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Mittwoch, 10. Juni 2015
Abschiedsbrief an die Leichtigkeit des Seins
„Die Manien werden im Alter weniger die Ängste bleiben“. Die Nerventante hatte mich vorgewarnt, leise wie es ihre Art ist, in einem Nebensatz, während ich wild mit dem Armen ruderte und mit der Stimme lautmalte und in expressiven Bildern von meinem glorreichen Ausbruch faselte, der wieder mal knapp bevorstand. Das ich nach gelungener Flucht kein anderes sein könnte, wischte ich mit einem Schulterzucken weg, wie junge Wilde das halt so machen, wenn ihnen die Etablierten mit den hängenden Wangen, blöd im weg herumstehen. Geh, dachte ich mit wahnhafter Überheblichkeit geschlagen wie andere mit Blindheit oder einem Sinn für die Wirklichkeit, das wird mich nicht vom Hocker reißen. Mich wird es nicht erwischen. Und wenn, bin ich bestens vorbereitet. Ich schaffe jede Menge Klimmzüge und Liegestütze und ich kann ganze Wochen und Monate mit dem Rücken zur Straße in meinem Klappstuhl ausharren, ohne dass meine menschlichen Bedürfnisse nervös mit den Hufen scharren wie ein Rennpferd und wütend bin ich auch, immer noch wütend wenn es sein muss. Auf was kann ich nicht mehr so genau sagen. Irgendetwas wird mir schon einfallen. Immerhin lese ich regelmäßig Zeitungen (digital wie analog) und Bücher, jede Menge Sach und Lach Bücher sogar. Die sind voll mit Grauslichkeiten. Zehn Minuten in einem Shoa-Bilderbuch geblättert und schon bin ich wieder auf 150. Bitte fühlen sie sich von meinem Holocaust-Fetisch nicht angesprochen. Das ist mein Fetisch. Da wird sich schon was auftun, da mache ich mir keine Sorgen. DichterInnen habe ich auch auf Vorrat. Antonin Artaud, den steckten sie ins Irrenhaus, David Foster Wallace, gut der hat sich erhängt, Paul Celan der sprang in die in Seine, Ingeborg Bachmann, auch kein gutes Beispiel, aber der gute alte Charles Bukowski hielt bis zum bitteren Ende durch und die Frau Elfriede ist auch nicht klein zu kriegen und denken sie nur an die Tagbebücher von Polina Scherebzowa. Jede Zeitepoche braucht offensichtlich eine Tagebuschschreiberin des Grauens. Natürlich weiß ich das die Welt auch gut ist und schön und friedlich und in manchen Momenten beinahe vollkommen. Aber nicht meine. Und auf dem Dachboden der Erinnerung liegt auch noch einiges an Gefühlen herum, das man abstauben oder neu sortieren könnte und schlechte Tage habe ich ja auch, an denen die Paranoia plündernd wie die Vandalen gegen Rom ziehen oder der IS Richtung Tripolis und mit Blut an den Händen, eine neue glorreiche Kultur ausrufen. Ich fühlte mich prächtig in meinem Wahn, ganz bei mir, unsterblich, nicht zu bezwingen oder vom Gegenteil zu überzeugen. Und darauf kommt es ja im Leben auch an, das man sich gut fühlt, nicht glücklich oder erfüllt, fürs Glück das auch eine Momentaufnahme ist, habe ich das falsche Leben, aber doch so gut, das man es allein mit der ganzen Welt aufnehmen könnte, wenn`s unbedingt sein muss. Immer darauf hinarbeiten das einem irgendwann die Flucht in das ganz eigene Leben gelingt. Dass man sich zu etwas formt, das Form hat und Gestalt annimmt, vielleicht wie ein Stein unter Steinen, den die Menschen aufheben oder ansehen, auch wenn irgendwann die Flut kommt und alles vergebens sein muss. So ist nun mal das Leben. Und ich sprang lachend aus dem Stuhl und zeigte meiner Nerventante, wie flink meine Beine sind und wie man einen linken Hacken schlägt, wie man sich wegdruckt, oder zur Seite ausweicht, wenn die Manien im Alter weniger werden und die Ängste bleiben.

