Mittwoch, 25. Juli 2012
Geistheilung oder am deutschen Wesen wird meine Welt genesen
In der aktuellen Ausgabe schreibt der Spiegel, na der nicht direkt, sondern der Jochen-Martin Gutsch für den Spiegel, das nach Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Allensbach rund die Hälfte der (befragten) Deutschen Gedankenübertragung für möglich halten.
Ich weiß ja nicht ob das mit der Gedankenübertragung auch über Landesgrenzen hinweg funktioniert, aber jetzt mit dem Schengen Abkommen dürfte das ja kein großes Problem mehr sein.

Deswegen liebe, hochgeschätzte, verehrte, Deutsche und innen die Gedankenübertragung für möglich halten!
Liebe Deutsche,das habe ich ja schon gesagt, ich wäre ihnen auf ewig in Liebe verbunden, wenn sie von ihren Fähigkeiten gebraucht machen würden und sich meiner Gedankenwelt für ein paar Tage annehmen. Sie können mit während dieser Zeit natürlich auch ihre Gedanken zur Verfügung stellen. Um sie vor unliebsamen Überraschungen zu bewahren, sollten sie sich bitte jetzt schon eine Liste mit den Telefonnummern umliegender Nervenheilanstalten, psychiatrischer Ambulanzen und entsprechend ausgebildeter Ärzte zu recht legen. Medikamente die schlimmeres Eindämmern lasse ich ihnen auch zukommen. Natürlich noch bevor wir uns zum eigentlichen Gedankenaustausch verabreden. Das ist doch selbstverständlich. Die etwas antiquierte Art zu grüßen, außer sie leben in den neuen Bundesländer oder der Opa will einfach nicht sterben, ist sicherlich noch etwas gewöhnungsbedürftig. Auch das plötzliche Interessen an Kraftausdrücken wird sie sicherlich noch einige Zeit beschäftigen und was ihre aufkeimende Begeisterung für leicht geschürzte Damen betrifft. Mit jener Gründlichkeit für die sie bekannt sind, werden sie auch diese Problem in den Griff bekommen. Und nur keine Angst wenn sie in der herein brechenden Morgendämmerung noch immer keinen Schlaf gefunden haben. Die entsprechenden Telefonnummern, die ihnen vorübergehend Linderung verschaffen haben sie ja inzwischen in der Kurzwahl abgespeichert. Um ihren Naturell ein wenig entgegenzukommen, habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht und mir auch eine Liste mit Geschäften zusammen gestellt die ausnahmslos nur BIO-Lebensmittel führen, weil mit den Nutten schaut es ja bei euch eher mau aus. Das beklemmende Gefühl als haushoher Favorit in ein Fußballspiel zu gehen um dann trotzdem nur der Meister der Herzen zu werden, ist sicherlich Neuland für mich. Aber was ich vorab noch fragen wollte. Wie fühlt sich das an wenn man erstens in einer einigermaßen belebten Demokratie und nicht in einer lieb gewonnenen und im Grunde gewollten Despotie lebt und zweitens die führenden politischen Kräfte des Landes, alle irgendwie ein wenig seltsam sind. Der Chef eine Frau, der Finanzminister im Rollstuhl und der Außenminister trägt vornehmlich nur rosa Socken. Brennt das beim kleinen Geschäft weniger? Und was die Sache mit dem energetisierten Wasser betrifft. Muss ich dafür unbedingt in einem Geschäft nach einer geeigneten Maschine Ausschau halten, damit das Wasser entsprechend kuriert und kultiviert wird, weswegen man es auch beim Anblick des Berliner Mahnmal bedenkenlos trinken kann, oder reicht dafür auch ein Chili aus der Dose mit ein paar zusätzlichen Pfefferoni vom Türken? Bitte schreiben sie mir ab wann sie Abends zu erreichen ist, nix ist, sind.
Entschuldigen sie bitte mein Sprache, weil ich denke im kärntner Dialekt und des Gedochte muaß i erst eindeitsch`n.

Herzlichst
ihr Imperialist!

