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Montag, 10. August 2026
Der alte Russe ✝️
der imperialist, 11:20h
Mein russischer Nachbar ist gestern verstorben.
Oder schon Tage zuvor.
Ich bin richtig angefasst.
Wir lebten viele Jahr Wand an Wand.
Im besten Einvernehmen.
Zwar hämmerte ich einmal vor Jahren am frühen Morgen gegen seine Wohnungstür.
Er öffnete.
Kannst du nicht später herumzimmern, sagte ich angesäuert zu ihm.
Ab 10:00 Uhr?
Gib mir ein wenig Schonfrist.
Ich kann wie du auch nicht schlafen.
Vor Jahren hörte ich ihn nachts mal laut aufschreien.
Und aus dem Bett fallen.
Aber das mit dem Bett und dem Fallen war schon Dichtung.
Keine Ahnung, was von meinem Text bei ihm hängen blieb. Er sprach kaum Deutsch.
Wir wurden trotzdem handelseins.
Ich stopfte mir auch Ohropax in die Lauscher am Morgen.
Er zimmerte in der Wohnung Stühle. Vermutlich.
Ich hörte ihn andauernd raspeln und feilen.
Also hobeln.
So viel kann ich sagen.
Scheiße, wie erzähl ich das.
Ich kann nicht so gut erzählen.
Von seinem Aussehen und seiner Art her, wie er sich bewegte, auf der Straße, oft mit einem Tschik im Mundwinkel, erinnerte er mich an den Johann, den Maschinisten aus dem Film „Das Boot“.
Aber das über einen Russen sagen ist möglicherweise a bisserl unfein.
In der Wohnung durfte er nicht rauchen.
Seine Frau erlaubte ihm das nicht.
Nur alleine vor die Hunde gehen, schiebt sich der Wortmacher dazwischen wie eine dunkle Wolkendecke, das ging.
Die den Himmel aufhellt wie die Beißer vom Kloppi, brüllt der Scheißhausdämon und schmeißt sich weg vor Lachen, weil ich schon wieder den Faden verliere.
Wixxer.
Wieder ein Leben.
Weggeschmissen wie ein Tschik-Stummel.
Die Lebenseinheiten in den letzten Monaten vom alten Russen aus Wladiwostok, der seine alte Heimat nicht wieder sah.
Seine Familie aber auch nicht.
Er nahm für mich auch dann und wann ein Packerl entgegen.
Nicht immer von Amazon Prime. Ich schwöre.
Als ob das was ändert.
Wir grüßten uns immer freundlich.
Das war auch keine leere Geste.
Hin und wieder sagte er mit seinem gebrochenen Deutsch auch was zu mir.
Was man auch unter Schmäh führen einordnen könnte.
Er wirkte sehr freundlich und doch irgendwie gehetzt, in sich versunken.
So, als ob er einen schweren Sack Erinnerungen mit sich herumschleppt.
Mit russischen Erfahrungen.
Der wurde ja noch in der Sowjetunion sozialisiert.
Unglaublich eigentlich.
Leider konnte wir die Sprachbarriere nicht überwinden.
Viel gibt es nicht zu erzählen, was den alten Russen und mich betrifft.
Wir lebten halt Wand an Wand nebeneinander her und kamen bestens miteinander aus.
Unsere Vornamen tauschten wir nicht aus.
Wir machten nix miteinander. Die Sprachbarriere.
Deswegen führten wir auch keinen Currentzis / Netrebko-Gespräche.
Der Isolierte war eigentlich ich.
Ich bin der, der nur ganz selten Besuch hat.
Zwar hört man auch mich sprechen. Aber das ist reiner Abwehrkampf gegen das Alleinige.
Ich dachte du hast nix anderes?
Der alte Russe und seine Frau waren nicht in erster Ehe miteinander verheiratet.
Der alte Russe und seine Frau hatten sich eine große Patchwork-Familie gezimmert. So viel kann ich sagen.
Da gibt es einige Kinder und Enkelkinder inzwischen.
Allerdings weiß ich nicht mehr, wer zu wem gehört von den Kindern.
Oft hörte ich Stimmen nebenan.
Der ist gut.
Der Schizophrenist hört Stimmen.
