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Freitag, 26. Juni 2015
Neues von der Insel
der imperialist, 20:52h
Man gibt sich ja gerne ein wenig technikfeindlich und fortschrittsskeptisch. Ab einem gewissen Alter gehört das einfach zum guten Ton, genauso wie das Schwärmen von der guten alten Zeit. Die war vor allem deswegen so gut weil man 25-30 Lenze weniger auf dem Buckel hatte. Eine ziemlich tolle Erfindung der neueren Zeit scheint ja das Elektrofahrrad zu sein. Die wachsen auf der Insel wie die Schwammerln/Pilze aus dem Untergrund. Zumeist sitzen auf diesen Elektroräder, Personen, die zu Anbeginn der guten alten Zeit geboren wurden, als alle noch nichts hatten. In Österreich war dieses Nichts in der Regel römisch-katholisch. Diese Elektroräder, das muss man neidlos anerkennen, machen ältere Menschen wieder mobil. Einfach gesagt geht da auch bei starkem Gegenwind was weiter. Mit den Elektrofahrrädern gehört das sich abmühen und abstrampeln der Vergangenheit ein. Älteren Menschen sieht man zuweilen nicht immer sofort an ob sie gerade Spaß haben. Blödes Grinsen wegen jedem Scheißdreck ist ein eindeutig ein Vorrecht der Jugend. Ich kann mich an ein Schuljahr erinnern, als der Harry neben mir saß, da war das Lachen (wirklich über jeden Scheiß) der Normalzustand. Abartig war das. Heute las ich in meinem Klappstuhl gepresst in der Zeitung, das der IS ein Gräuelvideo ins Internet gestellt hatte, (ich habe nicht vor nach diesem Video im Netz zu suchen) wie fünf Gefangene in einem Eisenkäfig in einem Wasserpool gesenkt und langsam ertränkt werden. Außen an den Gitterstäben sollen zwei Kameras angebracht worden sein um den Todeskampf dieser Menschen zu filmen. Während mir die Horrorfilmreihe Saw in den Sinn kam, die dem IS als Vorbild oder Handlungsanleitung, (Inspiration zu schreiben wäre makaber) dienen könnte, radelte eine Lady in ihren besten Jahren auf einem Elektrorad an mir vorbei. Was heißt hier radeln. Die hatte einen Affenzahn drauf. Mindestens so schnell wie der Jan Ulrich in seinen besten Tagen ( ja ich weiß das er gedopt war) beim Einzelzeitfahren als der über 400 Watt in die Pedale presste. Sah beinahe danach aus das die Lady ihren Drahtesel auch a bisserl gedopt hatte. Unverkennbar ließ sich eines sofort und zweifelfrei feststellen. Die Dame hatte wirklich, so richtig wirklich Spaß.
Ach ja noch etwas. Thema Mainstream. Sobald man a bisserl was auf sich hält ist man immer gegen alles das nach Mainstream ausschaut. Das war scheinbar schon immer so. Da bläst der Charly Parker total high in seine Trompete und irgendwer schrie sicher, Mainstream. Das Mainstream-Kino gehört natürlich aus zu diesem Übel. Wobei ich zugebe. Sobald ein Mainstream-Film fett Kohl einspielt gibt es auch schon eine Fortsetzung. Und dann noch eine und noch eine. Das ist grauenhaft. Letztens habe ich mir den Mainstream-Film „das Schicksal ist ein mieser Verräter“ angeschaut. Was soll ich sagen. Eine der schönsten Liebesfilmschnulzen die ich je gesehen habe.
Ach ja noch etwas. Thema Mainstream. Sobald man a bisserl was auf sich hält ist man immer gegen alles das nach Mainstream ausschaut. Das war scheinbar schon immer so. Da bläst der Charly Parker total high in seine Trompete und irgendwer schrie sicher, Mainstream. Das Mainstream-Kino gehört natürlich aus zu diesem Übel. Wobei ich zugebe. Sobald ein Mainstream-Film fett Kohl einspielt gibt es auch schon eine Fortsetzung. Und dann noch eine und noch eine. Das ist grauenhaft. Letztens habe ich mir den Mainstream-Film „das Schicksal ist ein mieser Verräter“ angeschaut. Was soll ich sagen. Eine der schönsten Liebesfilmschnulzen die ich je gesehen habe.
