Samstag, 23. Dezember 2017
Weihnachten in der Schattenwelt. In der Lichtwelt natürlich auch.
Eine kurze Distanzierung.

Ich musste ja unbedingt außen herum. Hätte ich nicht machen sollen. Auf gar keinen Fall. Im Leben sieht man sich immer zweimal. In Kriegen nur dann, wenn man nicht Tabula Rasa macht. Im M-Tower sah ich eine junge Frau mit Kinderwagen. Oh, oh, dachte ich mir, lieber nicht so knapp vor Weihnachten. Das ist vermintes Gebiet. Da besteht die Gefahr das es ausufert. Die junge Frau mit Kind kannte ich vom Badminton. Zusammen hatten wir in einer Mannschaft gespielt, die ich einst in die Welt rief. Hatten wir recht a Hetz dabei. So zumindest meine Wahrnehmung. Sie sollten mich weniger als Bedenkenträger und mehr als Stimmungsaufheller denken. Eine andere Rolle beherrsche ich nicht. Geht mir der Schmäh aus, was immer öfter mal vorkommt, mache ich mich auch schon schleunigst aus dem Staub. Besser weiß ich nicht. Ich kann jetzt nicht behaupten dass wir uns völlig fremd waren. Ganz im Gegenteil. Eben weil wir uns nicht völlig fremd waren, wollte ich außen herum. Weihnachten ist ja unser innigstes Fest. Gleichgültig wie sehr wir über die völlige Kommerzialisierung von Weihnachten jammern. Zu Weihnachten trennt sich die Spreu vom Weizen. Zu Weihnachten wird gnadenlos gesiebt. Zu Weihnachten wissen sie wo sie im Leben stehen. Zu Weihnachte können sie mal überprüfen wie es um ihren Lebensentwurf bestellt ist. Zu Weihnachten tut sich zwischen der Schattenwelt und der Lichtwelt naturgemäß eine Kluft auf, geräumig wie der Grand Canyon zwischen den Habenichtsen und den 1%tigen. Das liegt in der Natur der Sache. So wie sich Kapital akkumuliert, häuft man auch im Leben Beziehungen an.
Wenn sie Weihnachten über viele Jahre hinweg alleine verbringen, sinnbildlich auf der Bettkante, immer auch auf ihren extremst niedrigen sozialen Status reduziert, egal wie es dazu kam, sind sie kein/e Meister/in im Anhäufen von Idyllischen. Dann sind sie Schattenwelt, in ihren Möglichkeiten beschnitten, nee nicht was sie jtz denken, so wie halt ich zeitlebens Schattenwelt bin. Nee wurde nicht schlimmer. Da habe ich schon acht gegeben. Verbringen sie Weihnachten nicht alleine, sondern mit einem Lebensabschnittspartner, Kinder, Verwandten oder Freunden, gehören sie zur Lichtwelt. So einfach ist das. Alter ist wieder was anderes. Kann ja gut sein das sie im Alter ihre Liebsten überlebt haben. Dann bleiben ihnen aber immerhin noch ein paar schöne Erinnerungen, wenn sie nicht vorher vom großen Vergessen überrannt werden, wie hin und wieder ein Unbedarfter, am ersten Tag des Winterschlussverkaufs. Selbst wenn sie die Entscheidung treffen, Weihnachten mal ziemlich alleine verbringen zu wollen, gehören sie in die Lichtwelt. In der Schattenwelt trifft man so eine Entscheidung nicht. Das passiert einem. Das Leben stößt einem zu. Zu Weihnachten wird das Leben so richtig wirklich. Weihnachten ist das Gegenteil von Klappstuhl auf der Donauinsel. Deswegen wollte ich 4 Tage vor Weihnachten auch außen herum. Die A. weiß ja nicht wer ich tatsächlich bin, wie ich tatsächlich lebe. Anders gesagt. Mir geht der Arsch bei ungeplanten Wiedersehensterminen auf Grundeis. Vielleicht haben sie mein Foto gesehen. Mir sieht man die Schattenwelt nicht sofort an. Bei mir müssen sie schon genauer hinhören. Oder einfach lesen. Das ist noch gescheiter.