Die „Vierer-Bande“ hat einen neuen Running-Gag.
Die beiden Söhne und eine der Töchter kenne ich persönlich.
Mit denen unterhielt ich mich auch manchmal.
Da gibt es keine Sprachbarriere.
Daher weiß ich, dass er aus Wladiwostok stammt.
Schreib ja nicht ursprünglich.
Das ist rassistisch.
Ursprünglich stammt er aus dem Bauch einer Frau.
Eine Person die als weiblich gelesen wird.
Nur nicht im heutigen Russland.
Er war nicht allein.
Er hatte Menschen um sich herum, einen Hund und eine Katze.
In seinen letzten Lebenswochen allerdings nicht mehr.
Das weiß ich.
Da war er allein mit einer alten Katze.
Seine Frau habe ich seit Monaten nicht mehr gesehen.
Die war auf einmal weg und kam auch nicht wieder.
Wie die schönen Abschiedslieder.
In seinen letzten Wochen kam niemand nachgucken, wie es ihm geht.
Weder sah ich wen aus der Wohnung kommen, noch hörte ich Stimmen.
Wieder Gelächter.
Ich hörte ich auch nicht mehr an seinen Stühlen zimmern.
Vor einiger Zeit sah ich ihn mal.
Seinen Verfall.
Scheiße, sagte ich zu ihm. Was ist los?
Du schaust nicht gut aus. Brauchst du Hilfe?
Er winkte ab.
Aber falls du Hilfe benötigst, mach dich bemerkbar.
Klopf einfach gegen meine Wohnungstür.
Das ist keine Hexerei. Guck. Ich klopfte gegen meine Wohnungstür und guckte ihn dabei streng an.
Aus meinem Anfall von gespielter Autorität wurde nix.
Er ließ sich von mir nicht helfen.
Verstehe ich nicht.
Mein Deutsch ist besser als seines.
Warum hat er sich nicht helfen lassen?
Verstehe ich einfach nicht.
Dieses Ding, niemanden zur Last werden zu wollen.
Er sah schrecklich aus.
Noch hagerer. Und krumm gehend.
Was heißt hier hager.
Er war schwer untergewichtig.
Ich weiß noch immer nicht, wie man sich da verhalten soll als Nachbar.
Die Behörden einschalten?
Den Notarzt verständigen.
Das ist ja auch eine Form von Gewalt.
Der Körper bricht unter der eigenen Vergänglichkeit ein.
Der körperliche und geistige Verfall im Zeitraffer.
Da hat der wieder seine „Der“ untergebracht.
Wixxer.
Wie nennt man das?
Biologische Gewalt. Höhere Gewalt?
Kachexie / Marasmus / rapider geistiger und körperlicher Einbruch.
Dem alten Russen wurde von unsichtbarer Hand Gewalt angetan.
Warum her er keinen Arzt gerufen?
Ich verstehe es nicht.
Allerdings ist der alte Russe von nebenan nicht „Der Lungen-Mann“.
Da hatte ich tatsächlich einen genauen Einblick in seinen Leidensweg. Viel zu genau sogar.
Über den alten Russen kann ich nix sagen.
Außer dass mich sein Tod ziemlich getroffen hat.
Was ich auch laut ausgesprochen habe gestern Abend.
Ich saß vor dem Koter/PC und spielte Backgammon gegen irgendwelche Online-Wixxer.
80 % der Spieler, die auch irgendwas texten, beschimpfen dich, wenn sie verlieren.
Die beschimpfen dich auch, wenn sie gewinnen.
Und von diesen 80 % ficken dann 95 % deine Mutter.
Ich hörte mehrere eingeschaltete Funkgeräte vor meiner Wohnungstür.
Seit wann gehört die Wohnung dir?
Nachdem ich fertig war mit einer Partie, wollte ich wissen, was da los ist.
Neugierde halt. Das ging ja länger.
Ich öffnete die Tür und draußen stand eine junge Frau mit dem Handy in der Hand.
Die wirkte ziemlich aufgelöst.
Die Wohnungstür vom alten Russen stand auch einen Spalt offen.
Und es roch ein wenig süßlich und schwer.
Mich traf der Schreck wie ein Blitz.
Sagt man das so.