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Montag, 8. Juni 2015
Panik in Entenhausen
Sie werden sich sicherlich nicht gefragt haben wo der Schizophrenist so lange abgeblieben ist. Die Sache ist so. Der Wahnsinn ist bei mir eingebrochen, noch dazu mitten am Tag und vor allen Leuten. Schrecklich. Trotz meines wenig erbaulichen Zustandes fühlte sich niemand wirklich verantwortlich. Ich normal auch nicht. Nur dieses Mal hatte ich wirklich ernsthafte Bedenken, weil ich mir gezwungenermaßen die saublöde Frage stellte, weil sie sich aufdrängte wie eine Gewitterfront, für was ich mir das eigentlich alles antue. Ich bin nicht Jesus, an mir hängt nicht der Saum der Geschichte. Eigentlich sitze ich nur so da und warte ab. Für die Sinnfrage kann ich nichts. Die ist der Preis für Adam und Evas gelungenen Versuch, sich der Nacktheit zu entledigen, um Verantwortung zu tragen. Deswegen traue ich mich zu behaupten, dass ich ziemlich von der Rolle war/bin. Die schizoaffektive Angst vor dem Zerfall hat sich meiner bemächtigt wie eine Fluch oder eine Sektenführer der Enthaltsamkeit predigt und deswegen seinen dicken Mercedes nicht tiefer legen lässt. Da ein Unglück gern in Gesellschaft kommt, sind auch noch alle digitalen und multimedialen Dienste des Kabelbetreibers ausgefallen. Alle seit Mittwoch. Grauenhaft, schrecklich, unerträglich. Kein Internet und kein Telefon würde ich ja noch verkraften. Was ich aber nur schwer hinnehmen kann ist die Tatsache, dass auch mein heiliger Gral, die Glotze, so dunkel bleibt wie der Meeresgrund im Mittelmeer oder ein Ofenrohr wenn das Licht ausfällt. Seit Mittwoch sitze ich also auf dem Trockenen, total auf Entzug und mir überlassen, was mir gar nicht gut behagt, und jetzt ist Sonntag. Ich hatte auch etwas Glück im Unglück. Das sollte nicht unerwähnt bleiben. Der Hobbit-Anwalt und die Lady S. kamen mich auf der Insel besuchen, was mich aufrichtig freute. Nur meine Angst vorm Zerfall wollte ich diesen jungen Menschen natürlich nicht umhängen. Männer wie ich sollten ihre Lebensuntauglichkeit einfach im Alkohol betäuben oder wild um sich schlagen. Aber die Zeiten haben sich geändert. Kaputte Heteroschlampen haben sich überlebt. Heute geht`s um andere Dinge. Jüngere Männer sprechen heute eh andauernd über ihre Ängste und Nöte. Nur ich kann das nicht. Dazu fehlt mir das Talent. Natürlich kann ich darüber sprechen, aber das hört sich so an als ob ich aus einem Telefonbuch vorlese oder einen schlechten Witz erzähle. Spreche ich über Stan "the man" Wawrinkas grandiose Rückhand bin ich emotionaler. Die Ängste und Nöte bleiben einfach hinter der Fassade hängen. Eigentlich krachen sie dagegen. Außerdem haben die beiden ihre ganz eigenen Sorgen, die auch damit zusammenhängen, dass sie sich noch in ihrem Leben beweisen müssen. Ich hingegen bin hoffnungslos verloren. Der Hobbit-Anwalt, mit Güte geschlagen, hat mir sein mobiles Internet da gelassen. Jetzt kann ich surfen. Doch sich Sport im Live-Stream ansehen ist eine einzige Tortur. Der Stream bleibt andauernd hängen. Meine Sehgewohnheiten sind für hängenbleibende Streams nicht gemacht. Ein schneller Kontorangriff über die Flügel vorgetragen dauert manchmal gut eine Minute. Und dann noch das Drama auf der Insel. Eine Ente hat sich am Fuß verletzt. Jetzt hinkt die Arme fürchterlich und ihr Gatte und ich wissen nicht was wir dagegen unternehmen sollten. Aufgewühlt schwimmt der jetzt blöd im Kreis herum und sein Geschnatter hört sich an wie mein Seelengeklage. Einfach einfangen und zum Tierarzt fahren lässt sie sich das blöde Vieh auch nicht. Fliegen kann sie ja noch. Töten könnte ich sie und dann rupfen und essen. Aber diese Frage stellt sich für mich nicht. Wien ist ja nicht das belagerte Leningrad oder Aleppo. Aber so richtig den Boden unter den Füßen hat mir das Ehepaar F. aus dem zweiten Stock weggezogen. Der fette Bulgare, das ist der Vater vom Schizo der fürchterlich hässlich schizophren ist, hatte ein Loch in seiner Wasserleitung. Der hat