Wer bin ich dass ich mir beim Sport hinter meine kleinstbürgerliche Fassade blicken lasse. Das geht ja nicht. Dabei wusste ich über die A. doch einiges. Das sie neben ihrem Studium auch noch als Modell jobbte, dass sie sich damals eine Zeitlang mit Depressionen herumschlug, und entsetzt war wie schwierig es in Wahrheit ist, mit verhaltensauffälligen Kindern aus bildungsfernen Schichten zu arbeiten, die betreut wohnen. Knochenjob sagte sie. Jetzt muss ich was Ungehöriges schreiben. Die A. ist eine ausgesprochen gutaussehende Person. Ausgesprochen gutaussehende Menschen leben in anderen Beziehungsgeflecht als der unansehnliche Rest. So schnell köpfeln die nicht aus dem Leben. In der B-Szene hatte sich schnell mal herumgesprochen das bei uns "The Beauty" spielte. Das ging wie ein Lauffeuer durch die Runde. Sehen Hetero-Männer ausgesprochen ansehnliche Hetero-Frauen, beginnen die ganz nervös von einem Bein auf dem anderen herum zu trippeln, so als ob sie eine volle Blase haben. Nee ich nicht mehr. In meiner Position sollte man schon ein Gefühl dafür haben was möglich und zumutbar ist und was nicht. Gut möglich dass man sich seine Welt dann etwas zu klein denkt. Meine Devise lautet. Sich in dieser Frage lieber zu enge Grenzen setzen, bevor man von anderen keine gültigen Papiere für einen Übertritt erhält. In einer kultivierten Gesellschaft läuft fast alles über Bande. Sehr anstrengend. Die Menschen hier halten ja in der Regel viel von sich. Wahrscheinlich auch zu recht. Kultur sorgt zwar für Wohlstand. Gleichzeitig sorgt Kultur aber auch dafür das Kulturmenschen in ihrem Fühlen immer komplizierter werden. Das ist heute eine enorm vertrackte Sache mit den Kulturmenschen. Müssen sie die Werke von der israelischen Soziologin Eva Illouz lesen. Sehr vertrackte Sache ist das heute mit den Gefühlen und den Beziehungenmöglichkeiten. Mir war bekannte Frau + Baby + Mutterschaft + Weihnachten einfach zu viel Lichtwelt. Vor ein paar Wochen bekam ich digitale Post aus Kärnten. Da gibt es eine Frau die sieht etwas in mir, dass nicht einmal die Zeit aus ihr heraus zu waschen vermag. Die hat einen Narren an mir gefressen wie man so schön sagt. Kann sein dass ich mal ihre große Liebe war. Sie beschreibt mich als ihren Lieblingsmenschen. Keine Ahnung was das genau bedeutet. Alles hängt irgendwie damit zusammen, dass einmal ein Schmetterling auf meinem Finger landete und sie sah dabei zu. Die Frau ist unglaublich tierlieb. Das hat Eindruck gemacht. Sie kannte mich aber nur im manischen Zustand. Manisch ist wie Geschichtsklitterung. Genaueres weiß ich nicht. Ich bin ja nur Objekt. Ihr Objekt. Seit 30 Jahren hält diese Frau jetzt schon den Kontakt zu mir. Ich hingegen melde mich nie. Schwer sich da richtig zu verhalten. A bisserl unheimlich ist mir das schon ehrlich gesagt. Groß geschmeichelt fühle ich mich nicht. Trotzdem würde ich ihr niemals blöde kommen. Das steht mir nicht zu. Wer bin ich dass ich in ihre Illusion reinsteche. Nur verlangt eine Illusion nicht zwingend danach dass ich anwesend sein muss. Sie war in Wien und wollte mich unbedingt sehen. Wir hatten uns schon einmal in Wien getroffen. Natürlich ist die Frau verheiratet oder sonst wie verpartnert und das Ganze ist nix Sexuelles, eher was Nostalgisches. Früher war es mal auch sexuell. Eigentlich hatten wir einen ganz netten Nachmittag im Zoo. Nur angehimmelt muss ich nicht unbedingt werden zwischen Affen und Berziegen, die auf einem Felsen hocken und nirgends hin können. Nicht an einem grauen Novembernachmittag. Im November landen keine Schmetterlinge in der Bronx. Und gegen das Auf und Ab wurden mir vor vielen Jahren Neurotop verschrieben. Samstagnachmittag ist im Übrigen Bundesliga in der Glotze. Redete ich mich dahingehend hinaus, dass ich bei einem Hallenfußball-Turnier mit kickte und leider nicht absagen könnte. Klappte wunderbar mit außen herum. Fußball nimmt sie mir ab. In der Glotze führte Dortmund zur Pause 4:0 gegen Schalke. Endstand 4:4. Besser geht`s nicht an einem grauen Novembernachmittag.