Noch bevor die junge Frau sagte: „Mein Großvater ist verstorben.“
Das erste, was ich sagte war: „Mein aufrichtiges Beileid.“ Das muss man in Österreich immer dazu sagen.
Dann sagte ich noch: „Kann ich irgendwas für Sie tun?“
Konnte ich. Die junge Frau und ein junger Mann, der eben aus der Wohnung kam, möglicherweise ihr Freund, wollten ein Glas Wasser.
Nur so viele Gläser besitze ich nicht.
Also gab ich den beiden eine ganze Flasche Wasser, 1,5 Liter.
Die junge Frau entschuldigte sich dann auch noch für den Geruch.
Die Bestattung war aber eh schon auf dem Weg.
Den toten Großvater wegen dieser Stunde parfümieren bringt auch nix mehr.
Gott sei Dank sagte ich das nicht zu ihr.
Ich zuckte nur hilflos mit den Schultern.
Das mache ich andauernd.
Und dann sagte ich ohne zu überlegen, weil es pietätlos rüberkommen könnte:
„Er war ganz alleine in den letzten Wochen. Da kam niemand nach ihm zu sehen.“
Woraufhin die junge Frau zu mir sagte, natürlich angefasst: „Seine Frau ist auf Urlaub. Und sie macht so viele Überstunden. Deswegen hatte ich keine Zeit.“
Wieder zuckte ich nur hilflos mit den Schultern.
Sie sagte dann noch: „Er war ein guter Mann.“
„Stimmt“, antwortete ich.
Ich fragte dann noch einmal, ob ich noch was tun könnte.
Was nicht der Fall war.
Also verabschiedete ich mich und verkroch mich in der Wohnung.
Scheiße, dachte ich mir.
Wie ein verwundeter Soldat, der am Schlachtfeld zurückgelassen wird.
So bist du gestorben.
Mein russischer Nachbar, mit dem ich viele Jahre Wand an Wand lebte.
Im besten Einvernehmen.
„Rest in peace“, Nachbar.
Hoffentlich ist es dir an deinem jetzigen Ort gestattet auch Indoor zu rauchen, wenn du an einen Stuhl feilst, der bis in alle Ewigkeit hält.
Ende.
Oder schon Tage zuvor.
Ich bin richtig angefasst.
Wir lebten viele Jahr Wand an Wand.
Im besten Einvernehmen.
Zwar hämmerte ich einmal vor Jahren am frühen Morgen gegen seine Wohnungstür.
Er öffnete.
Kannst du nicht später herumzimmern, sagte ich angesäuert zu ihm.
Ab 10:00 Uhr?
Gib mir ein wenig Schonfrist.
Ich kann wie du auch nicht schlafen.
Vor Jahren hörte ich ihn nachts mal laut aufschreien.
Und aus dem Bett fallen.
Aber das mit dem Bett und dem Fallen war schon Dichtung.
Keine Ahnung, was von meinem Text bei ihm hängen blieb. Er sprach kaum Deutsch.
Wir wurden trotzdem handelseins.
Ich stopfte mir auch Ohropax in die Lauscher am Morgen.
Er zimmerte in der Wohnung Stühle. Vermutlich.
Ich hörte ihn andauernd raspeln und feilen.
Also hobeln.
So viel kann ich sagen.
Scheiße, wie erzähl ich das.
Ich kann nicht so gut erzählen.
Von seinem Aussehen und seiner Art her, wie er sich bewegte, auf der Straße, oft mit einem Tschik im Mundwinkel, erinnerte er mich an den Johann, den Maschinisten aus dem Film „Das Boot“.
Aber das über einen Russen sagen ist möglicherweise a bisserl unfein.
In der Wohnung durfte er nicht rauchen.
Seine Frau erlaubte ihm das nicht.
Nur alleine vor die Hunde gehen, schiebt sich der Wortmacher dazwischen wie eine dunkle Wolkendecke, das ging.
Die den Himmel aufhellt wie die Beißer vom Kloppi, brüllt der Scheißhausdämon und schmeißt sich weg vor Lachen, weil ich schon wieder den Faden verliere.
Wixxer.
Wieder ein Leben.
Weggeschmissen wie ein Tschik-Stummel.