nicht nur in der Wasserleitung ein Loch. Anstatt das Gebrechen sofort reparieren zu lassen ist der Gute einfach nach Kasachstan geflogen und hat die Leute blöd sterben lassen. Trotzdem wähnt er sich im Recht. Jetzt hat das Ehepaar F. eine Wand die mindestens so nass ist wie die Möse von der Josefine Mutzenbacher. Deswegen muss das Gewölbe nach dem Abspachteln von einer Sanierungsfirma trocken gelegt werden. Das Ehepaar F., zwei ältere Herrschaften aus dem einstigen Bildungsbürgertum, wohnt aber eigentlich am Land. Die Bude in Vienna ist nur ihr Zweitwohnsitz. Und die Sanierer kommen immer mal wieder nachsehen wie weit der große Föhn die Mauer trocken geblasen hat. Kurz und gut. Weil das für das Ehepaar F. ziemlich müßig ist, andauernd hin und her zu pendeln, suchten sie nach jemanden der ihnen vertrauenswürdig genug erscheint den Schlüsseldienst zu machen. Wie es aussieht kommt für diese bedeutende Aufgabe in diesem Haus nur der Schizophrenist in Frage. Natürlich sagte ich sofort zu. Man kann doch Menschen in der Stunde ihrer Not nicht den Rücken zukehren. Kann man natürlich schon. Die Verbitterung die über der Welt liegt wie Mehltau muss ja von irgendwo her kommen. Jetzt hab ich die Schlüssel. Und während wir ein wenig über den Zustand der Mauer und den fetten Bulgaren fachsimpelten, erzählte mir der Herr F. wie duzen uns ja, warum weiß ich nicht, wahrscheinlich weil wir Eigentümer sind, das die Frau F. an Demenz erkrankt ist. Vor 1 ½ wurde die Krankheit bei ihr diagnostiziert. Und jetzt soll`s rapide bergab geben. Ich sag mal so. Die Verzweiflung vom Herrn F. war/ist greifbar. Die Frau F. weiß ja manchmal nicht mehr so genau wo sie sich gerade aufhält. Die dachte sie sei in Kärnten. Dabei saß sie im Wohnzimmer ihres Hauses in Niederösterreich. Geld kann man ihr auch keines mehr anvertrauen klagte der Herr F. und der Herd wird auch zu einer unlösbaren Aufgabe für die Frau F. Sehr traurig. Wobei es jede Menge Leute gibt denen kann man auch kein Geld anvertrauen und die sind nicht dement. Und die Stunde naht, in der sie nicht mehr wissen wird wer er der Herr F. ist oder ihre beiden Kinder. Es muss sich schrecklich anfühlen seinen Lebensmenschen an etwas zu verlieren das grausig ist und keinen rechten Sinn ergibt, während die Welt sich einfach weiterdreht. Mit mir redet die Frau F. noch und an meiner Tür klopfte sie letztens auch, während sie vom fetten Bulgaren Angst hat. Ich will denn fetten Bulgaren nicht schlechter machen als er wirklich ist. Nur früher oder später, meistens früher, lebt der fette Bulgare mit jedem in Zwietracht. Kannst gar nichts dagegen machen. Natürlich ist das auch traurig. Aber anders traurig. Nur das alles zusammen, kein Fernsehen (oder Welt in die ich mich flüchten kann), die humpelnde Ente, Demenz, der fette Bulgare, und dann auch noch ich in meinem Wahn, der dieses Puzzele völlig falsch zusammensetzt, war eindeutig zu viel. In meinem Kopf war auf einmal die Ente dement, der fette Bulgare die hinkende Ente, die Frau F. der fette Bulgare, ich der Herr F. und der Herr F. der Enterich der hilflos im Kreis herum schwamm. Und dann hat auch noch die FPÖ bei Landtagswahlen im Burgenland und der Steiermark den Unmut in der Bevölkerung abgeräumt wie dreckiges Geschirr. Der Goadfather wollte mich auch noch besuchen kommen. Ging aber nicht weil er ja sein Mail etwas zeitverzögert bei mir ankam. Erinnerte ein wenig an den Transport mit einer Postkutsche. Der Winnetou ist auch verstorben. Da passte ganz gut ins Konzept das ich beim Putzen den Staubsauger, besser gesagt das Rohr, anstatt an den Stuhl zu lehnen einfach ins Leere fallen ließ. Deswegen ging die Glasplatte des Wohnzimmertisches zu Bruch. Wenigstens ein Unglück das sich ziemlich einfach aus der Welt schaffen lässt.

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Donnerstag, 28. Mai 2015
DD-ie Mongo-Nummer mit der Vollsepp(horst)-Garantie
Neu Seite33. Im Zocker-Blues geht es nicht darum das ich mich für einen besseren Menschen halte.

