Mittwoch, 5. August 2026
Der Fact-Checking-Crash-Dummie Part II
Schrecklich. Es ist einfach nur schrecklich. Bei billig werde ich unglaublich willig. Da speichelt sich mein Belohnungssystem im Gehirn, im mesolimbischen System, umgehend ein, das tief im Zentrum des Gehirns sitzt – wie du in der Nacht, heute Nacht, am Häusl, das sich angeblich vom Stammhirn bis in das Vorderhirn des russischen Massenmörders Putin erstreckt. Der hat ja eine Garage und einen Anhänger voller Leichen. Aber auf dem Gewissen hat er nicht eine Leiche liegen. Wixxer.
Gebietsgewinne.

Rein rechnerisch fordert jeder seit Februar 2022 von Russland neu eroberte Quadratkilometer geschätzte 18 bis 25 Opfer (Getötete und Verwundete auf beiden Seiten, inklusive Zivilisten), wobei starr gemessene Flächenmaße das tatsächliche Ausmaß des Krieges stark verzerren. Der überwiegende Großteil dieser Verluste – über 95 Prozent – betrifft Soldaten an extrem umkämpften Frontabschnitten, während zivil verifizierte Opfer rechnerisch etwa 0,6 bis 0,7 Personen pro neu besetztem Quadratkilometer ausmachen; Militäranalysten nutzen deshalb aussagekräftigere Maßeinheiten wie tägliche Abnutzungsraten oder bodengebundene Verlustquoten pro spezifischer Schlacht (z. B. Bachmut oder Awdiijiwka). Quelle: Gemini

Rein rechnerisch und rein menschlich. Scheiße. Ich bin und bleibe eine Maschine, die nichts als Verstörung reproduziert. Egal. Hauptsache ich bin produktiv. Der ist gut.

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, zitierte der Scheißhausdämon heute Nacht Michail Gorbatschow, ersten und einzigen Präsidenten der Sowjetunion (UdSSR). Der Anlass war ein nicht so schöner. Aber das ist keine Literatur. Über seinen organischen Verfall lamentieren. Du musst es wie der Nobelpreis-Handke in Salzburg machen, bei den Festspielen. Der dort seinen Spazierstock schwang nach der Uraufführung seines Stücks.
Spazieren zwei Clowns durch Handkes Hirn.

Die stärkste Szene kommt am Schluss. Der Schriftsteller Peter Handke, ein schmaler, vom Alter gezeichneter Mann mit äußerst aufrechter Haltung und um das Gesicht flatternden langen weißen Haaren, stapft nach dem Premierenapplaus mit Hut und Spazierstock über die Bühne. Im Augenblick des Abschieds wendet der 83-Jährige dem Theaterpublikum schon den Rücken zu, da hebt er plötzlich zu einem letzten Gruß den Spazierstock in die Luft: halb drohend, halb scherzend, als wollte er die Menschen mahnen, nur bloß seine Weissagungen nicht zu unterschätzen.
Es wird erstaunlich viel gelacht an diesem Theaterabend, der von Ende August an im Berliner Ensemble zu sehen sein wird.

Besonders belustigt reagiert das Publikum, wenn der Schauspieler Harzer den betont merkwürdigen Handke-Satz sagt: »Das Winken eines Holunderzweigs ist etwas anderes als das Winken mit einem Zaunpfahl.«
Ob der Dichter hier bereits vorausgeplant hatte, dass er nach der Premiere mit dem Spazierstock von der Bühne winken würde? Quelle: SPIEGEL 32/2026

Tollpatschfigur. Handkes Figuren im Stück, zwei an der Zahl, sind Tollpatschfiguren. Das bin ich auch im echten Leben, dachte ich mir gestern, als ich mir diesen Artikel vorlesen ließ. Ein Tollpatsch und ein Sandler. Beides in einer Person. Bürgerschreck bin ich nicht. Niemand erschreckt sich wirklich beim Lesen deiner Schreibe. Über dich geht man einfach hinweg. Ein Schicksal, das viele ereilt, selbst wenn die eine ganz andere Meinung von sich selbst haben. Als ob das wirklich was ändert – eine gute Meinung von sich zu haben.