Die Lebenseinheiten in den letzten Monaten vom alten Russen aus Wladiwostok, der seine alte Heimat nicht wieder sah.
Seine Familie aber auch nicht.
Er nahm für mich auch dann und wann ein Packerl entgegen.
Nicht immer von Amazon Prime. Ich schwöre.
Als ob das was ändert.
Wir grüßten uns immer freundlich.
Das war auch keine leere Geste.
Hin und wieder sagte er mit seinem gebrochenen Deutsch auch was zu mir.
Was man auch unter Schmäh führen einordnen könnte.
Er wirkte sehr freundlich und doch irgendwie gehetzt, in sich versunken.
So, als ob er einen schweren Sack Erinnerungen mit sich herumschleppt.
Mit russischen Erfahrungen.
Der wurde ja noch in der Sowjetunion sozialisiert.
Unglaublich eigentlich.
Leider konnte wir die Sprachbarriere nicht überwinden.
Viel gibt es nicht zu erzählen, was den alten Russen und mich betrifft.
Wir lebten halt Wand an Wand nebeneinander her und kamen bestens miteinander aus.
Unsere Vornamen tauschten wir nicht aus.
Wir machten nix miteinander. Die Sprachbarriere.
Deswegen führten wir auch keinen Currentzis / Netrebko-Gespräche.
Der Isolierte war eigentlich ich.
Ich bin der, der nur ganz selten Besuch hat.
Zwar hört man auch mich sprechen. Aber das ist reiner Abwehrkampf gegen das Alleinige.
Ich dachte du hast nix anderes?
Der alte Russe und seine Frau waren nicht in erster Ehe miteinander verheiratet.
Der alte Russe und seine Frau hatten sich eine große Patchwork-Familie gezimmert. So viel kann ich sagen.
Da gibt es einige Kinder und Enkelkinder inzwischen.
Allerdings weiß ich nicht mehr, wer zu wem gehört von den Kindern.
Oft hörte ich Stimmen nebenan.
Der ist gut.
Der Schizophrenist hört Stimmen.
Die „Vierer-Bande“ hat einen neuen Running-Gag.
Die beiden Söhne und eine der Töchter kenne ich persönlich.
Mit denen unterhielt ich mich auch manchmal.
Da gibt es keine Sprachbarriere.
Daher weiß ich, dass er aus Wladiwostok stammt.
Schreib ja nicht ursprünglich.
Das ist rassistisch.
Ursprünglich stammt er aus dem Bauch einer Frau.
Eine Person die als weiblich gelesen wird.
Nur nicht im heutigen Russland.
Er war nicht allein.
Er hatte Menschen um sich herum, einen Hund und eine Katze.
In seinen letzten Lebenswochen allerdings nicht mehr.
Das weiß ich.
Da war er allein mit einer alten Katze.
Seine Frau habe ich seit Monaten nicht mehr gesehen.
Die war auf einmal weg und kam auch nicht wieder.
Wie die schönen Abschiedslieder.
In seinen letzten Wochen kam niemand nachgucken, wie es ihm geht.
Weder sah ich wen aus der Wohnung kommen, noch hörte ich Stimmen.
Wieder Gelächter.
Ich hörte ich auch nicht mehr an seinen Stühlen zimmern.
Vor einiger Zeit sah ich ihn mal.
Seinen Verfall.
Scheiße, sagte ich zu ihm. Was ist los?
Du schaust nicht gut aus. Brauchst du Hilfe?
Er winkte ab.
Aber falls du Hilfe benötigst, mach dich bemerkbar.
Klopf einfach gegen meine Wohnungstür.
Das ist keine Hexerei. Guck. Ich klopfte gegen meine Wohnungstür und guckte ihn dabei streng an.
Aus meinem Anfall von gespielter Autorität wurde nix.
Er ließ sich von mir nicht helfen.
Verstehe ich nicht.
Mein Deutsch ist besser als seines.
Warum hat er sich nicht helfen lassen?
Verstehe ich einfach nicht.
Dieses Ding, niemanden zur Last werden zu wollen.
Er sah schrecklich aus.
Noch hagerer. Und krumm gehend.
Was heißt hier hager.
Er war schwer untergewichtig.
Ich weiß noch immer nicht, wie man sich da verhalten soll als Nachbar.