Seite 31
Dem Schizophrenisten kann ich jetzt schön eins reinwürgen und dann stehle ich mich einfach davon. Und das nächste Mal schreibe ich erst recht, das auf Hochachtung geschissen wird, und weil ich gerade dabei bin, die Medikamente die du einnimmst sind ja völlig lachhaft. Dem zeig ich jetzt wo der Bartl den digitalen Most herholt. Den überrenne ich jetzt mit meinem unbehandelten Wahn in einem Blitzangriff. Dafür ist der wie geschaffen. Kaputt und kleinstbürgerlich verwüstet ergreift der eh keine entsprechenden Gegenmaßnahmen. Da kann ich mich schön austoben. Gibt ja so frigide Weiber, die schmeißen dich schon raus, weil sie sich durch deine sprachliche Anwesenheit atmosphärisch etwas unpässlich fühlen und stattdessen lieber für einen Massenmörder wie den Copiloten-Heino in den Ring steigen. Auf dem Schizophrenisten-Blog benötigt es keine Selbstbegrenzung. Den Schizophrenisten scheiße ich jetzt mit meinem nationalsozialistischen Schmarrn bis oben hin zu. Vor dem gehe ich jetzt im Stechschritt auf und ab, auf und ab. Bis zum Abwinken mache ich das und wenn ich es sich ausgestechschrittet hat, weil die Finger vom tippen und kopieren und einfügen müde werden, tue ich einfach so als ob ich gar nicht da war und löche alles. Gibt nichts schöneres als eine Selbstbeschädigung auf Kosten eines anderen. Dafür braucht es den Schizophrenisten. Der hat eh keine Lobby. Doch habe ich. Mein rechter Hammer. Gratisliteraturleser, die nichts eigenes Schreiben und sich nur an den kleinen oder größeren Katastrophen anderer aufgeilen oder schadlos halten, weil sie das in einer Zusehdemokratie, die aktive Teilnahmslosigkeit vorrausetzt so gelernt haben, oder weil ihr ereignisarmes Leben überhaupt keinen emotionalen Ertrag abwirft der in eine Form eingebracht werden muss wie eine Kuchenmasse, konsumieren dich im Grunde wie einen Wegwerfartikel aus dem Supermarkt. Das war jetzt unvollständig aber doch richtungsweisend. Für einen Wegwerfartikel im Supermarkt müssen die Leute in der Regel bezahlen. Die rauben dich einfach aus, völlig ohne Gefahr für ihre Reputation und ganz ohne schlechtes Gewissen. Blogliteratur ist im Grunde Wegwerfliteratur. Erschreckend ist das. Einer angeschissenen Windel bringt man in der Regel mehr Wertschätzung entgegen. Tausende Stunden an Arbeit, für nichts und wieder nichts, werden so einfach entwertet, nicht geachtet, weggeschmissen, verrissen, geschmäht und weggeklickt. Das manische Wegklicken erinnert sehr an das Gehabe eines gelangweilten Imperators dessen Daumen nach unten zeigt. Wir leben ja in einer zur Hysterie neigenden Übertreibungskultur. Die Leute wollen unter Strom stehen. Von Kindheitsbeinen an werden die Leute heute auf Unterhaltung und Spannung gedrillt. In einem Interview im aktuellen m Spiegel sagt der Chef von ProSiebenSat.1 auf die Frage ob die Dosis an Aufregung immer erhöht werden müssen: „Die Entwicklung geht schon seit einer Weile dahin, die Grenzen immer weiter nach außen zu verschieben und die Impulse stärker zu machen. Die Zuschauer sind emotional abgehärteter, und die Stimulanz muss größer werden“. Gratisliteratur funktioniert sehr ähnlich. Ich kenne eine Bloggerin, der ihre Einträge werden in der Regel nur dann rege diskutiert, wenn sie mit Selbstmord droht oder ziemlich nahe dran ist. Der ihre Leser sind schon total auf Katastrophe eingeschossen. Was anders wollen die gar nicht mehr fühlen. Anders erreicht man die Leute heute offensichtlich nicht mehr. Würde diese Bloggerin irgendwann an einen Punkt in ihrem Leben ankommen, indem sich alles zu Guten hinwendet, kann sie ihren Blog zusperren. Nur ganz nahe am Untergang, der nie der eigenes sein darf, fühlen sich die Leute gut unterhalten. Erschreckend ist das. Außer natürlich sie können mit süßen Katzenfotos aufwarten wie mit einer zünftigen Bretteljause oder einem Kohlrabi-Grünkohl-Spinat-Smoothie. Niedliche Katzenfotos ziehen immer. Auch bei mir. Ein Blogger/Schreiber wie ich, der tunlichst darauf bedacht ist, aus gesundheitlichen Erwägungen jeder unnötigen Aufregung aus dem Weg zu gehen, ertrinkt natürlich im Unspektakulären. In meiner Welt hört man die Wände husten und die Spinnen sich schnäuzten. Letztens sah ich eine Fliege die schaltete schon vormittags die Glotze ein, weil sie diese Monotonie die sich mein Leben nennt nicht mehr aushielt. Dabei ist war die nur zu Gast. An sich auch eine ziemliche Tragödie, nur leider völlig unspektakulär. Ein Mensch in einem durchgesessen Klappstuhl der auf das Ende wartet erzeugt keine Spannung. Die Tragödie liegt ja vor allem darin, dass ein Menschenleben auch wesentlich mehr sein kann als sein durchgesessener Klappstuhl. Und ich weiß das natürlich. Ich kann das fühlen. So einen wie mich der auf den ersten Blick auch nicht besonders sympathisch rüberkommt und sich nicht anbiedert, entsorgen gelangweilte Gratisliteraturleser, in ihrem auf große Katastrophen