Gestern musste ich in der Bronx einem Paket hinterherjagen. Vor Weihnachten wird nix zugestellt. Vor Weihnachten sind zu viele Wünsche im Umlauf, die sich materiell befriedigen lassen. In einem tollen Text bei der Frau Fabry https://cristinafabry.blogger.de/ soll ein Detektiv herausfinden wo Gott abgeblieben ist. Wie es derzeit aussieht steckt der in all den Paketen. Anders lässt sich dieser Überschwang an Paketen nicht erklären. Zwischen dem 4. Advent und dem Weihnachtsfest legen dir unterbezahlte und überarbeitete Zusteller nur eine Nachricht ins Postfach, dass du nicht zu Hause warst, als Gott an der Tür klopfte. Sicherlich. Früher gab es ja nur die österreichische Post. Die stellte noch gut zu. Nur halt nicht besonders zügig und anlassbezogen. Heute am liberalisierten PostMarkt dürfen alle mal ran, die sich einbilden Pakete zustellen ist der ganz große Wurf, der weltallergrößter Moneymaker. UPS, habe ich gelesen, schrieb letztes Jahr zu Weihnachten rote Zahlen. Trotzdem wächst das online-Geschäft in einem atemberaubenden Tempo. In der Bronx gibt es jetzt gefühlt 1500 verschiedene Paketannahmestellen. Vom Glaser, über den Immobilien-Makler, bis zu den Handyshops, machen jetzt alle in Pakete. Sogar der Billa (eine Supermarktkette) ist dabei. Stand ich mal hinten im Lager. Fehlen nur noch die Studios, wo an sich nur Schwänze zugestellt werden. So gegen Mittag war ich dann in der Bronx unterwegs. Schön schattenweltlich, dem Wortmacher und der Bildmacherin hilflos ausgeliefert. Damit ich mir nicht alles anhören muss was die zu sagen haben, hatte ich auch Musik im Ohr. Das schwarze Ungeheuer spielt ja Musik. Nix mit persönlicher Playliste und für jede Stimmung ein passendes Lied. Ich hör Radio. Sau lustig Radio Burgenland. Die Menschen in der österreichsichen Provinz hören total schräge Musik. Großartige Sache. Mein derzeitiger Favorit unter den Liedern dieser Welt.(Don't Worry) If There's A Hell Below We're All Going To Go von Curtis Mayfield. Kenne ich aus der Serie The Duce. Es versteht sich von selbst das Sympatisanten der FPÖ und Radio Burgenland hörer, weniger Curtis Mayfield hören und mehr Andreas Gabalier. Der Wortmacher machte mal wieder High Noon und die Bildmacherin lieferte die entsprechende Kulisse dazu. Im M-Tower wütete zwar das Verderben und das Verbrechen und alles lag in Schutt und Asche, vor allem die Hoffnungen und Träume der Menschen, alles kurz und klein geschossen von den Verhältnissen, im Einkaufzentrum, dem Kleinod der Gehetzten, Beichtstuhl der Übervorteilten, wenn sie ihre Kreditkarte fürs Paradies zücken und Gott antwortet, dass der Kreditrahmen leider aufgebraucht ist. An sich nix Ernstzunehmendes. Nichts was mich jetzt groß aus der Fassung bringt. Manchmal verliere ich mich auch in irgendeiner Gedankenschleife, in die ich einfach hineingezogen