Bei billig wurde ich also wieder einmal willig. Das Hirn vom Zocken völlig ruiniert. Reich wurde ich damit nicht. Aber bei der Schuldnerberatung bin ich auch nicht gelandet. Instinktiv suche ich nach irgendetwas Lukrativem, wie einst die besten Wettkurse. Da hatte man dann ein Spiel lang seine Kohle angenagelt. Es waren trotzdem gute Zeiten. Bevor dann das Internet kam. Heute verändern sich Wettkurse im Sekundentakt. Und das global. Egal. Seit das Zocken online mitten in der Gesellschaft angekommen ist, habe ich damit nichts mehr am Hut.

Beim XXXLutz saß ich auf einem Bürostuhl zur Probe. Der war ganz okay. Preis: 220 €. Wie es der Zufall so wollte ... Nee, ich guckte ja ganz bewusst auf willhaben zu dem Thema. Nennt man das Dominoeffekt, Kettenreaktion? Es war ein Ereignis, das Fahrt aufnahm. Ich fand denselben Bürostuhl auf willhaben. In der Verkaufsanzeige stand: „Noch verpackt, nie benutzt. Preis 180 €.“ Melden kann ich mich ja mal auf die Anzeige, dachte ich mir, kostet ja nichts. Na ja. Energie. Es kostet kostbare Energie und kostbares Wasser. Die Serverfarmen werden unser aller Unglück sein. Und ich dachte, es wird die absolute Mehrheit der AfD in Sachsen-Anhalt sein. Deswegen merke man: Politische Trends lassen sich nur ganz selten wieder umkehren. Wir sind dafür viel zu irrational.

Siehe die Bilder aus Ceuta.
Kennen Sie den Film World War Z (2013)? In dem Film bricht weltweit eine rasante Infektion aus, die Menschen innerhalb von Sekunden in extrem aggressive Zombies verwandelt. Brad Pitt spielt darin einen ehemaligen UN-Ermittler, der verzweifelt nach dem Ursprung des Virus sucht, um eine Heilung zu finden. Besonders eindringlich ist die Szene, in der sich riesige Zombiemaßen wie eine Welle auftürmen, um eine hohe Schutzmauer zu überwinden. Die Bilder aus Ceuta erinnerten mich schlagartig an den Film. Wie? Für dich sind Menschen aus Marokko Zombies? Nee, es geht um den Kontrollverlust.

Den Originaltext mit der Frau, die den Bürostuhl verkauft, habe ich inzwischen gelöscht. Genau genommen habe ich die ganze Anzeige gelöscht. Mit 12 Milliarden Euro Schaden soll der schlimme Waldbrand in Frankreich in den Büchern stehen. Und was ist mit den Feuerwehrleuten, die als Helden gefeiert werden? Die haben doch diese ganze Scheiße eingeatmet. Das auch, ja. Feinstaub (PM2.5), Kohlenmonoxid (CO), PAK, Benzol, Formaldehyd, Acrolein, Blausäure, Dioxine, Phenole.

Seit wann kennst du dich damit aus?
Seit ich als UN-Soldat im Niemandsland zwischen Kuwait und Irak zwischen den brennenden Ölfeldern stationiert war. Durch die Verbrennung des Erdöls wurden gigantische Mengen an Ruß und Ölaerosolen (Black Carbon), Schwefeldioxid (\text{SO}_2), Kohlenmonoxid (\text{CO}), Kohlendioxid (\text{CO}_2), polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) sowie Schwermetallen wie Vanadium, Nickel und Blei direkt in die Atmosphäre geblasen. Eine undurchdringliche Wand aus Ruß und Rauch, die den Tag mitten in der Wüste in eine stockdunkle Nacht verwandelte.