und Hysterie getrimmten Bewusstsein einfach im nächsten Abfalleimer des nächsten Klicks. Achtlos klopfen sie dich zu den Buntmetallen oder pfeffern dich gleich in den Hausmüll zu den Speiseresten. Es ist die Hölle. Heute habe im Internet gelesen, natürlich als Gratisleser getarnt, das die Tochter vom Bernie Ecclestone, das ist dieser kleine, uralte Kerl, dem die Formel 1 hörig ist, Handtaschen im Wert von beinahe 1 Million Euro besitzen soll. So, dachte ich mir, muss man sein Bedürfnis nicht zu einer gesichtslosen Masse zu gehören, handhaben. Man trägt einfach irgendein Ding wie ein Statement von A nach B und alles scheint damit gesagt zu sein. Was es natürlich nicht ist. Aber sich nur mit Worten ausdrücken. Da muss man schon sehr qualifiziert sein sonst wird des in der Regel nichts. Schuld an diesem Gratisliteratur-Dilemma hat man natürlich selbst. Wer sonst. Niemand zwingt einen seinen Haufen ins größte Scheißhaus der Welt zu kacken. Das Internet hat die Kreativität ja demokratisiert. So gut wie jeder hält sich heute für den geborenen Künstler/Entertainer/Sänger/Schreiber/all round Performer usw. Ich natürlich nicht. Ich will nur den Beweis erbringen das ich noch immer gewillt bin, im Bereich meiner Möglichkeiten hart zu arbeiten. Das bin ich meiner Herkunft schuldig. Nicht hart genug gearbeitet zu haben ist ja meine kleinstbürgerliche Erbsünde. Arbeit der kein konkreter Wert beigemessen wird, wird ja selten als solche geschätzt. Eine Tätigkeit die nicht als Arbeit anerkannt wird wie ein aufrechter Asylstatus nennt man Hobby. In den Adelstand der Arbeit gehoben, wird eine Tätigkeit in der Regel erst durch Bezahlung oder eine entsprechende Gegenleistung. Lässt sich einer Tätigkeit kein konkreter Wert zuschreiben/beimessen, ist diese Tätigkeit in der Regel nichts wert. Und gerade weil diese Tätigkeit keinen Wert hat der sie adelt, wird sie in der Regel auch nicht besonders wertgeschätzt. Entsprechend wird diese Arbeit auch abgehandelt. Egal wie viele Zeilen man noch ins weiße Nichts klopft. Das wird nichts. So einfach ist das. Ansonsten ist nur noch das Medium ist die Botschaft.

Seite32
Und ich in meinem kleinstbürgerlichen Wahn verfangen wie in einem Labyrinth der Scham, nicht lange genug ehrlich und hart genug gearbeitet zu haben, weil mir dazu auch die Fähigkeiten und die nötige Härte fehlte, will durch das veröffentlichen im Internet unbedingt den Beweis erbringen wie eine scheiß Norm in der Fabrik, das ich trotz meiner angeschlagenen Gesundheit, noch immer bereit bin hart zu arbeiten. Qualitativ-hochwertiges lässt sich aus mir natürlich nicht mehr heraus klopfen wie Staub aus einem Teppich oder das Schwein aus einem Schnitzel, das nicht wusste dass es auch glückliche Schweine gibt, bevor es verkehrt herum von der Decke unserer Kultur hing. (nehme ich mal an) Schreiben ist ja an sich nicht meins. Ich tue mir da fürchterlich schwer. Ist wie Mikado spielen mit Alzheimer. Trotzdem gehört das-nicht-schreiben-können zu den wenigen Dingen die ich ganz gut nicht kann. Handwerklich sieht es nicht so gut aus. Da regiert die prue Tristesse. Unglaublich welcher Dilettant ich handwerklich bin. Sehe ich eine Feile bekomm ich einen nässelnden Ausschlag. Das ist keine Behauptung sondern eine Tatsache. Fragen sie die UM2. Die hat mich deswegen vor die Tür gesetzt. Sie, als gestandene Tochter eines Meistertischlers konnte diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen. Da ließ sich das Notwendige auf ganz wunderbare Weise mit dem Angenehmen verbinden. Den Tag als mich die UM2 eben wegen meiner beiden linken Hände vor die Tür setzte, und mir nicht einmal das alte Fahrrad borgen wollte, damit ich mir irgendwo ein Ausweichquartier suchen konnte, werde ich nie vergessen. Wie eingebranntes Fett in einer Bratpfanne oder Scheiße unter den Rändern der Klomuschel, hat sich dieser Tag in mir festgesetzt. Unvergesslich meine Not und Bedürftigkeit in diesem Moment, während die UM2 nur mein Scheitern wahrnehmen wollte. Ist nicht einfach sich mit Menschen verständigen zu wollen, die sich weigern mit einem mitzufühlen. Fragen sie die Israelis und Palästinenser. Nicht das die UM2 kein Mitgefühl kannte. Kannte sie natürlich. Nur wenn`s um mich ging nicht. Niemals. Mit meinem Scheitern, das im kleinstbürgerlichen Sinne ein peinliches und unverzeihliches Scheitern ist/war, wollte die UM2 nichts mehr zu tun haben. Versuchen sie einmal zwei linken Händen eine halbwegs vernünftige Arbeit zu finden wenn sie obendrein nur einen Pflichtschulabschluss besitzen wie ein Brandmahl und auf den Weg in den Wahnsinn sind. Da stellt sie niemand ein. Wird auch heute noch so sein. Schwarz arbeiten fällt auch schwer. Außer man ist der geborene Hacker oder hat einen Kumpel bei der FIFA. Wenigstens bin ich kräftig. Auftrainiert kräftig. So konnte ich wenigstens schwere Dinge von A nach B tragen wie ein scheiß