werde, wie einst die Schlafwandler Europas in den 1. Weltkrieg. Gut diese Analogie hinkt a bisserl. Ist das überhaupt eine oder geht das mehr in Richtung Vergleich. Muss ich googeln. Wenn der Wortmacher und die Bildmacherin sehr aktiv sind bin ich ja nicht so konzentriert. Erschreckend wie viel Raum die beanspruchen. Sogar wenn die nicht groß auftrumpfen ist man angespannt und immer auf dem Sprung sich zu verlieren. Unersättlich diese kleinen Scheißer. Deswegen sah ich nicht dass da ein Pärchen mit Kinderwagen auf mich zukam. Als ich dann ins Geschehen einstieg war es auch schon zu spät und um mich geschehen. Eh klar um wenn es sich handelte. Die A. von Badminton, um die ich im M-Tower einen weiten Bogen machte. Wir hatten uns schon Jahre nicht mehr gesehen. Ich bringe es gleich auf den Punkt. Es war das Grauen, das nackte Grauen, vertikal so schwer zu stemmen, dass ich es horizontal nicht aufheben konnte. Von Wortmacher nahtlos rüber zu Frau + Baby + Mann + Idylle + Weihnachten ist ein Weg den ich emotional einfach nicht bringen konnte, ohne schwere Verschleißerscheinungen. Solche Menschen haben ja auch eine ganz bestimmte Erwartungshaltung in welche Richtung so ein Gespräch entwickeln sollte. Das ist vorgegeben und fürchterlich anstrengend für mich. Ich muss da ja entsprechen und mich emotional upgreaden, etwas womit ich mir extremst schwer tu. Hier meine schizoaffektive Schattenwelt und dort das kleine Familienglück. Größer könnte der Kontrast kaum sein. Das Baby war schon das zweite Kind. Die A. hatte schon einen 4 jährigen Jungen. Jetzt hatte sie noch ein Mädchen bekommen. Kann aber auch andersherum sein. Das Glück der beiden war perfekt. Ein perfektes Glück ist der ideale Einsteiger für mich. In der Sache Lebensglück, Erfüllung, und all dem Zeugs, das in der Lichtwelt ein extremst hohes Ansehen genießt, fühle ich mich ja weniger zuständig. Machte ich dann a bisserl Baby-Talk, innerlich schon a bisserl angespannt. Kleinstbürgerlich wie ich bin weiß ich natürlich sich gehört. Leben ist oft reines Versteckspielen. Viele Beziehungen sind für die Wahrheit weder gemacht noch gedacht. Der Partner von der A. ist auch noch Musiker. Musiker. Der war schon damals Musiker. Damit hält er auch nicht hinter den Berg. Der betont dass auch so, dass man als gegenüber fast a bisserl zusammen zuckt. Er ist Musiker und ich gar nix. Gar nix wird jedoch ganz anders vertont. Ist wie Alban Berg wenn die Noten ins Stottern geraten. Zwei sehr sensible Seelen. Sensibel, wohlgeraten und gut aussehend. Die haben keine Ahnung vom Scheitern und Zerfall. Wie man ins Leere stürtzt ohne sich gleich den Hals zu brechen ist nix womit die sich groß herumschlagen. Gefühlt sicher hin und wieder. Nur sind Gefühle kein tragfähiges Konzept um eine Situation zu bewerten. Die A. stammt überhaupt aus gutem Haus. Ihr älterer