Die Behörden einschalten?
Den Notarzt verständigen.
Das ist ja auch eine Form von Gewalt.
Der Körper bricht unter der eigenen Vergänglichkeit ein.
Der körperliche und geistige Verfall im Zeitraffer.
Da hat der wieder seine „Der“ untergebracht.
Wixxer.
Wie nennt man das?
Biologische Gewalt. Höhere Gewalt?
Kachexie / Marasmus / rapider geistiger und körperlicher Einbruch.
Dem alten Russen wurde von unsichtbarer Hand Gewalt angetan.
Warum her er keinen Arzt gerufen?
Ich verstehe es nicht.
Allerdings ist der alte Russe von nebenan nicht „Der Lungen-Mann“.
Da hatte ich tatsächlich einen genauen Einblick in seinen Leidensweg. Viel zu genau sogar.
Über den alten Russen kann ich nix sagen.
Außer dass mich sein Tod ziemlich getroffen hat.
Was ich auch laut ausgesprochen habe gestern Abend.
Ich saß vor dem Koter/PC und spielte Backgammon gegen irgendwelche Online-Wixxer.
80 % der Spieler, die auch irgendwas texten, beschimpfen dich, wenn sie verlieren.
Die beschimpfen dich auch, wenn sie gewinnen.
Und von diesen 80 % ficken dann 95 % deine Mutter.
Ich hörte mehrere eingeschaltete Funkgeräte vor meiner Wohnungstür.
Seit wann gehört die Wohnung dir?
Nachdem ich fertig war mit einer Partie, wollte ich wissen, was da los ist.
Neugierde halt. Das ging ja länger.
Ich öffnete die Tür und draußen stand eine junge Frau mit dem Handy in der Hand.
Die wirkte ziemlich aufgelöst.
Die Wohnungstür vom alten Russen stand auch einen Spalt offen.
Und es roch ein wenig süßlich und schwer.
Mich traf der Schreck wie ein Blitz.
Sagt man das so.
Noch bevor die junge Frau sagte: „Mein Großvater ist verstorben.“
Das erste, was ich sagte war: „Mein aufrichtiges Beileid.“ Das muss man in Österreich immer dazu sagen.
Dann sagte ich noch: „Kann ich irgendwas für Sie tun?“
Konnte ich. Die junge Frau und ein junger Mann, der eben aus der Wohnung kam, möglicherweise ihr Freund, wollten ein Glas Wasser.
Nur so viele Gläser besitze ich nicht.
Also gab ich den beiden eine ganze Flasche Wasser, 1,5 Liter.
Die junge Frau entschuldigte sich dann auch noch für den Geruch.
Die Bestattung war aber eh schon auf dem Weg.
Den toten Großvater wegen dieser Stunde parfümieren bringt auch nix mehr.
Gott sei Dank sagte ich das nicht zu ihr.
Ich zuckte nur hilflos mit den Schultern.
Das mache ich andauernd.
Und dann sagte ich ohne zu überlegen, weil es pietätlos rüberkommen könnte:
„Er war ganz alleine in den letzten Wochen. Da kam niemand nach ihm zu sehen.“
Woraufhin die junge Frau zu mir sagte, natürlich angefasst: „Seine Frau ist auf Urlaub. Und sie macht so viele Überstunden. Deswegen hatte ich keine Zeit.“
Wieder zuckte ich nur hilflos mit den Schultern.
Sie sagte dann noch: „Er war ein guter Mann.“
„Stimmt“, antwortete ich.
Ich fragte dann noch einmal, ob ich noch was tun könnte.
Was nicht der Fall war.
Also verabschiedete ich mich und verkroch mich in der Wohnung.
Scheiße, dachte ich mir.
Wie ein verwundeter Soldat, der am Schlachtfeld zurückgelassen wird.
So bist du gestorben.
Mein russischer Nachbar, mit dem ich viele Jahre Wand an Wand lebte.
Im besten Einvernehmen.
„Rest in peace“, Nachbar.
Hoffentlich ist es dir an deinem jetzigen Ort gestattet auch Indoor zu rauchen, wenn du an einen Stuhl feilst, der bis in alle Ewigkeit hält.
Ende.
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