Moleküle, in sich wiederholende Einheiten. So bestimmten sie die Konstruktionszahl – also die minimale Zahl von Schritten, die nötig wären, um das Objekt wieder zusammenzufügen.
Das Ergebnis überraschte das Forschungsteam: Proben aus biologischen Prozessen erreichten Werte von bis zu 34. Dagegen kam kein einziges Objekt unbelebten Ursprungs auf eine Kennzahl von über 15. In den Proben schien die Zahl 15 eine unsichtbare Grenze zu markieren: zwischen unbelebter und belebter Materie. Walker sagt: »Nur das Leben kann wirklich komplexe Moleküle in großer Zahl bauen.«
Sara Walker sagt, sie habe schon immer etwas »wirklich Grundlegendes verstehen« wollen. »Mich fasziniert, wie der Geist die Gesetzmäßigkeiten der Natur durchdringt.«
Gesetz des Falles......
Quelle: Die "Presse am Sonntag"
»Viele können kaum lesen und schreiben«
Vor drei Jahren verließ Thomas Walach die SPÖ, um Lehrer an einer Brennpunktschule zu werden – und begann, massive Integrationsprobleme öffentlich zu machen. Über einen Alltag zwischen Sprachproblemen, Jungdealern und Kinderehen.
Sie waren im engsten Kreis von Pamela Rendi-Wagner, haben bei Peter Pilz und an der Uni gearbeitet. Jetzt sind Sie Mittelschullehrer. Warum? Der Verdienst wird es nicht sein.
Thomas Walach: Weil ich glaube, dass wir da einfach ein massives gesellschaftliches Problem haben. Und das hat mich einfach interessiert. Ich verdiene exakt halb so viel wie davor, arbeite aber auch nicht mehr so viel. In der Gesamtschau ist der Beitrag, den ich leisten kann, vielleicht gering, aber ich wollte mir diesen Bereich unbedingt ansehen.
Was hat Sie dort überrascht?
Wie groß die Startnachteile der Kinder dort sind. Eines meiner Schlüsselerlebnisse war ein Deutschförderkurs, in dem wir darüber geredet haben, welche Schulen die Kinder in ihrer Heimat besucht haben. Und was ihnen in Österreich jetzt besser – oder weniger gut – gefällt. Alle Kinder haben gesagt: Es sei schön, dass sie hier in der Schule nicht geschlagen werden. Manche haben dann ihre T-Shirts hochgezogen und mir ihre Narben gezeigt, von Peitschenschlägen und dergleichen. Bei Kindern mit so einer Vergangenheit – manche haben noch weitaus Schlimmeres erlebt – muss man, glaube ich, die Anspruchshaltung ein wenig ändern. Was kann man von denen erwarten? Da steht nicht im Vordergrund, dass sie Gleichungen lösen können.
Wie gewöhnt man Flüchtlingskinder an die Schule?
Da gibt es große Unterschiede. Ukrainer sprechen lediglich nicht Deutsch, sie kommen aber aus einem offenbar funktionierenden Schulsystem. Nach ein, zwei Jahren wechseln diese Kinder oft in eine HTL oder ins Gymnasium. Die Kinder aus Syrien und Somalia müssen erst einmal mit dem System Schule vertraut gemacht werden. Die wissen basale Dinge nicht. Dass man jeden Tag kommen und still sitzen muss. Die Orientierungsklassen, die viele Linke ablehnen, sind da eine gute Sache. Weil es anders gar nicht funktionieren würde.
Gibt es eigentlich auch autochthone Österreicher in Ihrer Klasse?
Nein. Wir haben in Österreichs Großstädten ein ethnisch segregiertes Schulsystem. Es gibt Migranten, die eine AHS besuchen, aber es gibt so gut wie keine Österreicher in den öffentlichen Mittelschulen. Mit einigen Ausnahmen, zum Beispiel Kinder mit geistigen Behinderungen. Wir haben im Moment rund 400 Kinder in der Schule, davon haben fünf keinen Migrationshintergrund.
Sie schrieben unlängst, dass es ein Erfolg ist, wenn die Mittelschüler am Ende Volksschultexte lesen können. Was sind die Ziele in Ihrer Schule?
Die Ziele sind individuell. Manche Kinder unterrichten wir nach AHS-Lehrplan, manche können nicht alle Buchstaben. Das Minimalziel ist es, dass alle ihr Leben selbstständig und autonom bestreiten können.
Wie viele sind hier geboren?
Fast alle Kinder, die ich in der Klasse habe, sind in Wien geboren, haben aber in der Schule zum ersten Mal Kontakt mit der deutschen Sprache gehabt.