Bruder, der auch in der Mannschaft spielte, ist Architekt. Die beiden anderen Geschwister sind ebenfalls Akademiker. Der Weg von einem kleinen Jungen dem ich den halben Kopf wegballerte, zu einem Baby und der perfekten Familienidylle, ist manchmal kaum zu schaffen, ohne dass ich danach völlig erschöpft aus dem Latschen kippe. Natürlich ist kaum eine Idylle wirklich makellos. Trotzdem spielen die beiden in einer ganz anderen Liga als ich. Die spielen gerade die Qualifikation für die Champions-League eines gelungenen Lebens und ich mehr Kreisliga. Die A. fragte mich wie es mir so geht. Natürlich hatte ich nicht den blassesten Schimmer was ich darauf sagen sollte. Wenn man die Umstände mit einbezieht geht es mir hervorragend. Nur kennt die A. die genauen Umstände nicht. Abseits davon schaut es schon a bisserl düsterer aus ,wenn man einen Lichtwelt-Zollstab anlegt und nachzumessen beginnt. Einem idyllischen Menschen kann da bald einmal a bisserl unwohl werden. Ich habe ein Leben das sich auf der Straße nicht besprechen lässt. Über so etwas wie mein Leben spreche ich mit meiner Nerventante oder Anfang Jänner mit meinem Psychiater. Wer möchte schon ganz normale Menschen mit seinem Wahnsinn behelligen, obschon der für mich lebensbestimmend ist. Übers bloggen rede ich auch nicht. Mit so einer Einschränkung bleibt man immer allein zurück, wenn man darüber zu sprechen beginnt. Mit so einer Einschränkung sind die Tabs irgednwann dein bester Kumpel. Warum sein Schicksal herausfodern, 2 Tage vor Weihnachten, wenn ein Baby friedlich im Kinderwagen schläft. Der Musiker tat mir dann einen riesen Gefallen und brach das Gespräch ab. Die beiden mussten dringend zum Kinderweihnachten. Dort feierte gerade das Söhnchen. Trennten sich unsere Wege also wieder. Wir wünschten uns natürlich nur das Beste und frohe Weihnachten. Das auch vom Herzen. Da gibt es keine Vorbehalte. Die A. und ich verabschiedeten uns sogar mit Küsschen. Wie auch schon früher. Natürlich haben wir unsere Telefonnummern nicht ausgetauscht. Ich kenne meine Telefonnummer nicht einmal. Auf dem schwarzen Ungeheuer wurde ich noch nie angerufen. Und wenn doch hebe ich nicht ab. Wobei. Der S. verbringt die Weihnachtsfeiertage mit seiner Freundin bei seinen Eltern in Deutschland. Obwohl die geschieden sind, verbringen sie den Weihnachtsabend zusammen mit den beiden Söhnen. Das hat Traditon. So wie ich meinen Weihnachtsabend auf der Bettkante verbringe. Das ist auch Tradition. Der S. und ich machen jetzt SMS. Morgen schreibe ich ihm am Abend eine SMS. Was weiß ich. Hier Bescherung. NFL. 2. Versuch noch 3 Yards zu gehen. Spielstand 13:14. Das ist dann lustig. Der S. ist ja innerer Kreis. Der weiß wie ich lebe. Das muss ich nicht außen herum. Nicht inhaltlich. Aber zu Weihnachten als Mensch natürlich schon. Da trennen sich unsere Wege.

