Dienstag, 19. Mai 2026
Die Karteileichen - jetzt online.
der imperialist, 13:46h
10 Millionen oder sind es gar 12 Millionen NSDAP-Mitglieder, deren Mitgliedschaft in der NSDAP jetzt online gestellt wurde? Damit man besser weiß, was der wortkarge Opa und die Oma, die sich noch im hohen Alter alleine in ihrem Garten hochbückte, so getan oder nicht getan hatten in den dunklen Stunden.
Möglicherweise ist auch etwas über den seltsamen Onkel dabei, den man immer aus dem Zimmer führen musste, wenn er einen Rausch hatte – und für den sich die Tante dann immer entschuldigte: „Aber wir hatten ja alle nichts nach dem Krieg. Wir mussten wieder ganz von vorne beginnen.“ ©️Die Tante
10 Millionen oder 12 Millionen ganz kleine Lichter, die im Einzelfall kaum der Rede wert sind. So klein, dass man auch davon absah, groß Licht in die Sache zu bringen.
Täter, Täter, Übeltäter. Der Hitler war’s. Fragt doch den Hitler. Der kennt die Antwort. Der hat uns das eingebrockt. Unsere Kinder leben noch. Nicht alle aber doch einige. Nicht so wie bei den Goebbels.
Schwer zu sagen, wer Opportunist war oder wer Feuer und Flamme für die nationalsozialistische Sache. Na ja, das Eintrittsdatum in die Partei könnte ein brauchbares Indiz sein. Wer schon 1927 in der NSDAP-Bar saß, gehörte zu den „Alten Kämpfern“. Wer jedoch erst 1931 oder 1932 eintrat, verfolgte wohl schon klare Absichten. Und jene, die erst nach der Machtübernahme 1933 massenhaft dazustießen, nannte man spöttisch die „Märzgefallenen“. Gute Frage.
Hier brannte ein kleines Licht und dort brannte ein kleines Licht. Aber zusammengenommen verbrannten sie zuerst die Bücher, danach die Synagogen und danach die Leichen von Millionen Juden, Roma und Sinti, politisch Andersdenkenden, Homosexuellen und „unnützen Essern“. Dabei liefen die Öfen in den Vernichtungslagern auf Anschlag.
Behinderte Menschen – oder Menschen, die man zu Behinderten machte – wurden zuvor in der „Aktion T4“ ermordet. Hier bei uns am Spiegelgrund. Guck mal runter zu dem Grund, zum Abgrund: Er wird dich durch tote Augen ansehen.
Hier ein kleines Licht und dort ein kleines Licht, das für sich genommen nicht der Rede wert ist. Genommen haben sie sich schon so einiges: Das wunderschöne sechsteilige Tellerservice aus Keramik von den Nachbarn. Möglicherweise sogar aus Gmundner Keramik. So etwas wie einen Container für Altkleider wie heute gab es damals ja nicht für eine Teeservice aus Keramik. Und einw leere Suppenschüssel ist eine leere Suppenschüssel. Die hat nicht das Zeug zum Kunstwerk wie ein Urinal. Da muss eine Suppe rein, die 81 Jahre nach Kriegsende schon sehr dünn ist. Die Wahrheit ist verdünnt wie ein Wirkstoff beim Globuli. So bleiben nur die homöopathischen Dosen. Das geht schon.
Guck, der Opa in seiner Scheune. Dort hatte er sich jahrelang verkrochen. Guck die Oma: In deren Geschichten wurde von den Russen immer nur die Nachbarin vergewaltigt. Deutsche Wehrmacht Soldaten hingegen machten so etwas nicht. Die waren anständig geblieben.
Aber darüber haben sie in der Regel nicht gesprochen. Sie waren alle kleine Lichter, der moralische Beifang des industriellen Massenmords. Hier brannte ein Licht kaum merklich, und dort war ein Licht so klein, dass es nicht einmal ein Geschichtsbuch erhellte, über das man sich bücken könnte.
Zusammengenommen waren sie aber ein Lichtermeer, ein riesiges Feuer, das den Kontinent in ein Flammenmeer verwandelte – in eine Feuerhöhle, in der sie dann selbst bis zur Unkenntlichkeit verbrannten.
Ein kleines Feuer soll aber unter der Oberfläche weitergelodert haben. Ein kleines Licht das ein großes Feuer entzünden könnte, wie eine Idee deren Zeit gekommen ist. Hast du von diesem verrückten Onkel gehört, der die Blutgruppentätowierung an der Innenseite des linken Oberarms hatte? Sie saß etwa 20 cm oberhalb des Ellenbogens und bestand lediglich aus einem circa 7 bis 10 mm großen Buchstaben (A, B, 0 oder AB) in dunkelblauer oder schwarzer Tinte. ©️ Die Überlebenden von Auschwitz- Birkenau.
Mit einer dunklen Tinte soll auch Paul Celan seine ‚Todesfuge‘ geschrieben haben, bevor er seine Erinnerungen nicht mehr aushielt und in die Seine sprang. Viele Täter haben nach dem Krieg wieder Kapital akkumuliert wie einige Opfer zeitgleich Traumata.
Der bekloppte Onkel genau. Der sagte einmal zu uns bei einer Familienfeier: „Mach die Suppenschüssel ja nicht auf. Die ist voll Asche. Voll menschlicher Asche. Wir haben die alle umgebracht. Einen nach dem anderen. Eine nach der anderen. Und ihre Kinder natürlich auch. Nicht dass die Rache an uns üben können. Stell die Suppenschüssel sofort wieder ins Regal. Oder gleich auf dem Dachboden oder in den Keller. Die Fahrenden kommen ja nicht mehr die sind ja alle tot. Die haben wir auch alle umgebracht". Wir lachten alle über den bekloppten Onkel. Der lief schreiend aus dem Raum. Die Tante hinterher. Wir haben sie nie wieder gesehen.