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Mittwoch, 24. Juni 2015
Das Mädchen aus der Fabrik und ein verkackter Lumpenproletarier
der imperialist, 20:29h
Hierbei handelt es sich um einen alten Text. Weil mir nichts mehr einfällt pfusche ich ein wenig herum.
Für Christine
Das Leben hat es von Anfang an nicht gut mit ihr gemeint. Die Mutter mit den vier Kindern heillos überfordert, der Vater, ein Alkoholiker der seine Herkunft standesgemäß feierte, und mit seinen geilen Wurstfinger, ziemlich lange unwidersprochen an den Nachthemden der Töchter, großer Söhne herum zupfte. Der nächste Kerl in ihrem Leben, der Stiefvater, vom selben Schlag. Ein verblödeter, auf die Grundmauern des Empfindens abgebrannter Choleriker, der über die eigenen vier Wände herrschte wie ein Despot, der sein Essen mit einem Hakenkreuz versah, damit die verhassten Kinder wussten wer hier der angebliche Herrenmensch im Haus ist. Sie hatte das Maul zu halten, zu kuschen und zu gehorchen. Was anderes hatte sie nicht zu wollen. Mit siebzehn hielt sie diesen Folterkeller des Kleinstbürgerlichen nicht mehr aus und nahm reiß aus. Weinend mit einer Tasche lief sie hinaus in die dunkelste Nacht des Tages. Sie war jung, hübsch, sexy, verängstigt, ungebildet und naiv, und so war es nur eine Frage von Minuten, bis sich die Geier unter dem männlichen Gefieder auf sie stürzten wie auf eine leichte Beute. Schon die erste ganz große Liebe hat sie ziemlich ruiniert. Darin sind Männer ja besonders talentiert. Ich bin da keine Ausnahme. Wieder packte sie ihre Tasche und flüchtete wie ein gehetztes Tier. Für ihre erste ganz eigenen vier Wände zahlte sie dem Vermieter 8 000 Euro Ablöse. Wirklich viel zum Ablösen, außer ein paar hässlichen Tapeten, die sich von den Wänden schälten, gab es da nicht. Und das freigekaufte WC stand draußen am Gang. Ob ihr dieses Scheißhaus ganz alleine gehörte fragte ich sie nicht. So etwas wie eine Ausbildung oder einen Beruf hatte sie nicht. Also blieben ihr nur zwei Optionen, der Strich oder die Fabrik. Tapfer und selbstbestimmt wie sie leben wollte, zog sie die Fabrik dem Strich vor. Jahrelang stand eine ausgefressene Vorarbeiterin mit einer Stoppuhr neben ihr und feuerte sie an. Nur das war kein netter Marathon für sinnsuchende Reiche, die ihren krankhaften Masochismus zu etwas höheren verklären, sondern ein scheiß Hindernislauf für Arme. Aus Kostengründen wurde die Produktionsstätte irgendwann abgebaut und ausgelagert. Sie wurde zurück gelassen wie etwas Unnützes für das es keinen Evakuierungsplan gab. So ist das halt in einer Welt in der Maschinen in der Regel werthaltiger sind als Menschen. Bei Maschinen wird beim Abbau ganz genau darauf geachtet das nichts kaputt geht. In ihrer Verzweiflung wollte sie wieder für ein paar Scheine die Beine breit machen, nein aufreißen wie eine Wunde. Nach der ersten Nach im Bordell lief sie wieder davon. Danach wählte sie Tor B. und ging die Scheißhäuser der besseren Leute putzen.