Ende.

So jetzt ist gut bis Dienstag. Feiern sie mal schön. Und genießen sie es. Ich genieße es auch. Na ja.

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Pakete und Geschenke
bringt man am besten selbst vorbei. Und richtig, Paketzusteller sind die Sklaven von heute. Kriegen zwar den Mindestlohn, müssen dafür aber doppelt so viel arbeiten, da die Zeitvorgaben geradezu ein Witz sind.

Danke für Deinen Besuch bei meinen Ein- und Ausfällen zu Metoo. Witzig, wenn einem ausgerechnet Männer Frauenfeindlichkeit unterstellen. Schau mal die Kommentare von Frauen, zu meinem Beitrag auf F+F. Die sind durchweg positiv:
https://www.fischundfleisch.com/pommes/moderne-formen-der-hexenjagd-41972

Interessanter Weise passt Du, als Österreicher, politisch viel besser nach Deutschland, und ich als Deutscher, viel besser nach Österreich.

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Ich habe damit ja nix am Hut so ganz persönlich. Wobei ich verschenke eh meine Schreibe weit unter den Produktionskosten.

Nee Deutschland ist nix für mich. Ich kann nur Strandleben. Auch politisch.


Hab bei dir rein gesehen wie angemahnt. Sehr schön. Freut mich das da an der Aufmerksamkeitsfront was weiter ging. Ich habe auch einige Kommentare gelesen. Sind einfach zu viele. Ich habe das Thema schon so oft durchgekaut und von allen Seiten, dass da nix mehr geht. In einem Video sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann zum Thema Sexismus zu einer Maskenbildnerin: "Sie dürfen alles anfassen".

Was soll das? Solche Sprüche bringen nur unsichere Hinterbänkler, die unbedingt mit einen Treffer landen wollen. Hab ich noch nie zu einer Frau gesagt. So zaubert man Frauen keine Laufmaschen in ihr Lächeln. Wobei ich auch schon abgewatscht wurde, wegen viel weniger. Nur da war die Dame übel angesoffen.

Aber es stimmt schon. Das Argument der sexuellen Belästigung lässt sich wunderbar zu einer politischen Waffe umfunktionieren. Kannste bald einen Kerl rausschießen. Ich hatte mal eine Freundin, die arbeitete für einen Big-Chefe aus dem Softwarebereich. Der hatte auf seinem Rechner, zu dem sie Zugang hatte, ja haben musste, alles voller Pornos. Harte Sachen. Keine Ahnung wie hart. Meiner Freundin war das zu viel und höchst unangenehm. Da kommste in Arbeit, setzt dich hin und dann schon Gangbang. Ich will zum Kaffee nach dem Aufstehen auch nix gangbang-mäßiges. Der war das fürchterlich unangenehm. Äußerst unangenehm sogar. Ich wollte old-school-man mäßig intervenieren, den mal anrufen und den Beschützer geben. Zu irgendwas muss ich doch auch gut sein. Wollte die Freundin nicht. Schade. Trotzdem kündigt sie, ging wieder zur UNI und machte ihren Magister. So hatte Porno auch was zur ihrer Emanzipation beigetragen.

Auf dieser atmosphärischen Ebene und nicht auf einer strafrechtlichen ist ganz viel Luft nach oben. Das bedeutet nicht dass mit nix mehr läuft. Für einige wird immer was gehen. Halt nur nicht für den CDU-Tommy. So viel ist sicher.

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Viele Sprüche von Männern
sind daneben. Was dabei aber übersehen wird: Viele Sprüche von Frauen auch. Auch Frauen machen unanständige Sprüche, fassen Männer an den Hintern usw. Der Unterschied: Frauen die das machen gelten als cool und emanzipiert und auch die Männer nehmen es mit Humor.

Ich finde, jeder muss selber seine Grenzen setzen und dann auch nach außen kommunizieren. Man kann nicht erwarten, dass das Gegenüber die kennt oder Gedanken lesen kann. Ich kenne eine Menge Mädels, die auf zweideutige Sprüche stehen und auch solche, die das für anzüglich halten. Merkt man an den Reaktionen und merkt es sich für nächstes Mal. Aber wie soll man es herausfinden, wenn man es nicht ausprobiert und die Frau nicht deutlich macht, dass ihr das zu weit ging. Bzw. es erst auf Metoo deutlich macht, womöglich 30 Jahre später.

Mein Beitrag richtete sich nur gegen die Form von MeToo. Die ist nämlich ein öffentlicher Pranger, auf den JEDE Frau unbewiesene Behauptungen und Anschuldigungen stellen kann und Männer ohne weitere Anhörung sozial regelrecht vernichten kann. Das ist wie damals bei den Hexenprozessen: Die bloße Anschuldigung durch eine missgünstige Person reichte aus, um in die Mühlen der Inquisition und nie wieder herauszukommen. Jedenfalls nicht lebend.