Statement. Für meine chronische Ungeschicklichkeit kann ich an sich nichts. Wenn sie als Kleinstkind einfach in einem Raum abgesetzt werden und niemand spielt über Jahre oder einem längeren Zeitraum altersgerecht mit ihnen, dann kommt so etwas wie ich heraus. Wissensfenster gehen auf und wieder zu. Hätte ich nicht auf anderen Gebieten ziemlich herausragende Anlagen, wie sich durchs Leben zu mogeln, und Studentinnen gegen eine Aufwandsentschädigung durch Entscheidungsprüfungen zu lotsen, die offensichtlich vererbt werden, oder die man sich in seiner Not erfindet, wäre ich natürlich in der Sonderschule gelandet. Da kennt das Leben nichts. Mit dem ersten Atemzug geht das Selektieren los und hört auch nicht mehr so schnell auf. Sogar als Toter wird man noch entsprechend selektiert. Ja sagen die einen, der war ein ganz toller Mensch, während die anderen einen auf nimmer wiedersehen vergessen wollen, oder schlecht über einen Reden, obschon man schon seit Jahrzehnten tot ist. Und dann bleibt noch die Frage offen, bevor die Zeit sie verschüttet, Gruft oder Armengrab. Ich weiß man kann seine sterblichen Überreste auch einäschern lassen. Aber das Verbrennen ist ja eher etwas für vermögende Leute mit Angehörigen und Freunden, die traurig zurück im Leben bleiben, und sich die Urne mit ihrer Asche freudig ins Wohnzimmer stellen wollen, oder ihre sterblichen Überreste dem letzten Willen entsprechend im toten Meer ausschütten. Einfach die Asche achtlos von einem Schwarzfahrer am Josef Engels Platz aus der Straßenbahn kippen lassen ist ja nicht das Wahre. Eigentlich wollte ich jetzt darüber fabulieren das ich doch etwas ganz gut kann und jede Menge Ahnung habe nämlich von Sportwetten. Von Sportwetten verstehe ich etwas. 15 Jahre als Zocker überstehen, ohne dass der Gerichtsvollzieher über einen verfügt wie die sozialen Verhältnisse über eine Hure, wäre durchaus erwähnenswert. Das Zocken war mein Versuch der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu entfliehen. Das war zuweilen gute und ehrliche Arbeit die ich da abgeliefert habe und auf die ich auch ein klein wenig stolz sein könnte. Leider bin ich mit der Kohle nicht besonders sorgsam umgegangen. Huren haben einfach ihren Preis. Vor allem die Schönen. Und das soll auch so sein. Leider wird so eine Tätigkeit wie das Wetten in der kleinstbürgerlichen Welt nicht als ehrbare Arbeit anerkannt. Vom Goadfather schon gar nicht. Sportwetten haben etwas Anrüchiges, Unseriöses und Zwielichtiges. Damit will der Kleinstbürger, der jeden Monat ein kleines Vermögen für Lotto und Rubbellose ausgibt, nicht in Verbindung gebracht werden. Es hatte schon seinen Grund warum Jesus die Zocker aus dem Tempel warf. Gibt sicher noblere Tätigkeiten als Geld zum Waschen, nein wachsen und vermehren zu animieren. Geld und Gier sind ja zwei Seiten einer Medaille. Geld ohne Gier ist ja kaum zu haben. Geld lässt sich ja sehr leicht aufbewahren und solange man es nicht materialisiert nimmt es nicht viel Platz ein. Das ist ja einer der Gründe warum die Gier nach Geld nicht so einfach gestillt werden kann. Immer hat man das Gefühl durstigzu sein. Und es macht einen unabhängig. Beängstigend unabhängig. Natürlich gibt es noblere Tätigkeiten. Beim Wetten auf Sportergebnisse wird beschissen, Geld gewaschen, betrogen, Geisterspiele erfunden, und was weiß ich noch nicht alles. Aber dafür kann ich nichts. Ich habe einfach nur ehrliche Arbeit abgeliefert. Ich saß nicht im FIFA-Exekutivkomitee. Mir hat niemand 10 Mille geboten damit in Katar, also in der Wüste, Ball gespielt wird. Interne (externe) Ermittlungen bei der FIFA haben ja ergeben dass die Bewerbung Katars außergewöhnlich schlecht war. Warum sich auch groß anstrengen wenn das Öl das im Boden herumschwimmt alles von alleine regelt sobald es zu Geld wird. Gibt ja kaum ein Problem das sich mit Geld nicht irgendwie regeln lässt. Gewettet wird heute ja auch alles. Zuweilen schon auf Jugendsportwettbewerbe. Schauderhaft. Dabei sind Wetten auf Grundnahrungsmittel z.B., wenn diese Wetten (Hedging) nicht der Preisstabilisierung dienen, auch nicht besonders ehrenhaft. Und was ist schon so nobel viel Geld mittels Put und Calloptionen darauf zu wetten das Siemens, gewzungenermaßen 15 000 Leute frei stellen wird um am Aktienmarkt bestehen zu können. So eine lange Zocker-Karriere ist für einen ungebildeten Menschen eine ziemlich herausragende Leistung. Ich war in dem was ich tat so gut dass ich meine Tipps verkaufen konnte. Hat mir dann irgendwann keinen Spaß mehr gemacht und dann habe ich es wieder sein gelassen. So verrückt war ich. Über das Gefühl doch etwas ganz gut zu können wollte ich schreiben. Nur wird das nichts. Unlängst bin ich auf der Straße rein zufällig einen alten Zocker über den Weg gelaufen. Und diese zufällige Begegnung war das Grauen, das nackte Grauen, schlimmer als jede Düsternis und dunkler als jede Finsternis.