Wir könnten jetzt über Politik und staatliche Pflichten reden, aber zuallererst einmal: Ist es den Eltern so egal, ob ihre Kinder Deutsch lernen? Und Erfolg in der Schule haben?
Ja. Bei den meisten Eltern der Kinder unserer Schule ist offensichtlich, dass sie ihre Kinder lieben. Aber viele haben wenig Verständnis, was Schule ist und wie sie funktioniert. Weil sie oft selbst keine besucht haben. Sie sehen auch keinen Zusammenhang zwischen Bildungsbiografie und Erwerbsbiografie. Viele sind nicht alphabetisiert, sprechen selbst kein Deutsch. Die Kollegen in den Volksschulen sind mit basaler Sozialisation beschäftigt – bis hin zur Hygiene. Wenn die Kinder dann zu uns kommen, beginnen wir dort, wo eigentlich die Volksschule anfinge. Viele Kinder, die zu uns kommen, können auch kaum lesen und schreiben.
In keiner Sprache?
In keiner Sprache. Dolmetscher und Muttersprachenlehrer sagen mir oft, dass sie die Kinder schlecht verstehen. Die können sich also in keiner Sprache wirklich ausdrücken. Das könnte auch der Grund sein, warum es zu viel Gewalt kommt.
Was sind Erfolge für Sie?
Es gibt ganz viele! Da gab es etwa ein Mädchen, das vor zwei Jahren in der vierten Klasse war, als der Überfall der Hamas auf Israel gerade großes Thema war. Das Mädchen hat sich sehr stark radikalisiert, trug plötzlich Ganzkörperverhüllung und erzählte, dass möglichst viele palästinensische Babys getötet werden sollen, weil die dann gleich ins Paradies kämen. Und das sei sehr schön für sie. Mit diesem Mädchen habe ich viel geredet. Die hat die Kurve bekommen. Und war die einzige in ihrem Jahrgang, die es geschafft hat, an einer weiterführenden Schule zu reüssieren.
Wie gestaltet sich der Schulalltag mit muslimischer Mehrheit? Sie twitterten von Problemen im Ramadan.
Ramadan ist ein viel größeres Problem als das Kopftuch. Die Politik kümmert sich leider viel mehr um das Kopftuch.
Ist ja auch einfacher.
Es hat auf das Lernen selbst keinen Einfluss. Bei uns sind rund zwei Drittel der Schüler muslimisch, und im Ramadan essen oder trinken nahezu alle muslimischen Kinder nicht.
Nahezu alle?
Ja. Das ist nicht gerade konzentrationsfördernd. Dazu kommt, dass die Kinder emotional ganz weit weg von der Schule sind. Sie sind oft die halbe Nacht wach, weil zu Hause gefeiert wird zum Fastenbrechen. Dann gehen sie um zwei, drei, vier Uhr ins Bett. Das kann nicht funktionieren, der Monat fällt für den Lernerfolg also weg. Der Ramadan hat bei uns etwas Frömmlerisches. Dieses Jahr hat es im Ramadan geschneit, und ein Mädchen hat eine Schneeflocke auf die Lippen bekommen. Dann ist sie in Panik geraten, weil sie fürchtete, das Fasten gebrochen zu haben. So ist das Klima. Es geht auch kein Kind schwimmen.
Kann man einfach sagen: Es ist Ramadan, ich schwimme nicht mit?
Nein, aber sie kriegen alle Entschuldigungen.
Bei wie vielen gelingt es, sie in eine weiterführende Schule zu bringen? Oder in einen Job?
Ich würde sagen, dauerhaft ungefähr bei der Hälfte.
Und die andere Hälfte?
Viele Mädchen werden einfach nach der Pflichtschule verheiratet. Ich glaube, es hat niemand am Schirm, dass uns deshalb ganz viele Mädchen einfach aus der Bildungslaufbahn wegbrechen.
Und weg sind vom Bildungssystem oder Arbeitsmarkt?
Die sind dann zu Hause. Die Mädchen wissen das ja auch, wenn sie jemandem versprochen sind. In der vierten Klasse sagen manche, dass sie das nicht zu lernen brauchen, weil sie eh heiraten. Beim letzten Sprechtag saß die Mutter einer Zwölfjährigen bei mir, die sich erkundigt hat, wie lang das Mädchen denn noch in die Schule gehen müsse. Der Ehemann warte nämlich schon.
Was sagt man da?