Metoo verstößt einfach gegen rechtsstaatliche Grundsätze wie Privatsphäre, Unschuldsvermutung, Gewaltmonopol des Staates und Einhalten des Rechtsweges.

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P.S.
In Österreich (Fisch+Fleisch ist ja eine österreichische Plattform) hatte ich von Anfang an viel mehr Aufmerksamkeit als hier in Deutschland. So, als hätten die Austrianer nur auf einen Deutschen mit skurrilen Ansichten und Ideen gewartet. Beim Facebook-Netzwerk von F+F sind sogar noch viel mehr Kommentare und Leser als direkt bei F+F. Der Grundtenor bei Fisch+Fleisch ist allerdings eher konservativ, deshalb meinte ich, dass DU besser hier nach Deutschland passt, wo selbst die CDU eine mehr oder weniger linke Partei ist. Wobei Merkel natürlich gewöhnunsbedürftig ist, aber wir hatten ja 12 Jahre Zeit ;-)

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Na du gibst dir da ja wesentlich mehr Mühe als ich. Ich mach nur hier. Hin und wieder Facebook. 3 Leser;-)

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Danke für das Weihnachtsgeschenk,
dass Sie in Ihrem blog einen Link zu meinem gesetzt haben, hat mich außerordentlich gefreut. Nun möchte ich aber noch zu ein paar Stellen meinen Senf dazu geben:
" Sehen Hetero-Männer ausgesprochen ansehnliche Hetero-Frauen, beginnen die ganz nervös von einem Bein auf dem anderen herum zu trippeln, so als ob sie eine volle Blase haben."
Das erlebe ich bei Frauen nicht anders, mich selbst eingeschlossen. Und es ist mir peinlich, inklusive Fremdschämen, wenn es andere befällt :-)

Ist es nicht schön ein Lieblingsmensch zu sein? Gut, manchmal sind so alte FreundInnen, die krampfhaft an etwas festhalten, was eigentlich nicht mehr existiert auch mächtig anstrengend. Aber so ein bisschen Balsam für die Seele ist es doch trotzdem oder etwa nicht?

Das Bild mit dem Gott in den Paketen gefällt mir außerordentlich. Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich es gern 2018 in der Andacht zur Weihnachtsfeier mit meinen Ehrenamtlichen verwenden. Das sind lauter lustige, schräge, sympathische junge Leute. Manche sind auch schräger als schräg, aber gerade das ist ja das Schöne an meinem Job.

Die Konfrontation mit der Idylle ist nicht nur in der Schattenwelt anstrengend. Es erinnerte mich daran, wie ich mich fühlte, wenn ich bei Leute zu Besuch gewesen war, die so lebten, wie ich gern gelebt hätte. Wenn ich danach nach Hause kam, wirkte alles, auch das was bis dahin in Ordnung gewesen war, nur noch schäbig auf mich. Oder einmal habe ich ehemalige MitschülerInnen in unsere ewige Baustelle auf dem Lande eingeladen. Ich fand unsere Rumpelbude toll und war ein bisschen stolz, dass wir es geschafft hatten, ein eigenes Haus zu erwerben. Und dann hörte ich von allen Seiten, das der oder die ja jetzt das zweite Haus baue. Es tat mir nicht wirklich weh, ich machte den Witz :"Scheiße, und ich dachte, ich hätte es endlich geschafft" - aber ich merkte irgendwo tief in mir drin ein nagendes Würmchen, das mir flüsterte: "Egal, wie sehr du dich anstrengst, du schaffst nicht einmal Mittelmaß."
Was ich im Zusammenhang Ihres Textes auch interessant fand, dass Sie bei der Begegnung im Einkaufszentrum über das sprechen "mussten", was gesellschaftlich angemessen war. Ist das nicht komisch? Wenn wir Menschen in der Öffentlichkeit begegnen, wagt niemand von sich zu geben, was ihn wirklich gerade beschäftigt, weil die Leute sich ja doch nur gelangweilt abwenden, wenn man von seinen Sorgen und Nöten berichtet. In der Literatur ist das genau umgekehrt. Schreiben Sie mal einen Roman darüber, ob das Kind schon durchschläft und ob die Schwiegermutter mit dem Zug oder dem Taxi zur Bescherung kommt und ob Sie schon alle Geschenke haben usw. Das interessiert keine Sau, denn das ist ja auch megalangweilig. Schreiben Sie dagegen über Ängste und Nöte, bleiben die Lesenden kleben.