Auf Knien beim Scheuern und Wischen träumte sie noch immer von der ganz großen Liebe. Ihr letzter Dienstgeber, ein angesehener Rechtsanwalt, mit vergoldetem Namensschild an der Haustür, schuldet ihr heute noch 250 Euro. 250 Euro sind nicht viel für einen von Oben ein Klacks, der sich sein Studium von Menschen bezahlen lässt, die auf Knien vor ihm herum rutschen und auch unter dem Rand, wegen der Hygiene und so.. Ich fragte sie ob ich diesen Arsch eine aufs Maul hauen sollte, aber sie lachte nur und fühlte sich irgendwie geschmeichelt. Wie ich schon erwähnte, von dem was wir unter Allgemeinbildung verstehen hat sie nicht die geringste Ahnung. In einem Anflug unerträglicher Aufgeblasenheit hab ich ihr einmal verklickert, dass einen Stock über mir, die Ingeborg Bachmann mit ihrem Lebensgefährten dem Heinrich Himmler eingezogen ist, die ihren Hund Antigone nennen. Sie fragte nur ob die beiden sich lieben. Sie war noch nie am Meer und in einem teuren Restaurant hat sie auch noch nie gegessen. Sie lebt mit einer uralten Katze, die blind ist und nichts mehr hört und deswegen die ganze Zeit flennt. Die Katze einfach einschläfern bringt sie nicht über Herz. Im Winter klettert sie andauernd auf abgesperrten Baustellen herum und verpflegt streunende Katzen. Sie raucht zu viel und bewegt sich zu wenig. Vor ein paar Jahren, eher eine halbe Ewigkeit, hatte sie sich Kopf über in mich verliebt. Nur wie so oft im Leben war ich eindeutig der Falsche für eine richtig große Liebe. Mir ging es nicht besonders. Zusehens verlor ich den Anschluss an die Wirklichkeit. Ich weiß ja nicht was noch so kommt, aber das waren die schlimmsten Jahre meines Lebens. Mein wertes Ich, eine Hydra mir fünf Köpfen fraß mich bei lebendigen Leibe auf, bis nicht mehr viel von mir übrig blieb, außer ein lächerlicher Klumpen Angst, mit funktionsschwachen Händen und Beinen und einem kaputten Kopf, versteckt unter einer Bettdecke mit Blumenmuster, ins Leere lebend und hilflos um sein Leben strampelnd. Für ihren Männergeschmack kann ich an sich nichts. Wenn sie mich besuchte trank sie vor Aufregung zumeist ein paar Schnäpse. Doch ich Arschloch blaffte sie nur blöd an, meine Bude sei doch keine Schnapsfabrik. Das sie einfach nur aufgeregt und fürchterlich unsicher war ging mir völlig am Arsch vorbei. Ficken wollte ich sie auch nicht. Als sie einmal auf meiner Bettkante hockend einen Liter Wein verdrückte, fing sie an mich beschimpfen. Allein schon das Bett, in dem ich auf bessere Zeiten wartete, war eine einzige Zumutung. Das war Müll. Keine Ratte würde sich da freiwillig hinein legen. Es wurde ziemlich tief und hässlich. Und ich war nicht Manns und Mensch genug dass einfach wegzustecken. Wir fingen an miteinander herum zu machen. In der Regel küsste ich sie nicht. Sie schrie mich an, das ich die scheiß Nutten schon küssen würde und was ich mir eigentlich einbildete wer ich sei. Na Gottes Wurmfortsatz. Der Herrscher über alle geblümten Bettbezüge, der in Auflehnung zu eckigen Mustern lebt. Damit konnte sie nichts anfangen. Um mich zum Küssen zu bewegen schleppte sie immer ein paar Bier herbei. Nach drei vier Hopfen und Malz Getränke benahm ich mich ganz anständig. Angesoffen war ich ihr immer am liebsten. Wir ließen es so richtig krachen. „Komm spritz mich voll, komm spritz mich voll, spritz überall hin“. Ich stand über ihr wie ein Regenmacher und tat wie angeraten. Als ich einmal über sie hinwegspritzte nahm sie das erfreut lächelnd zur Kenntnis. Wenn sie anständig gefickt wurde fühlte sie sich als Frau bestätigt. Andauernd wollte sie meine Wohnung putzen und dieses und jenes für mich tun. Ich schrie sie an das sie das gefälligst sein lassen sollte. Trotzdem machte sie mir meine Wäsche. Mein Geld nahm sie nur widerwillig an. Meine schizoaffektive Psychose wurde nicht besser. Im Gegenteil. Aber das kümmerte sie nicht. Ich lag da wie eine Leiche mit Bart, blöden Sprüchen und wahnhaft. Trotzdem wanderte ihr Kopf regelmäßig und unaufgefordert zwischen meine Beine. Damals hatte ich noch jede Mengen Katzen. Wegen der Katzenhaare auf meinem Schwanz musste sie sich einmal beinahe übergeben. Trotzdem machte sie einfach weiter. Das war irgendwie der breaking point. Selten habe ich mich so geschämt. Ich bat sie aufzuhören. Seit dem habe ich nie wieder mir ihr geschlafen. Dennoch schaute sie weiter nach mir. Ohne dass mir es wirklich bewusst wurde brachte sie mich durch meine schlimmste Zeit. Sie war damals der einzige Mensch in meinem Leben.