Nie wieder. Genau.
Ende
Möglicherweise ist auch etwas über den seltsamen Onkel dabei, den man immer aus dem Zimmer führen musste, wenn er einen Rausch hatte – und für den sich die Tante dann immer entschuldigte: „Aber wir hatten ja alle nichts nach dem Krieg. Wir mussten wieder ganz von vorne beginnen.“ ©️Die Tante
10 Millionen oder 12 Millionen ganz kleine Lichter, die im Einzelfall kaum der Rede wert sind. So klein, dass man auch davon absah, groß Licht in die Sache zu bringen.
Täter, Täter, Übeltäter. Der Hitler war’s. Fragt doch den Hitler. Der kennt die Antwort. Der hat uns das eingebrockt. Unsere Kinder leben noch. Nicht alle aber doch einige. Nicht so wie bei den Goebbels.
Schwer zu sagen, wer Opportunist war oder wer Feuer und Flamme für die nationalsozialistische Sache. Na ja, das Eintrittsdatum in die Partei könnte ein brauchbares Indiz sein. Wer schon 1927 in der NSDAP-Bar saß, gehörte zu den „Alten Kämpfern“. Wer jedoch erst 1931 oder 1932 eintrat, verfolgte wohl schon klare Absichten. Und jene, die erst nach der Machtübernahme 1933 massenhaft dazustießen, nannte man spöttisch die „Märzgefallenen“. Gute Frage.
Hier brannte ein kleines Licht und dort brannte ein kleines Licht. Aber zusammengenommen verbrannten sie zuerst die Bücher, danach die Synagogen und danach die Leichen von Millionen Juden, Roma und Sinti, politisch Andersdenkenden, Homosexuellen und „unnützen Essern“. Dabei liefen die Öfen in den Vernichtungslagern auf Anschlag.
Behinderte Menschen – oder Menschen, die man zu Behinderten machte – wurden zuvor in der „Aktion T4“ ermordet. Hier bei uns am Spiegelgrund. Guck mal runter zu dem Grund, zum Abgrund: Er wird dich durch tote Augen ansehen.
Hier ein kleines Licht und dort ein kleines Licht, das für sich genommen nicht der Rede wert ist. Genommen haben sie sich schon so einiges: Das wunderschöne sechsteilige Tellerservice aus Keramik von den Nachbarn. Möglicherweise sogar aus Gmundner Keramik. So etwas wie einen Container für Altkleider wie heute gab es damals ja nicht für eine Teeservice aus Keramik. Und einw leere Suppenschüssel ist eine leere Suppenschüssel. Die hat nicht das Zeug zum Kunstwerk wie ein Urinal. Da muss eine Suppe rein, die 81 Jahre nach Kriegsende schon sehr dünn ist. Die Wahrheit ist verdünnt wie ein Wirkstoff beim Globuli. So bleiben nur die homöopathischen Dosen. Das geht schon.
Guck, der Opa in seiner Scheune. Dort hatte er sich jahrelang verkrochen. Guck die Oma: In deren Geschichten wurde von den Russen immer nur die Nachbarin vergewaltigt. Deutsche Wehrmacht Soldaten hingegen machten so etwas nicht. Die waren anständig geblieben.
Aber darüber haben sie in der Regel nicht gesprochen. Sie waren alle kleine Lichter, der moralische Beifang des industriellen Massenmords. Hier brannte ein Licht kaum merklich, und dort war ein Licht so klein, dass es nicht einmal ein Geschichtsbuch erhellte, über das man sich bücken könnte.
Zusammengenommen waren sie aber ein Lichtermeer, ein riesiges Feuer, das den Kontinent in ein Flammenmeer verwandelte – in eine Feuerhöhle, in der sie dann selbst bis zur Unkenntlichkeit verbrannten.
Ein kleines Feuer soll aber unter der Oberfläche weitergelodert haben. Ein kleines Licht das ein großes Feuer entzünden könnte, wie eine Idee deren Zeit gekommen ist. Hast du von diesem verrückten Onkel gehört, der die Blutgruppentätowierung an der Innenseite des linken Oberarms hatte? Sie saß etwa 20 cm oberhalb des Ellenbogens und bestand lediglich aus einem circa 7 bis 10 mm großen Buchstaben (A, B, 0 oder AB) in dunkelblauer oder schwarzer Tinte. ©️ Die Überlebenden von Auschwitz- Birkenau.
Mit einer dunklen Tinte soll auch Paul Celan seine ‚Todesfuge‘ geschrieben haben, bevor er seine Erinnerungen nicht mehr aushielt und in die Seine sprang. Viele Täter haben nach dem Krieg wieder Kapital akkumuliert wie einige Opfer zeitgleich Traumata.
Der bekloppte Onkel genau. Der sagte einmal zu uns bei einer Familienfeier: „Mach die Suppenschüssel ja nicht auf. Die ist voll Asche. Voll menschlicher Asche. Wir haben die alle umgebracht. Einen nach dem anderen. Eine nach der anderen. Und ihre Kinder natürlich auch. Nicht dass die Rache an uns üben können. Stell die Suppenschüssel sofort wieder ins Regal. Oder gleich auf dem Dachboden oder in den Keller. Die Fahrenden kommen ja nicht mehr die sind ja alle tot. Die haben wir auch alle umgebracht". Wir lachten alle über den bekloppten Onkel. Der lief schreiend aus dem Raum. Die Tante hinterher. Wir haben sie nie wieder gesehen.
Nie wieder. Genau.
Ende
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