Ich hatte heute Lichtwelt-Heilig Abend und bin dafür sehr dankbar. Allerdings tat es dann doch weh, als ich meine Mutter anrief, zu erfahren, dass Sie heute, mit 88 Jahren Heilig Abendzum ersten Mal in ihrem Leben allein verbracht hat. Meine ältere Schwester, mit der Sie den Abend sonst immer verbringt, musste arbeiten und hatte danach keine Möglichkeit zu meiner Mutter zu gelangen. So hat meine Mama sich mit Carmen Nebel eingerichtet und ist um 22.00 Uhr in dei Christmette gegangen. Morgen hat sie das Haus wieder voll, aber Heilig Abend, das ist bitter.
Bei mir liegt der Gatte erschöpft im Bett und schläft den Schlaf der Gerechten, meine Tochter schwelgt im neuesten Werk von Marc-Uwe Kling und ich lese Aldi-Champagner-selig den Schizophrenisten.
Hoffentlich ist die Bettkante gemütlich und das Fernsehprogramm unterhaltsam, gibt ja noch anderes als Carmen Nebel , ich gucke gleich einmal, ob die Hoppenstätts noch irgendwo laufen. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass ein helles Licht in Ihre Schattenwelt scheint und zwar ganzjährig und nicht nur zu Weihnachten.

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Bitte gerne.

Machen und verwenden sie nur.

Jede Gesellschaft mit ganz viel Kultur ist halt immer auch ein Ort der Disziplinierung. Oben wie unten. Der Sternekoch Nils Henkel im aktuellen Spiegel: "Die Dreisterneküche ist eine kleine elitäre Liga. In Deutschland hatten damals nur 8 Köche diese Auszeichnung. Und dann gehört man von einer Nacht auf die andere nicht mehr dazu (verlor einen Stern) sondern ist plötzlich die Zielscheibe gnadenloser Kommentare". Im Gegensatz zu Schizo und nix, ist Kochen und 2 Sterne schon noch viel Können und trotzdem bleibt das Gefühl nicht zu genügen, keine reine Einbildung sondern Tatsache, wenn sie dem Nils einen Stern wegnehmen. So einen Schizo-Himmel müssen sie sich dann wie die dunkelste Nacht aller Nächte denken. Hier wird gnadenlos ein-zugeordnet und ausgesiebt. Wer jetzt denkt er macht mit Schizo-Avantgarde und redet frei heraus, der hat nix kapiert. Der stürzt unweigerlich ab und fällt und fällt und fällt.
Unter dem liberalen Anstrich tragen wir alle eine Uniform.

Vielleicht sollte mal jemand einen Roman schreiben wo nix passiert. Wo alles seinen Weg geht. So kann man auch Erwartungen unterlaufen.

Das mit ihrer Mutter ist natürlich sehr traurig. Aber die Carmen macht dass schon. Danke für ihre Wünsche. Ich nehm die mit ins neue Jahr. Mich schmeißt Weihnachten nicht aus der Bahn. Da ist nix. Keine große Traurigkeit, keine große Scham, kein Bedauern oder sonst was. Doch etwas ist schon. Ein Unbehagen, wenn ich konkret in die Lichtweltweihnachtsprache wechseln muss. Da gehe ich lieber außen herum.

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