Eines Tages bekam ich neue Tabletten und eine Therapeutin. Danach ging es wieder aufwärts mit mir. Doch an meinem Aufwärts lies ich sie nicht wirklich teilhaben. Ich träumte von anderen Frauen und lies sie einfach sitzen wie einen ausrangierten Waggon am Abstellgleis. Vor ein paar Jahren ist sie weggezogen. Die Toilette am Gang und ich waren der Grund dafür. Jetzt wohnt sie in der Großfeldsiedlung, in einem riesigen Betonsilo, auf 34 m2, im achten Stock. Wenigstens die Toilette steht jetzt nicht mehr am Gang, worüber sie endlos glücklich ist. Immer wiedermal rief sie mich an und wenn sie in der Gegend war kam sie auf drei vier Zigaretten vorbei. Ich erzählte ihr von meiner neuen Freundin. Nicht absichtlich um sie zu verletzen, sondern weil sie fragrte. Mit meinem Taktgefühl steht es nicht zum Besten. „Ich weiß“, sagte sie einmal zu mir „du brauchst jemanden der mit dir über diese komischen Dinge redet“. Sie hatte dann etwas mit einem Typen der ihr andauernd anzügliche SMs schickte. Ohne Sau und Ficken machte es der Gentleman nicht. Auf den Poeten folgte dann ein älterer Herr der sie anpissen wollte. Rauchend und beinahe schuldbewusst gestand sie mir dass sie dafür irgendwie nicht geschaffen sei. Danach traf sie auf einen Kerl den sie für die große, wirklich ganz große Liebe hielt. Der Typ war noch um einiges egoistischer, selbstsüchtiger, und erbärmlicher wie ich. Wir haben doch nur eine sexuelle Beziehung hat er ihr immer wieder eingetrichtert. Bitte nicht der, beschwor ich sie am Telefon, lass diesen Trottel doch links liegen. Doch sie putzte, kochte und kümmerte sich aufopfernd um seinen Schwanz und sein übriges Wohlempfinden, während in ihrem Körper eine hässliche Zyste wucherte. 2 ½ Jahre lang hatte sie permanent nur Schmerzen. Und während sie so still vor sich hin litt suchte sich dieser Typ eine andere. Natürlich ohne Zyste. Aus einer Telefonzelle rief sie mich an das sie endlich einen Operationstermin hätte. Ich fragte sie ob ich sie besuchen kommen sollte. „Ach du“ sagte sie, „nein du brauchst mich nicht besuchen“. Und mir fehlte es an der nötigen Courage trotzdem zu kommen und da zu sein. Ich bat ich sie mich nach der Operation sofort anzurufen. Es gab keine Komplikationen. Gestern kam sie mal wieder auf drei vier Zigaretten vorbei. Als ich die Wohnungstür öffnete umarmte sie mich mit all ihrer Herzlichkeit. „Jetzt kann man endlich wieder draufhauen“, erklärte sie mir erleichtert. Draufhauen bedeutet in ihrer Sprache, dass sie jetzt beim Sex keine Schmerzen mehr hat. Es ist noch immer fürchterlich schwierig mit ihr ein halbwegs sinnvolles Gespräch zu führen. Zumeist plappert sie einfach nur so dahin wie ein kleines Kind oder wechselt ohne es zu bemerken das Thema. Das macht sie andauernd. Fragen überhört sie größtenteils. Doch jetzt stört es mich nicht mehr dermaßen, was aber jetzt nicht bedeutet, dass ich mir ihr Geplapper jeden Tag von der Früh bis am Abend anhören könnte. Alltag frisst aufrichtige Sympathie erschreckend schnell. Ist wie ein Abwehrkampf den man nicht gewinnen kann. Auf Nachfrage erzählte ich ihr von meiner damaligen Freundin. „Schlucken“ unterbrach sie mich entsetzt, „ich hab doch auch geschluckt oder nicht“. Wenn sie irgendetwas nicht mag, dann sind das Geschichten über andere Frauen, die bei ihr den Anschein erwecken, dass diese Frauen im Bett recht ungehemmt und spontan sind, was immer das auch bedeuten mag. Ich hätte lügen sollen. Ich wechselte das Thema. “Meine Titten beginnen zu hängen“. "Ach das stimmt ja gar nicht. Du hast doch eine Topfigur“. „Ich bin jetzt 43vierzig. Eine alte Schachtel“.