Freitag, 15. Mai 2026
Dem Grauen ganz nah. Aber nah dran ist auch vorbei.
https://www.youtube.com/watch?v=rBEdQW9n81k&list=RDrBEdQW9n81k&start_radio=1

Ich habe russischstämmige Nachbarn und ukrainische Nachbarn im Stock. Der alte Russe nebenan stammt ursprünglich aus Wladiwostok. Seine Ehefrau, mit der ich in fünfzehn Jahren noch kein Gespräch geführt habe, so etwas macht sie nicht mit mir, ist Ukrainerin. Und stramme Kommunistin ist sie auch. Da gibt es einen Feiertag. Da trägt sie eine Pilotka aus Sowjetzeiten.

Seit einiger Zeit habe ich auch ukrainische Nachbarn, die vor dem Krieg geflüchtet sind. Vor Putins Angriffskrieg, den dieser Wixxer vom Zaun gebrochen hat. Dieser Zaun ist inzwischen total löchrig. Die USA und Israel haben am letzten Tag im Februar den Iran angegriffen und ebenfalls ein riesiges Loch in die regelbasierte Nachkriegsordnung gerissen. Die iranische Führung wiederum massakrierte zu Jahresbeginn die eigene Bevölkerung. Bis zu 30.000 Tote werden von den Medien kolportiert.

13.05.2026:
Der Gesundheitszustand der iranischen Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi hat sich nach Angaben ihrer Stiftung erheblich verschlechtert. Jüngste Befunde zeigten ein klares Fortschreiten ihrer Gefäßerkrankung, hieß es. Mohammadis Ärzteteam habe zudem bekanntgegeben, dass ein zentraler Teil ihres Nervensystems, der für die Blutdruckregulation zuständig ist, funktionell geschädigt wurde. Die 54‐Jährige befinde sich derzeit in einer kardiologischen Station für weitere Behandlung.

Die Stiftung gab weiter an, ihr Ärzteteam habe betont, Mohammadi sei nicht in der Lage, weiteren Belastungen im Gefängnis standzuhalten. Die Nobelpreisträgerin war am Sonntag aus der Stadt Zanjan, wo sie inhaftiert ist, in ein Krankenhaus in Teheran verlegt worden.

Mohammadi war 2023 für ihren Einsatz gegen die Unterdrückung von Frauen und gegen die Todesstrafe im Iran mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Anfang Februar wurde sie nach Angaben ihres Anwalts erneut zu mehreren Jahren Haft wegen „Verschwörung“ und „propagandistischer Aktivitäten“ verurteilt; zudem gilt ein zweijähriges Ausreiseverbot. (APA)

Natürlich ist die Todesstrafe im Iran weiterhin ein probates Mittel, um die eigene Bevölkerung mundtot zu machen.

13.05.2026:
Inmitten einer Serie täglicher Hinrichtungen hat die iranische Justiz abermals Todesurteile nach Spionagevorwürfen vollstreckt. Ehsan Afraschteh, ein IT-Experte, sei gestern in der Früh durch Erhängen hingerichtet worden, berichtete die mit der Justiz verbundene Nachrichtenagentur Misan.

Hinrichtung nach Protesten
Ein weiterer Mann wurde im Zusammenhang mit den Massenprotesten im Jänner hingerichtet. Wie die Nachrichtenagentur Misan meldete, wurde das Todesurteil gegen Mohammad Abbasi vollstreckt. Die iranische Justiz hatte ihm vorgeworfen, bei Unruhen im Jänner einen Polizeibeamten erstochen zu haben. Quelle: orf.at

Eine Frau mit ihrem Sohn. Was ist mit denen? Auch hingerichtet? Nee. Die wohnen seit einiger Zeit nebenan. Ukrainische Kriegsflüchtlinge. Welche Funktion der junge Mann bekleidet, der ebenfalls mit den beiden zusammenlebt, habe ich noch nicht ganz herausbekommen. Ich tippe auf den Bruder der Frau. Der spielt hin und wieder auf der Gitarre und sieht ein wenig verträumt aus. Kein typischer Testosterontrottel also. Genau. Der hat kein markantes Kinn. Egal.

Die Nachbarin ist zu schön, um wahr zu sein. Fesch ist sie, wie man bei uns sagt. Wahrscheinlich ist sie noch so einiges mehr, zum Beispiel Mutter eines kleinen hyperaktiven Jungen, der einen chronischen Husten hat. Keuchhusten oder so. Der kann sehr anstrengend sein. Wie die beiden den aushalten, ohne laut zu werden, ist ganz große Erziehungs- und Erduldungskunst. Entweder ist der einfach nur ziemlich verhaltensoriginell oder er ist traumatisiert. Oder beides in einem Aufwasch. Wenn er sich aufregt, was des Öfteren vorkommt, wird sein Husten schlimmer.