Dann halte ich einen langen Vortrag, dass Zwangsehen verboten sind und warum es gut wäre, mehr zu lernen und einen eigenen Beruf zu ergreifen. Aber da weiß ich schon, da rede ich nur für mich. Es ist völlig jenseits der Lebenswelt der Mutter gewesen. Es ist auch schwer zu kontrollieren, weil die natürlich nicht vor einem österreichischen Standesamt heiraten.
Und der Rest jener, die quasi aussteigen?
In der dritten oder vierten Klasse hört man oft: Warum brauch ich das? Ich geh eh AMS. Lebenslang von Sozialhilfe zu leben ist für viele ein normaler Lebensentwurf. Sie kennen das von den Eltern, außer ihnen bleiben in der Früh oft zu Hause alle liegen. Und dann wären da noch jene, bei denen absehbar ist, dass sie wohl in der Kriminalität enden. (seufzt) Es gibt Kinder bei uns, die lassen wir in den ersten Stunden schlafen, weil sie in der Nacht am Praterstern gedealt haben. Es wäre sinnlos, die zu unterrichten.
Richtet sich auch Gewalt gegen Sie?
Nein, das ist noch nie passiert. Im Gegenteil, mir haben Schüler Drogen und Hehlerware angeboten. Das war aber, glaube ich, nicht unfreundlich gemeint. (lacht)
Wie kam es, dass Sie Ihre Erlebnisse als Whistleblower in einem aus den Fugen geratenen System öffentlich machen?
Weil niemand darüber redet. Und ich denke mir, wenn die Öffentlichkeit informierte Urteile über Schule, Bildungs- und Sozialpolitik fällen soll, muss sie Bescheid wissen, was hier Sache ist.
Wie kann man Eltern verpflichten, sich mehr zu kümmern?
Es ist akzeptiert, dass zum Schuleintritt die Schulreife überprüft wird. Was spricht dagegen, dass es mit Ende des dritten Lebensjahres eine neue Sprachstandsfeststellung gibt? Spricht das Kind nicht Deutsch, dann muss es eben möglichst ganztägig in den Kindergarten. Und man muss auch die Eltern in die Pflicht nehmen. Ihnen erklären, wie sie ihr Kind fördern können. Und von ihnen verlangen, dass sie selber Deutsch lernen, damit sie überhaupt mit ihren Kindern in der Landessprache sprechen können.
Aber Sie schildern oft, wie wenig sich die Eltern kümmern, wie unkooperativ sie sind. Wie soll das dann gehen?
Ich bin sicher, dass es ginge.
Wieso?
Nehmen wir das Problem des Schulschwänzens: Das gibt es kaum mehr, seit eingeführt wurde, dass die Eltern Strafe zahlen, wenn ihre Kinder schwänzen. Diese Maßnahme hat gezeigt, dass man manchmal auch Druck ausüben muss. Wenn es dem schulischen Erfolg der Kinder förderlich ist, muss man die Eltern auch verpflichten. Und dazu gehören auch Sanktionen. Natürlich muss zuerst einmal ein Angebot da sein.
Wie kann es sein, dass Eltern weder Geld noch Zeit haben? Üblicherweise hat man zumindest eines von beidem.
Ich glaube schon, dass sie Zeit haben. Aber viele setzen sie nicht für ihre Kinder ein. Es werden ja auch Kinder mit Handys ruhiggestellt. Ich habe einmal in der Klasse gefragt, wer eine Begrenzung bei der Bildschirmzeit hat. Ein einziges Kind in der Klasse hat das. Alle anderen dürfen am Handy hängen, so lang sie wollen. Sie haben auch keine fixen Zu-Bett-Geh-Zeiten. Wir erklären den Eltern an Sprechtagen natürlich, dass Kinder nicht einschlafen können, wenn sie im Bett am Handy hängen. Aber es verfängt offenbar nicht.
Sind Sie enttäuscht von der SPÖ? Und von politischen Entscheidern generell?
Ich bin über Enttäuschung weit hinaus. Ich halte das System in der gegebenen politischen Situation für tatsächlich unreformierbar. Weil es ideologische Differenzen in diesem Bereich gibt, die pragmatische Lösungen verhindern. Daher versuche ich mich darauf zu konzentrieren, was vor mir liegt und was ich selbst beeinflussen kann.
----_------_--------___----------______-------______------______-
Ende
Ich sah gestern einen Teenager, der sehr wahrscheinlich keine höhere Schule besucht, wie er einer Teenagerin mit Kopftuch – noch ohne Pinguinstyle – a Watschn gab. Mitten in der Öffentlichkeit. Nee, auf der Donauinsel. Der Wortmacher unterstellte der Szene: Er hat ihr eine gelangt, weil sie hoch hinaus möchte. Über die Dächer Wiens. Aber keine mit der Faust. Noch wollte er ihr nicht zeigen „wo Gott wohnt." Der wohnt und lebt noch wie der alte Holzmichl im Refrain? Ja. Aber in meinem Fall hat dieser Gott die Möbel vom Tischler und nicht vom Möbel-Discounter.