Anhang: österreichische Gedankenübertragung wird ausdrücklich nicht gewünscht.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 20. Juli 2012
"Wohnst du noch oder lebst du schön"
Jeder, auch Sehbehinderte und Menschen aus Entwicklungsländer, die zuweilen mit Lehmhütten vorlieb nehmen müssen oder auf nackten Beton schlafen wenn sie sich betten, erkannten beim Betreten meiner Wohung sofort dass hier etwas nicht ganz stimmig ist. Einerseits die Annehmlichkeiten einer beschaulichen Altbauwohung. Hohe helle Räume, versiegelter Parkettboden, die schönen verspielten Türen und die lärmabweisenden Fenster, anderseits das selten schäbige Inventar. Das Bett völlig durchgelegen, aus allen Stühlen quillte die Füllung, als Schreibtisch diente ein selten hässlicher Küchentisch, Trinkgläser nicht vorhanden, die Kaffeetassen ausgeschlagen und dermaßen grausig, das kein normaler Mensch daraus trinken würde. Jeder der sich in dieser, meiner Wohung umsah wusste sofort. Hier wohnt ein ganz und gar heruntergekommener und versiefter Mensch, ein Alien, eine seltene Kreuzung aus Armut und Wohlstand, der offenbar keinen Wert auf ein wohliges Zuhause legt oder gar nicht weiß was das ist, aber trotzdem nicht in der Gosse enden will. Die Einrichtung einer Wohung ist ja auch immer irgendwie Ausdruck der Persönlichkeit. Und das was diese Wohung an Persönlichkeit zum Ausdruck brachte, war eine gewisse Art des Horrors. Das offenkundig Kaputte, Defekte und Erschöpfte und nicht wirklich Funktionsfähige eingebettet in vier Wände die eindeutig das Gegenteil symbolisierten. Diese Wohnung und ihr Inventar, diese gelebte Geschmacklosigkeit, war eigentlich schon Kunst. Eine Dauerinstallation mit dem Titel "Väter und Söhne". Ich kann jetzt nicht sagen dass das beabsichtigt war, nur mich störte diese offensichtliche Heruntergekommenheit nicht, weil sie irgendwie auch Ausdruck meiner inneren Befindlichkeit zu sein scheint. Oder anders gesagt zu mehr war ich nicht im Stande. Nur vermüllt und dreckig darf es nicht sein. Und für was brauche ich unbedingt Trinkgläser und den ganzen anderen Ramsch wenn ich sowieso immer aus der Flasche saufe. Ich kann nicht genau sagen was mich antrieb aber diese Woche habe ich dieses ganze kaputte Zeug, außer mir, auf den Müll geworfen. Vielleicht sind 15 Jahre kein Trinkglas genug. Die Revolution frisst auch noch das allerletzte Kind. Das jetzt anstatt des Küchentisch, da so ein 0815 billigsdorfer Schreibtisch aus Spanplatten steht, fürchterlich klobig und unansehnlich, was solls. Es gibt Leute die stellen sich dieses Zeug schon mit zwanzig rein und nicht wie ich mit 44. Ein neues Bett habe ich jetzt auch und die neuen Stühle gehen fast schon als Avantgarde durch. Wenn man jetzt bei der Tür herein kommt und sich umsieht denkt man sich, oh d awohnt ein harmloser und stilloser Ikea-Mensch, mit Träumen die man mittels Beschreibung selber zusammen baut. Sogar ein Nachtkästchen besitze ich jetzt. Nicht gerade ein Schmuckstück abendländischer Handwerkskunst und mit dem abgenudelten Stuhl der vorher dastand kann es dieses Ding an Hässlichkeit natürlich nicht aufnehmen. Gott sei Dank kann ich nur sagen, haben wir beim Einkauf in diesem Möbelhaus mit den heißen Preisen und den unglaublich günstigen Ratenzahlungsvereinbarungen, auf die Teller vergessen. Auch noch von einem Teller essen, während man aus einem Glas trinkt, während man an einem Tisch sitztz und nicht auf der Bettkante, das wäre dann doch zu viel des Guten. Aber wie heißt es so schön, man soll niemals nie sagen.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 19. Juli 2012
Gespenster
Auf der Donauinsel gibt es Gespenster,
sie schlafen in Büschen oder zusammen gerollt auf Bänken
die freie Welt hat sie weggeraspelt. Ja wo gehobelt wird fallen Späne.
Nur mit diesen Spänen kann man keine Biogasanlage auffüllen.
Tags über steifen sie über die Insel,
ein Schritt vor, und einer zurück aber eigentlich treten sie nur auf der Stelle.
Ihr ganzer Besitzt steckt in einem Plastiksack,
und einen gibt es auf der Insel, der putzt jeden zweiten Tag seine Jean mit der Zahnbürste.
Das macht er mit Akribie und einer ganz speziellen Ernsthaftigkeit
und jedes Mal denke ich mir, morgen, spätestens morgen hat er ein wichtiges Einstellungsgespräch oder eine Idee, die er der Welt ins Gesicht schreien wird das es nur so kracht.
Aber dann kommt nichts, den am nächsten sitzt er einfach nur so da gespenstisch mit hängenden Schultern oder er geht den halben Tag im Kreis herum, die Jean hochgekrempelt, weil sein Kopf ein Labyrinth ist, aus dem er nicht mehr heraus findet.
Morgen, da bin ich mir ziemlich sicher, wird er wieder mir der Zahnbürste über seine Hose herfallen. Das ist sein letzter Kampf um ein bisschen Würde.
Denn an dem Tag, an dem er einfach nur noch in dreckige Hose steigt, fällt aber wahrscheinlich tot um und das war's dann.
Eine billige Holzkiste, in einem Armengrab am Rande der Stadt.
Auf der Donauinsel gibt es Gespenster, ich weiß das nur zu genau
denn ich bin eines von ihnen, in einem Klappstuhl hockend, auf einem vergoldeten Arsch.

... link (0 Kommentare)   ... comment