„Du bist keine alte Schachtel. Du hast eine Figur wie eine Achtzehnjährige“. „Meine Bitschetten (Vagina) vertrocknet schön langsam und meine Haare gehen mir auch aus“. Geh das ist doch alles gar nicht war, das bildest du dir nur ein“. Natürlich hatte sie recht. Und ihre Zähne waren der blanke Horror. „Bald habe ich keine Titten mehr sonder nur noch zwei schlecht aufgepumpte Fahrradschläuche und eine Glatzen“. "Das ist doch ein ausgewachsener Schwachsinn. Du bist in Hochform“. Ganz ließ sie sich von meiner Begeisterung nicht anstecken, obschon ich mich redlich ins Zeug legte. „Er wollt immer nur schlecken. Wegen seiner Rückenmarkverletzung und den vielen Tabletten wollt er immer nur schlecken. Ganz versessen war er drauf. Und mir hat er die Schuld gegeben das er nicht kommen konnte. Was kann ich dafür dass er nicht kommen kann. Das ist doch nicht mein Kaffee. Wie wäre es mir einem Kaffee, gibt es so etwas bei dir?“. Ich entschuldigte mich dass ich mal wieder ein miserabler Gastgeber war. Nach dem ersten Schluck vom Kaffee und einem tiefen Zug aus der Zigarette zeigte sie mir ihre Schafswolle. Sie knüpft jetzt Teppiche. Endlich hat sie so etwas ähnliches wie ein Hobby entdeckt dachte ich mir. „Er wollte immer Kinder. Jetzt ist er mit einer zusammen die eine neunjährige Tochter hat. Ich kann doch nicht schwanger werden mit 43zig nur weil der eine Familie will“. Auf gar keinem Fall mach das bitte ja nicht“. „Letzte Woche hat er wieder mal bei mir geläutet. Um halb fünf in der Früh ist er vor meiner Tür gestanden. Natürlich total angesoffen“. „Warum hast du ihn nur hineingelassen“. „Er hat eh nichts versucht. 40 Euro hat die Tierärztin nur fürs Kommen verlangt“. „Warum bist du nicht mit der Katze zum Tierarzt gefahren“. „Die Mimi wollte nicht. Die war ganz außer sich. Mit dem Kopf hat sie andauernd gegen den Käfig geschlagen, da hab ich gleich wieder umgedreht“. „Nur weil ich keine Kinder wollte. Die Playstation Spiele sind viel zu teuer“. „Ja ich weiß“, antwortete ich, ohne genau zu wissen auf was ich jetzt mit ja antwortete. „Und wenn er dann doch ab und zu gekommen ist hat er am ganzen Körper gezittert. Oder ich habe es ihm mit der Hand gemacht.
Der ganze Arm hat mir schon weg getan, weil das Ewig und drei Tag gedauert hat. Pack ihn nicht so an. Immer hat er mir die Schuld gegeben wenn sein Schwanz zusammen gefallen ist. Das ist doch nicht meine Schuld. Nur bei dir komme ich nicht hat er immer gesagt, weil ich meine Bitschetten nicht richtig zusammenzwicken kann“. „Was meinst du damit“ fragte ich ungläubig. „Na zusammenzwicken. Damit es enger wird für ihn. Ich kann das einfach nicht. Alle Frauen können das nur du nicht. Deswegen könne er auch nicht abspritzen hat er immer gesagt“. „Das ist doch alles glatter Schwachsinn. Der will doch nur dir die Schuld umhängen wegen seiner Hängematte“. Sie lächelte. „Ich rauche noch eine dann geh ich“. Ich nickte. Da ich nichts zu sagen wusste zündete ich mir auch eine an, obwohl ich das Rauchen längst aufgegeben hatte. Als sie dann ging half ich ihr in die Jacke. Ich umarmte sie und gab ihr einen Kuss. Sie roch nicht mehr nach Aufregung. Als ich die Tür hinter ihr schloss war ich froh dass sie wieder auf dem Weg zurück in ihre Welt war. Ich hoffe sie kann mir meinen Hochmut irgendwann verzeihen.
Anhang. Leider ist unsere Verbindung nach beinahe12 Jahren abgebrochen. Was eher an mir lag.