Hin und wieder ist der völlig von der Rolle. Da schreit er wie am Spieß und brüllt herum. Und das aus heiteren Himmel. Mich grüßt er nicht einmal mehr. Wahrscheinlich hat er dich durchschaut. Die Erwachsenen um ihn herum bestehen auch nicht mehr darauf, dass er mich grüßt, wie das einst so war. Das gehörte früher zur Erziehung: dass Kinder alle Nachbarn grüßen mussten. Der soziale Druck war groß. Was werden die Nachbarn von den Eltern denken, wenn das Kind nicht einmal grüßen kann. Die Zeiten haben sich geändert. Und die Menschen, die zwangsläufig in diesen Zeiten leben, auch.

Gestern hatte der Kleine mal wieder einen Anfall. Da brüllte er auf einmal auf dem Gang herum. Wie am Spieß. Ich stand knapp davor, die Wohnungstür aufzureißen und ihn anzuschnauzen. Aber du kannst zu dem ja nicht sagen: Werd endlich mal erwachsen. Dafür ist der noch viel zu jung.

Außerdem will ich kein alter Sack sein, der Kinder zurechtweist. Wenn sonst nix mehr geht. Einen Kind Angst einjagen, geht sich aber noch aus. Und danach einen kleinen Schnaps. Man(N) gönnt sich ja sonst nix. So etwas mache ich nicht. Kinder in die Schranken weisen. Genau genommen machst du gar nichts. Beinahe, ja. Ich verfalle. Sehenden Auges steuerst du auf deine Auslöschung zu. Das auch, ja, Wortmacher. Dafür waren die Alten einst berüchtigt. Für was? Für ihre nationalsozialistische Geisteshaltung? Das auch, ja. Kinder zusammenstauchen. Wie sagte man: Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gab auch ein paar sehr gemütliche Alte, die ein Herz für Kinder hatten. Die waren natürlich unglaublich beliebt bei Kindern. Bei anderen Erwachsenen jedoch weniger. Die unangepassten Alten. Davon gab es höchstens eine Handvoll südlich der D. (Demarkationslinie). Ein Merkmal: Alte, die freundlich zu Kindern waren, waren dafür unfreundlich zu anderen Erwachsenen. Sie werden ihre Gründe gehabt haben. Einst waren das getrennte Welten. Wenn die Erwachsenen miteinander redeten hatten die Kinder zu schweigen. Oft wurde man auch aus dem Raum geschickt. Bevor sie sich anbrüllten. 😅

In der Wohnung brüllte er dann weiter. Und dann hustete er wieder wie bekloppt. weil er sich gar so sehr aufgeregt hatte. Dieser kleine Scheißer. Na, na.

Am Abend, vor der Glotze auf der Bettkante beim Abendessen, machte ich den ORF‑Teletext an. Seit einiger Zeit habe ich wieder Teletext. Gute Sache. Ich bin noch Generation Teletext. Jahrelang habe ich zu Hause und in den Wettbüros auf die Monitore mit den Sportergebnissen im Teletext gestarrt. Oft mit vollen Hosen. Natürlich ließ ich mir nichts anmerken. Nee, ich habe mich nicht in den finanziellen Ruin hineingezockt. Inzwischen sind Online‑Wetten & Casinos ein Milliardenbusiness.

Laut Statistas Market Insights beliefen sich die Gesamteinnahmen aus Glücksspielen 2025 auf über 643 Mrd. Daten von Statistas Market Insights beziffern die weltweiten Einnahmen aus Sportwetten für 2026 auf rund 88 Mrd.💵, wobei ein breiterer legaler Zugang und einfachere digitale Wetten das Wachstum vorangetrieben haben. Mobile Wett‑Apps stehen im Mittelpunkt des Online‑Wachstums und ermöglichen es den Nutzern, jederzeit und mit sehr geringem Aufwand zu spielen. Tatsächlich nutzten laut The Business Research Company 2025 rund 80 % der Spieler ihr Smartphone dafür.

Die Bequemlichkeit erhöht auch die Häufigkeit der Wetten. Eine Umfrage des Siena College Research Institute und der St. Bonaventure University ergab, dass 54 % der Online‑Sportwettenden 2025 mindestens ein‑ oder zweimal pro Woche Wetten platzierten. Während sich dieser Abschnitt auf das Marktverhalten konzentriert, wird die spätere Diskussion über Statistiken zur Online‑Spielsucht zeigen, wie ein verbesserter Zugang für manche Nutzer auch weitreichendere Risiken mit sich bringen kann.

Sehr lustig finde ich folgende Aussage:
Statistiken zur Spielsucht zeigen, dass die Schäden weiterhin auf eine kleinere Gruppe konzentriert sind: 2024 hatten 2,5 Millionen Erwachsene in den USA schwerwiegende Glücksspiel‑Suchtprobleme.