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Treffen sich Menschen rein zufällig auf der Straße, die sich noch von früher kannten, fragt man dann in der Regel schön an der Oberfläche entlang wie es so geht oder was man so macht und schmunzelt innerlich leise darüber wie ungesund der andere alt wird. Aber der gute Kerl tat nichts davon. Ohne Umschweife begann er über das Zocken zu sprechen. Mit dem ersten Atemzug ging es nur noch um beschissene Quoten hier und um noch beschissener Quoten dort. Der Mann war völlig im Wett-Tunnel, mit Scheuklappen rechts und links. Wäre er eine Frau aus dem frühen 19. Jahrhundert hätte man den Typen als hysterisch beschrieben. Obwohl wir im Freien aufhielten, belagert von den Möglichkeiten einer kulturellen Metropole, roch er ziemlich nach Zigarettenqualm und Wettbüro. Ist ein ganz eigener Mief den ich nie mehr aus der Nase kriege. Wettbüros mit ihrem künstlichen Licht, den Spielautomaten (jetzt nicht mehr in Wien) und den Bildschirmen an den Wänden sind ein Universum für sich. Da herrscht weder Tag noch Nacht. Da führt einzig und allein das Geld und die Gier Regie. Notorische Spieler umgibt ja eine ganz eigene Aura. Die sind völlig überreizt, überempfindlich und nicht wirklich erreichbar. Von Gelassenheit und goldener Mitte war da keine Spur. Der Typ war ungefähr so wenig ausgeglichen wie ich. Nur ich kann dafür andere Gründe anführen. Heute zumindest. Notorischen Spieler, ja man muss schon sagen krankhafte Spieler, bei ihrer jagt nach einem großartigen Gefühl zu erleben, kann einen schnell einmal erschöpfen und überfordern. Sogar einem ehemaligen Zocker wie mir wurde das schnell zu viel. Krankhafte Spieler sind an sich ziemlich lächerliche und traurige Figuren. Die erfinden sich immer neue Geschichten warum dieses oder jenes schief geht. Verantwortlich dafür sind natürlich immer die anderen. Ich hab das auch so gehandhabt. Da ein verschossener Elfmeter, dort ein Abschlag am 18. Loch ins Wasser, ein geplatzter Motor, oder eine peinliche Fehlentscheidung der Box wie beim Monaco-GP (Formel 1), die dem Hamilton den schienbar sicheren Sieg kostete und einem Zocker die scheinbar sichere Wette. Ganz anders sieht es natürlich aus wenn ein Zocker am gewinnen ist. Läuft es für Spieler gut, halten sie sich in der Regel für Außerwählte, die auf dem berauschenden Gefühl des Gewinnens, hoch über den Normalsterblichen segeln. Ich weiß wovon ich spreche. Sie kennen ja den Spruch: „Lieber beim Fliegen abstürzen als sich beim Gehen den Fuß verknöcheln“. Spaß bei Seite. Ich stand bedröppelt da und ziemlich schnell wurde mir klar dass ich da auch in mein eigenes Spiegelbild blickte. Und das was ich zu sehen bekam war nicht wirklich erbaulich. Diese Leidensgestalt, angetrieben von einer unstillbaren Sehn-Sucht nach Großartigkeit und Aufregung um die existenzielle Leere auszufüllen, soll einmal ich gewesen sein. Zu meiner Rettung kann ich nur sagen das ich in meiner Zeit als Zocker manchmal Kopf und Kragen riskierte und nicht nur so tat als ob. Der Typ von der Straße, wie soll ich das jetzt erklären ohne mich in den Olymp zu heben wo ich nicht hingehöre, gehörte ja eher zu den typischen Erbenszählern der Branche, ein Leichtgewicht was die eingesetzten Summen betraf. Ich zu den Mittel bis Halbschwergewichten, was sich auch daran zeigte, dass er nicht mit einem privaten Buchmacher zusammen arbeitete. Für seine Tipps legte niemand Kohle hin. Geld bekam ich natürlich nur für Tipps die richtig waren. Fachsprache „Wetten die aufgingen“. Das war ein ehrliches Geschäft. Nicht so wie an der Börse oder beim netten Bankberater, der mit der eigenen Tochter in die Schule ging und so einen netten Eindruck machte. An der Börse oder beim Bankberater zahlten Leute für die miserabelsten Tipps die man sich nur vorstellen kann, zuweilen mit ihrem ganzen Ersparten und Vermögen. Schrecklich ist das wenn man für seine kleinbürgerliche Gutgläubigkeit und sein kleinstbürgerliches Vertrauen in die Menschen und die Weltzusammenhänge, am Ende nicht nur