Einerseits dominiert die XXXLutz-Gruppe mit ihren Ablegern Möbelix und Mömax im Grunde den österreichischen Discount-Möbelmarkt, und andererseits macht sie mit der ‚Möbel-Mafia‘ eine Werbekampagne, die genau jene Praktiken persifliert, die man Branchenriesen wie eben der XXXLutz-Gruppe nachsagt.
Und jetzt, in der warmen Jahreszeit, wimmelt es nur so von Jungs, die mit der Gesellschaft das „Ausweichspiel“ spielen – wie ich einst am Gehsteig, wenn ich direkt auf Männern zusteuerte, die viel mehr zu verlieren hatten als ich, weswegen sie zuerst den Schwanz einzogen und auswichen. So wie du heute ausweichend auf die Frage antwortest, warum du dich durchs Leben schnorrst. Genau.
Die können nichts und ich konnte eins auch nichts. Dafür. Der ist gut. Aber einen Unterschied gibt es. Ich wollte ja nur spielen und a Hetz(e) haben vordergründig, weil hintergründig alles so schrecklich war. Jungs von heute, ohne Anbindung an die kleinstbürgerliche Matrix, mit ihrem herrschaftlichen Anspruch, wollen nicht nur spielen. Auf ihren entfesselten, nee enttrosselten E-Scootern fahren dich einfach über den Haufen wenn du nicht ausweichst. Möglicherweise haben sie auch einen ganz anderen Ehrenkodex, wenn man eins noch einen ganz anderen Arbeitsethos hatte. Verlierer wie ich gingen zum Militär. Verlierer von heute gehen zum IS.
"The Times They Are A-Changin'."©️Bob Dylan
Was ist jetzt mit der Oreschnik? Was soll mit ihr sein? Wird sie Schaschlik aus uns machen? Zwecks Prävention und Kulminierung unserer Angst? Wovor? Na, vor den Russen. Kommen die schon wieder? Also in einem meiner Texte, die ich geschrieben habe, schon. Da wixxen sich russische Soldaten vor unserer Haustür einen herunter. Der alte Sergej Lawrow wäre natürlich viel komischer. Unerhört so etwas zu schreiben. Stimmt. Wenn einer unerhört ist dann bin ich das. Der Text kugelt jetzt irgendwo hier herum und wird der Welt sehr wahrscheinlich vorenthalten bleiben. Da entgeht der Welt so einiges. Das ist einer von jenen Texten die die 15 schaffen. 15 Seiten? Nee, das ist ein Insider.
Aus der Astrobiologie.
Was ist Leben? Und wie kann es sein, dass eine Ansammlung von leblosen Atomen, richtig zusammengesetzt, lebendig wird? Was also unterscheidet einen Stein von einem Seepferdchen, einen Roboter von einem Menschen?
Damit im Universum komplexe Moleküle entstehen können, müssten in einem System, beispielsweise der Vorläufer einer biologischen Zelle, Informationen gesammelt werden, wie man Atome auf eine bestimmte Art zusammenfügt. »Das ist es, was wir lebendige Materie nennen«, sagt Walker.
Leben, könnte man also sagen, ist ein Prozess, der das Unwahrscheinliche wahrscheinlich macht. SPIEGEL 22/2026
Woraufhin der Wortmacher wir ins Ohr flüsterte. Das aus dir noch etwas wird kann man gänzlich ausschließen. Was sagt uns das? Genau in dem Moment grüßte ich den Radl-Hermann. Der grüßte sogar zurück. Ein paar Minuten später stand ich neben dem Hydranten und füllte meine Wasserflasche auf. Wortlos radelte er an mir vorbei. Woraufhin ich mir dachte: Das sind also die Früchte meiner Beziehungsarbeit die ich geleistet hatte. Wie ein Bekloppter habe ich den Mann gegrüßt, während er Schlangenlinien fuhr. Freundlich unterwandert habe ich sogar ein Gespräch mit ihm gesucht. Besser gesagt in ihm.