Nur 2,5 Millionen Spielsüchtige, die möglicherweise auch das College‑Geld ihrer Kinder verzocken. Das ist doch nix. Guck mal die Statistik, wie viele Amerikaner:innen von Schmerzmitteln abhängig sind. Laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sind in den USA seit 1999 mehr als 800.000 Todesfälle durch Opioidüberdosen zu verzeichnen.

Als Purdue 1996 OxyContin einführte, griff das Unternehmen auf eine neue Rohstoffquelle zurück: einen thebainreichen Mohn aus Tasmanien, der den Vorläuferstoff für Oxycodon weitaus effizienter lieferte als indisches oder türkisches Opium. Die 80/20‑Regel der US‑amerikanischen Drogenbekämpfungsbehörde (DEA) sollte diesen globalen Wettbewerb eigentlich eindämmen, konzentrierte sich aber auf Morphin, wodurch Thebainimporte aus Tasmanien praktisch unbeschränkt blieben. Die Sacklers nutzten diese Gesetzeslücken und das Überangebot an Rohstoffen, um OxyContin zu entwickeln. Dessen Retardformulierung konnte durch Zerkleinern oder Kauen umgangen werden. Diese Abkürzung führte zu einem starken Rausch – und für viele Konsumenten zum Weg in die Sucht und zur tödlichen Überdosis.

Ende der 2000er‑Jahre konsumierten Amerikaner – weniger als fünf Prozent der Weltbevölkerung – nahezu das gesamte weltweit verfügbare Hydrocodon und den Großteil des Oxycodons. Bis 2018 starben jährlich Zehntausende Amerikaner an Überdosen.
Quelle: 📰 / Benjamin Siegel, Geschichtsprofessor an der Boston University. Kürzlich hat er ein Buch über die globale Geschichte der Schmerzmittel geschrieben.

Vor der Glotze, noch immer auf der Bettkante hockend, zappte ich nach den Ergebnissen der 2. Bundesliga in Österreich – Lustenau steigt auf – auf Seite 133 im ORF‑Teletext. Als ich ins aufgebackene Brot biss, kam es in Kiew zu einem fürchterlichen Gemetzel: 10 Tote und zig Verletzte nach schweren russischen Angriffen.

Inzwischen ist die Zahl der Toten nach der jüngsten russischen Angriffswelle auf 21 gestiegen. Zudem werden laut Rettungskräften noch immer 17 Personen in den Trümmern eines zerstörten Wohnblocks vermisst, wie ukrainische Medien berichteten. Dutzende Verletzte müssten behandelt werden. Russland hatte die Millionenmetropole und andere Städte in der Nacht mit Hunderten Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern attackiert – ein selbst nach mehr als vier Jahren Krieg außergewöhnlich heftiger Angriff.

Am vergangenen Wochenende gab Russland kein Bild der Stärke ab. Aus Sorge über ukrainische Drohnenangriffe sah sich der Kreml erstmals seit fast zwei Jahrzehnten gezwungen, bei der Parade am 9. Mai auf die Zurschaustellung von Militärtechnik zu verzichten. Hinzu kam das Hickhack um eine Waffenpause während der Feierlichkeiten. Zwar konnte in letzter Minute eine dreitägige Schonfrist ausgehandelt werden. Der ukrainische Präsident behielt dabei aber in kommunikativer Hinsicht die Oberhand. In einem vor Spott triefenden Erlass erlaubte Wolodimir Selenski dem Kreml grosszügig, ohne ukrainische Störmanöver auf dem Roten Platz Feierlichkeiten abzuhalten.

Erst Drohnen, dann Bomber
Auf diese Demütigung reagierte der russische Präsident Wladimir Putin nun mit umso größerer Gewalt. Am Mittwoch und in der Nacht auf Donnerstag führte Russland den bisher umfangreichsten Luftangriff auf die Ukraine seit Kriegsbeginn aus. Innert 24 Stunden hätten 1428 russische Langstreckendrohnen Ziele im ganzen Land angeflogen, meldete die ukrainische Luftwaffe.

Offensichtlich nutzte Russland für diesen Großangriff die Hunderte von Drohnen, die es während der Waffenruhe vom Wochenende und in den Tagen zuvor «angespart» hatte, um nun umso heftiger zuzuschlagen. In der Nacht auf Donnerstag stiegen zudem Bomber auf, die Marschflugkörper abfeuerten. Auch 18 ballistische Raketen setzte Russland ein. Diese verfügen nicht nur über eine viel höhere Sprengkraft, sondern sind auch schwieriger abzuwehren als Drohnen. Quelle: "NZZ"

Angespart. Tödliche Waffen. Scheiße, ist das düster.
Der kleine ukrainische Junge liegt völlig richtig. Es ist zum Losbrüllen.

Ende

Nicht wirklich. Der zuckt gerade wieder total aus.

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