Für Christine
Das Leben hat es von Anfang an nicht gut mit ihr gemeint. Die Mutter mit den vier Kindern heillos überfordert, der Vater, ein Alkoholiker der seine Herkunft standesgemäß feierte, und mit seinen geilen Wurstfinger, ziemlich lange unwidersprochen an den Nachthemden der Töchter, großer Söhne herum zupfte. Der nächste Kerl in ihrem Leben, der Stiefvater, vom selben Schlag. Ein verblödeter, auf die Grundmauern des Empfindens abgebrannter Choleriker, der über die eigenen vier Wände herrschte wie ein Despot, der sein Essen mit einem Hakenkreuz versah, damit die verhassten Kinder wussten wer hier der angebliche Herrenmensch im Haus ist. Sie hatte das Maul zu halten, zu kuschen und zu gehorchen. Was anderes hatte sie nicht zu wollen. Mit siebzehn hielt sie diesen Folterkeller des Kleinstbürgerlichen nicht mehr aus und nahm reiß aus. Weinend mit einer Tasche lief sie hinaus in die dunkelste Nacht des Tages. Sie war jung, hübsch, sexy, verängstigt, ungebildet und naiv, und so war es nur eine Frage von Minuten, bis sich die Geier unter dem männlichen Gefieder auf sie stürzten wie auf eine leichte Beute. Schon die erste ganz große Liebe hat sie ziemlich ruiniert. Darin sind Männer ja besonders talentiert. Ich bin da keine Ausnahme. Wieder packte sie ihre Tasche und flüchtete wie ein gehetztes Tier. Für ihre erste ganz eigenen vier Wände zahlte sie dem Vermieter 8 000 Euro Ablöse. Wirklich viel zum Ablösen, außer ein paar hässlichen Tapeten, die sich von den Wänden schälten, gab es da nicht. Und das freigekaufte WC stand draußen am Gang. Ob ihr dieses Scheißhaus ganz alleine gehörte fragte ich sie nicht. So etwas wie eine Ausbildung oder einen Beruf hatte sie nicht. Also blieben ihr nur zwei Optionen, der Strich oder die Fabrik. Tapfer und selbstbestimmt wie sie leben wollte, zog sie die Fabrik dem Strich vor. Jahrelang stand eine ausgefressene Vorarbeiterin mit einer Stoppuhr neben ihr und feuerte sie an. Nur das war kein netter Marathon für sinnsuchende Reiche, die ihren krankhaften Masochismus zu etwas höheren verklären, sondern ein scheiß Hindernislauf für Arme. Aus Kostengründen wurde die Produktionsstätte irgendwann abgebaut und ausgelagert. Sie wurde zurück gelassen wie etwas Unnützes für das es keinen Evakuierungsplan gab. So ist das halt in einer Welt in der Maschinen in der Regel werthaltiger sind als Menschen. Bei Maschinen wird beim Abbau ganz genau darauf geachtet das nichts kaputt geht. In ihrer Verzweiflung wollte sie wieder für ein paar Scheine die Beine breit machen, nein aufreißen wie eine Wunde. Nach der ersten Nach im Bordell lief sie wieder davon. Danach wählte sie Tor B. und ging die Scheißhäuser der besseren Leute putzen.
Auf Knien beim Scheuern und Wischen träumte sie noch immer von der ganz großen Liebe. Ihr letzter Dienstgeber, ein angesehener Rechtsanwalt, mit vergoldetem Namensschild an der Haustür, schuldet ihr heute noch 250 Euro. 250 Euro sind nicht viel für einen von Oben ein Klacks, der sich sein Studium von Menschen bezahlen lässt, die auf Knien vor ihm herum rutschen und auch unter dem Rand, wegen der Hygiene und so.. Ich fragte sie ob ich diesen Arsch eine aufs Maul hauen sollte, aber sie lachte nur und fühlte sich irgendwie geschmeichelt. Wie ich schon erwähnte, von dem was wir unter Allgemeinbildung verstehen hat sie nicht die geringste Ahnung. In einem Anflug unerträglicher Aufgeblasenheit hab ich ihr einmal verklickert, dass einen Stock über mir, die Ingeborg Bachmann mit ihrem Lebensgefährten dem Heinrich Himmler eingezogen ist, die ihren Hund Antigone nennen. Sie fragte nur