Und dann ist der Mann ohne Aufhänger über seinen drogensüchtigen Sohn hergezogen, der angeblich schon einen Geburtsfehler hatte. Weshalb aus dem ja nichts werden konnte außer ein Junkie. Der Gedanke liegt dem Radl-Hermann viel mehr am Herzen als das Wohlbefinden seines Sohnes. Vor dem er sich im Juli und August immer eine Auszeit nimmt. Da lädt er seinen Sohn nicht einmal im Monat ins Gasthaus ein. Woraufhin ich mich fragte. Kann sich der Sohn vor free auch ein Getränk zum Essen bestellen oder muss er darauf verzichten, so wie der Radl-Hermann immer auf ein Getränk verzichtet wenn er im Gasthaus zum Mittag ist. Man(N) muss ja sein Geld beisammen halten. Im Leben wird einem ja nichts geschenkt. Doch das Leben. Der ist gut. Gleichzeitig hatte aber zu viel Pension um in einer Gemeindewohnung leben zu können. Darauf kam er zu sprechen weil seine Miete erhöht wurde.
Wer mehr als 61.280 € netto im Jahr oder 4.377 € netto im Monat (14 Mal im Jahr) verdient, kann nicht mehr um eine Gemeindewohnung ansuchen. Ansuchen kann man natürlich schon nur wird man keine mehr bekommen.
Aber ansonsten geht's dem Radl-Hermann ganz prächtig. Möglicherweise empfindet er die kurzen Unterhaltungen mit dir als unangenehm. Oder dich als Person. Gut möglich ja. Mein Eindruck ist aber ein anderer. Der Mann ist ein dunkles schwarzes Loch. Neben dem existiert kein Leben. Der radelt jeden Tag und bei jedem Wetter gegen seine Auslöschung an. Was anderes hat der Mann nicht im Sinn. Der will 200 Jahre alt werden. Der will einfach alle nur überleben. Der interessiert sich nicht für dich oder andere Menschen wie seinen drogensüchtigen Sohn. Letztes Jahr riss der Kontakt zu seinem drogensüchtigen schon auf einmal ab. Heuer im März hatte er in seiner Erzählung noch immer keinen Kontakt zu seinem Sohn. Woraufhin ich ihn verstört fragte: „Verstorben wird er ja nicht sein oder? Weil dann hätten sie dich ja verständigt. Oder nicht?
Nachdem der Radl-Hermann wortlos an mir vorbei geradelt war überholte ich ihn noch einmal. Natürlich ohne Sprachangebot. Es gibt wirklich total bekloppte Männer. Darüber wird viel zu selten gesprochen. Vor allem von Männern. Aber du hast doch selbst einen an der Waffel, versucht mich der Deichgraf, der hier die Stimme der Vernunft imitiert auf dem Boden der Realität zurückzuholen. Das mag schon stimmen. Aber ich stelle mein Blog nicht seit Jahren jedes Mal neu ein wie der Opa, sobald meines online sieht.
Und was ist jetzt mit der 15?
Eine entscheidende Rolle in Walkers Theorie des Lebens spielt eine Zahl. Sie nennt sie »assembly index«, auf Deutsch »Konstruktionszahl«. In ihrem Buch »Life as No One Knows It« veranschaulicht Walker die Idee anhand von Legosteinen: Man soll sich vorstellen, aus vielen bunten Steinen ein Objekt zusammenzubauen, etwa eine Figur. Ist es dann fertiggestellt, kann man es von da an immer wieder als Einheit benutzen. Die Konstruktionszahl gibt das Mindestmaß an Schritten an, um das vollständige Objekt zusammenzusetzen. Je höher die Zahl, desto komplexer das Objekt.
Zahl des Lebens
In einem Experiment untersuchten Walkers Kollegen verschiedene Objekte, manche leblos, manche Produkte des Lebens: Aminosäureverbindungen, Kalkstein, Kohle, Hefezellen, Bakterien. Anstatt sie zusammenzusetzen, gingen sie umgekehrt vor. Sie zerlegten sie mithilfe von Massenspektrografen, einer Art Waage für Moleküle, in sich wiederholende Einheiten. So bestimmten sie die Konstruktionszahl – also die minimale Zahl von Schritten, die nötig wären, um das Objekt wieder zusammenzufügen.
Das Ergebnis überraschte das Forschungsteam: Proben aus biologischen Prozessen erreichten Werte von bis zu 34. Dagegen kam kein einziges Objekt unbelebten Ursprungs auf eine Kennzahl von über 15. In den Proben schien die Zahl 15 eine unsichtbare Grenze zu markieren: zwischen unbelebter und belebter Materie. Walker sagt: »Nur das Leben kann wirklich komplexe Moleküle in großer Zahl bauen.«
Sara Walker sagt, sie habe schon immer etwas »wirklich Grundlegendes verstehen« wollen. »Mich fasziniert, wie der Geist die Gesetzmäßigkeiten der Natur durchdringt.«
Gesetz des Falles......
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