Eine Wand aus Lebensträumen, die hier abgefackelt wurden. Das waren aber nicht meine Träume. Ich war verdeckt obdachlos. Ich wollte nur irgendwo runterkommen. Wieder UNO oder französische Fremdenlegion. Ich warf eine Münze. Und dann noch einmal. Bis das Ergebnis zu meinem Charakter passte.
Nach ein wenig Blabla stellte sich heraus: Der Bürostuhl, den diese Frau verkaufte, war tatsächlich jener Bürostuhl, auf dem ich beim XXXLutz probe gesessen hatte. Ich fragte nach, ob es auch eine Rechnung zu dem Stuhl gibt. Sie sagte, ja, der Bürostuhl ist noch original in der Verpackung. Die Frau schickte einen 👍. Es gab tatsächlich noch eine Rechnung. Sie schickte mir das Foto einer Rechnung. Die war tatsächlich vom XXXLutz. Nur der Name auf der Rechnung war geschwärzt. Halb so wild. Da ich den Stuhl ja holen muss, war ich bereit, 150 € für den Stuhl zu bezahlen. Für 15 € Aufpreis hätte sie auch zugestellt. Das machte aber keinen Sinn. Wir wollten ja noch den anderen Stuhl holen. Von der 2.-August-Frau. Heute wäre super. Völlig bekloppt. Macht mit mir einen fixen Termin für den 30.07. aus, am Nachmittag zwischen 14 Uhr und 16 Uhr, und meldet sich dann erst am 2. August wieder.

Wir fixierten den Deal. 30.07.2026 so gegen 14 Uhr. Alles lief ganz wunderbar. Und in unserer Konversation erwähnte ich ungefähr fünfmal: Bitte vergessen Sie die Rechnung nicht. Sehr wichtig. Die Frau antwortete mehrmals, dass das überhaupt kein Problem sei. Also rief ich sie am 30.07. so gegen 12 Uhr an und fragte, ob alles paletti sei. Ja, alles bestens. Ich bin vor Ort. Sie können den Bürostuhl holen. Ich frage dann noch einmal: Haben Sie auch die Rechnung dabei? Wieder bekomme ich zur Antwort: Ja, die habe ich.

Der S. und ich saßen dann am Parkplatz vor meiner Wohnung im Auto. Im gemieteten Auto. Ich rief die Frau noch einmal an und wollte ihr mitteilen, dass wir sogar etwas früher kommen. Die Frau hob ab und sagte, überhaupt kein Problem. Nur ein kleines Problem gibt es doch. Sie hat leider keine Rechnung. Ihr Vater hat nur noch das Foto einer Rechnung. Oha, sagte ich zu der freundlichen Frau. Das kommt jetzt aber sehr überraschend. Eigentlich war das anders besprochen. Egal. Ich rufe mal beim XXXLutz an und frage, ob das Foto auch reicht für die laufende Garantie. Die Mitarbeiterin vom XXXLutz erklärte mir am Telefon, dass ein Foto von der Rechnung auch langt. Was aber unbedingt zu sehen sein muss, ist die Auftragsnummer. Ohne Auftragsnummer keine Garantie.

Am Handy hatte ich ja noch das Foto der Garantie gespeichert. Der S. und ich guckten uns das Dokument an. Die Auftragsnummer war durchgestrichen. Hätten Sie sehen sollen, wie wir uns anguckten. Im Auto, das wir für diesen Fall gemietet hatten. Das kann jetzt doch nicht sein, kam es mir aus. Sind die Leute völlig bekloppt? Die eine Frau will unbedingt verkaufen und meldet sich dann nicht mehr, und die andere will dich übers Ohr hauen. Nicht sie. Ihr Vater. Die Frau schob alles auf ihren Vater, als ich noch einmal anrief.

Einen auf moralisch überlegen machte ich dann nicht. Was ich aber doch sagte: Über eine Woche haben Sie von einer Rechnung gesprochen. Und jetzt sitzen wir im Auto und es stellt sich heraus, Sie haben überhaupt keine Rechnung. Denn auf einer gültigen Rechnung müsste noch die Auftragsnummer stehen. Aber die sieht man nicht. Die wurde überklebt. Jetzt kaufen Sie also nicht, fragte die Frau. Natürlich nicht, antwortete ich. Was soll ich mit einer Fake-Rechnung. Ich legte auf.

Alles Wixxer, sagte ich entnervt zum S. Und der nickte nur.

Total angewidert von diesen Geschäftspraktiken habe ich den Bürostuhl mit selbstklebenden Kunstleder-Flicken / Patch geflickt. Passt schon. Stattdessen werde ich mir einen Fernsehstuhl zulegen. Weil du ja sehr viel durch die Röhre guckst. Genau. Neu vom Möbeldiscounter. Schön mit AUFTRAGSNUMMER.

Ende

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