sein ganzes Erspartes oder Vermögen verliert, sondern vielleicht auch noch mit drückenden Schulden dasteht, weil man das Kleingedruckte nicht verstand und es nicht wagte nachzufragen, um nicht als kleinbürgerlicher Idiot dazustehen. Private Buchmacher sind da eine ganz andere Kategorie von Kunden. Gutgläubig ist von denen keiner. Das können sei mir glauben. Die sind mit allen erdenklichen Wassern gewaschen. Anders überlebst du auf diesem wenig regulierten Markt nicht. Da frisst man oder wird gefressen. Es war ja eher ich der abgezockt wurde. Im wusste ja nie wie viel der private Buchmacher genau setzte. Kann auch sein das er meine Tipps auch dafür benutze um auf andere Kontrahenten mehr Geld zu anzunehmen oder den Kurs veränderte usw. Wäre ich mit meinen Tipps zu oft falsch gelegen, hatte sich das mit der spielerischen Großartigkeit die gerne wie Benzin verpufft, schnell wieder erledigt gehabt. Wenn ich ganz ehrlich bin habe ich nicht die geringste Ahnung warum der Typ noch immer zockt. Wahrscheinlich ein frühkindlicher Schaden oder so. Von den Umständen wurde er nicht dazu gezwungen. Der hatte einen biederen Bürojob, sah ganz gut aus und hatte zumeist eine Freundin. Trotzdem oder gerade deswegen hing er seit 20 Jahren in der Zockerfestung fest. Als wir uns zufällig auf der Straße über den Weg liefen, und er mich in seine Welt entführte, tat er sofort ziemlich bedeutungsschwer, so als ob er die ganz großen Dinger bringen würde, oder an ziemlich großen und verwegenen Dingern dran war. Dabei setzen Erbenszähler wie er zweistellige Eurobeträge mehr nicht. Und wirklich vermögend wirkte er nicht. Bei mir wurde es hin und wieder, weil die Gelgenheit angeblich so großartig war, sogar vierstellig. Logisch das ich die Hose dann voll hatte. Über die Jahre läppert sich das natürlich bei ihm. Seine zweistellige Besessenheit ging mir ehrlich gesagt auf die Nerven. Das lag aber eher an mir. Bankrott gehen oder nah dran sein, während man ein Rad dreht das in einen Tretroller passt, hat schon was ziemlich klägliches. Auf so einem Schicksal solle man nicht unbedingt bestehen. Erinnert sehr an einen Selbstmordattentärer im Dienste des IS. Er redete und redete über seine Ergebniswetten hier und seine Ergebniswetten dort. Ein nicht enden wollendes Klagegebet. Ein normales Wort war nicht aus ihm heraus zu bringen. Und wirklich überanstrengen wollte ich mich auch nicht. Spieler wie der Typ von der Straße, den ich rein zufällig begegnete, woraufhin mich meine Vergangenheit einholte, verhalten sich wie alle Junkies.

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Nicht zur Einsicht zu bewegen solange sich irgendwie Geld auftreiben lässt. Darin unterscheide ich mich grundsätzlich von ihm. Ich wette heute nur noch zur Unterhaltung im niedrigen einstelligen Bereich. Aus 1000 wurde 1. Macht richtig Spaß 1 Euro zu verspielen. Typen wie der sind da anders. Andauernd jagen diese Junkies völlig blind für die Welt und dem Leben irgendwelchen Wetten hinterher. Die sind völlig fixiert. Und jagen sie mal nicht ihren eigenen Gespenstern hinterher, jammern sie in einem fort über verpasste Chancen, oder warum man mal wieder am ganz großen Ding vorbeigeschrammte. Ich war da ganz genau so drauf. Stundenlang könnte ich sie noch heute mit Geschichten langweilen wie ich die Hand schon am ganz großen Pott hatte. Einige Sachen sind mir auch gelungen. Aber das ganz große Ding, mit einer Wette sagen wir 20 000 Euro und mehr zu kassieren, habe ich natürlich nie hinbekommen. Davon war ich weit entfernt. Liegt aber auch an der Art wie man wettet. Profis wetten in der Regel nur auf ein Ereignis, höchstens mal zwei. Und das müsste man schon 20 000 einsetzen. Geht in Europa gar nicht. Ging auch damals nicht. 10 000 Euro war in der guten alten Zeit in der Regel das Limit. Gibt ja Leute die erraten 17 Spiele, die miteinander akkumuliert werden. Aber das ist reines Glück. So als ob sie beim vergraben einer Leiche auf eine Goldader stoßen.

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