ob die beiden sich lieben. Sie war noch nie am Meer und in einem teuren Restaurant hat sie auch noch nie gegessen. Sie lebt mit einer uralten Katze, die blind ist und nichts mehr hört und deswegen die ganze Zeit flennt. Die Katze einfach einschläfern bringt sie nicht über Herz. Im Winter klettert sie andauernd auf abgesperrten Baustellen herum und verpflegt streunende Katzen. Sie raucht zu viel und bewegt sich zu wenig. Vor ein paar Jahren, eher eine halbe Ewigkeit, hatte sie sich Kopf über in mich verliebt. Nur wie so oft im Leben war ich eindeutig der Falsche für eine richtig große Liebe. Mir ging es nicht besonders. Zusehens verlor ich den Anschluss an die Wirklichkeit. Ich weiß ja nicht was noch so kommt, aber das waren die schlimmsten Jahre meines Lebens. Mein wertes Ich, eine Hydra mir fünf Köpfen fraß mich bei lebendigen Leibe auf, bis nicht mehr viel von mir übrig blieb, außer ein lächerlicher Klumpen Angst, mit funktionsschwachen Händen und Beinen und einem kaputten Kopf, versteckt unter einer Bettdecke mit Blumenmuster, ins Leere lebend und hilflos um sein Leben strampelnd. Für ihren Männergeschmack kann ich an sich nichts. Wenn sie mich besuchte trank sie vor Aufregung zumeist ein paar Schnäpse. Doch ich Arschloch blaffte sie nur blöd an, meine Bude sei doch keine Schnapsfabrik. Das sie einfach nur aufgeregt und fürchterlich unsicher war ging mir völlig am Arsch vorbei. Ficken wollte ich sie auch nicht. Als sie einmal auf meiner Bettkante hockend einen Liter Wein verdrückte, fing sie an mich beschimpfen. Allein schon das Bett, in dem ich auf bessere Zeiten wartete, war eine einzige Zumutung. Das war Müll. Keine Ratte würde sich da freiwillig hinein legen. Es wurde ziemlich tief und hässlich. Und ich war nicht Manns und Mensch genug dass einfach wegzustecken. Wir fingen an miteinander herum zu machen. In der Regel küsste ich sie nicht. Sie schrie mich an, das ich die scheiß Nutten schon küssen würde und was ich mir eigentlich einbildete wer ich sei. Na Gottes Wurmfortsatz. Der Herrscher über alle geblümten Bettbezüge, der in Auflehnung zu eckigen Mustern lebt. Damit konnte sie nichts anfangen. Um mich zum Küssen zu bewegen schleppte sie immer ein paar Bier herbei. Nach drei vier Hopfen und Malz Getränke benahm ich mich ganz anständig. Angesoffen war ich ihr immer am liebsten. Wir ließen es so richtig krachen. „Komm spritz mich voll, komm spritz mich voll, spritz überall hin“. Ich stand über ihr wie ein Regenmacher und tat wie angeraten. Als ich einmal über sie hinwegspritzte nahm sie das erfreut lächelnd zur Kenntnis. Wenn sie anständig gefickt wurde fühlte sie sich als Frau bestätigt. Andauernd wollte sie meine Wohnung putzen und dieses und jenes für mich tun. Ich schrie sie an das sie das gefälligst sein lassen sollte. Trotzdem machte sie mir meine Wäsche. Mein Geld nahm sie nur widerwillig an. Meine schizoaffektive Psychose wurde nicht besser. Im Gegenteil. Aber das kümmerte sie nicht. Ich lag da wie eine Leiche mit Bart, blöden Sprüchen und wahnhaft. Trotzdem wanderte ihr Kopf regelmäßig und unaufgefordert zwischen meine Beine. Damals hatte ich noch jede Mengen Katzen. Wegen der Katzenhaare auf meinem Schwanz musste sie sich einmal beinahe übergeben. Trotzdem machte sie einfach weiter. Das war irgendwie der breaking point. Selten habe ich mich so geschämt. Ich bat sie aufzuhören. Seit dem habe ich nie wieder mir ihr geschlafen. Dennoch schaute sie weiter nach mir. Ohne dass mir es wirklich bewusst wurde brachte sie mich durch meine schlimmste Zeit. Sie war damals der einzige Mensch in meinem Leben.
Eines Tages bekam ich neue Tabletten und eine Therapeutin. Danach ging es wieder aufwärts mit mir. Doch an meinem Aufwärts lies ich sie nicht wirklich teilhaben. Ich träumte von anderen Frauen und lies sie einfach sitzen wie einen ausrangierten Waggon am Abstellgleis. Vor ein paar Jahren ist sie weggezogen. Die Toilette am Gang und ich waren der Grund dafür. Jetzt wohnt sie in der Großfeldsiedlung, in einem riesigen Betonsilo, auf 34 m2, im achten Stock. Wenigstens die Toilette steht jetzt nicht mehr am Gang, worüber sie endlos glücklich ist. Immer wiedermal rief sie mich an und wenn sie in der Gegend war kam sie auf drei vier Zigaretten vorbei. Ich erzählte ihr von meiner neuen Freundin. Nicht absichtlich um sie zu verletzen, sondern weil sie fragrte. Mit meinem Taktgefühl steht es nicht zum Besten. „Ich weiß“, sagte sie einmal zu mir „du brauchst jemanden der mit dir über diese komischen Dinge redet“. Sie hatte dann etwas mit einem Typen der ihr andauernd anzügliche SMs schickte. Ohne Sau und Ficken machte es der Gentleman nicht. Auf den Poeten folgte dann ein älterer Herr der sie anpissen wollte. Rauchend und beinahe schuldbewusst gestand sie mir dass sie dafür irgendwie nicht geschaffen sei. Danach traf sie auf einen Kerl den sie für die große, wirklich ganz große Liebe hielt. Der Typ war noch um einiges egoistischer, selbstsüchtiger, und erbärmlicher wie ich. Wir haben doch nur eine sexuelle Beziehung hat er ihr immer wieder eingetrichtert. Bitte nicht der, beschwor ich sie am Telefon, lass diesen Trottel doch links liegen. Doch sie putzte, kochte und kümmerte sich aufopfernd um seinen Schwanz und sein übriges Wohlempfinden, während in ihrem Körper eine hässliche Zyste wucherte. 2 ½ Jahre lang hatte sie permanent nur Schmerzen. Und während sie so still vor sich hin litt suchte sich dieser Typ eine andere. Natürlich ohne Zyste. Aus einer Telefonzelle rief sie mich an das sie endlich einen Operationstermin hätte. Ich fragte sie ob ich sie besuchen kommen sollte. „Ach du“ sagte sie, „nein du brauchst mich nicht besuchen“. Und mir fehlte es an der nötigen Courage trotzdem zu kommen und da zu sein. Ich bat ich sie mich nach der Operation sofort anzurufen. Es gab keine Komplikationen. Gestern kam sie mal wieder auf drei vier Zigaretten vorbei. Als ich die Wohnungstür öffnete umarmte sie mich mit all ihrer Herzlichkeit. „Jetzt kann man endlich wieder draufhauen“, erklärte sie mir erleichtert. Draufhauen bedeutet in ihrer Sprache, dass sie jetzt beim Sex keine Schmerzen mehr hat. Es ist noch immer fürchterlich schwierig mit ihr ein halbwegs sinnvolles Gespräch zu führen. Zumeist plappert sie einfach nur so dahin wie ein kleines Kind oder wechselt ohne es zu bemerken das Thema. Das macht sie andauernd. Fragen überhört sie größtenteils. Doch jetzt stört es mich nicht mehr dermaßen, was aber jetzt nicht bedeutet, dass ich mir ihr Geplapper jeden Tag von der Früh bis am Abend anhören könnte. Alltag frisst aufrichtige Sympathie erschreckend schnell. Ist wie ein Abwehrkampf den man nicht gewinnen kann. Auf Nachfrage erzählte ich ihr von meiner damaligen Freundin. „Schlucken“ unterbrach sie mich entsetzt, „ich hab doch auch geschluckt oder nicht“. Wenn sie irgendetwas nicht mag, dann sind das Geschichten über andere Frauen, die bei ihr den Anschein erwecken, dass diese Frauen im Bett recht ungehemmt und spontan sind, was immer das auch bedeuten mag. Ich hätte lügen sollen. Ich wechselte das Thema. “Meine Titten beginnen zu hängen“. "Ach das stimmt ja gar nicht. Du hast doch eine Topfigur“. „Ich bin jetzt 43vierzig. Eine alte Schachtel“.„Du bist keine alte Schachtel. Du hast eine Figur wie eine Achtzehnjährige“. „Meine Bitschetten (Vagina) vertrocknet schön langsam und meine Haare gehen mir auch aus“. Geh das ist doch alles gar nicht war, das bildest du dir nur ein“. Natürlich hatte sie recht. Und ihre Zähne waren der blanke Horror. „Bald habe ich keine Titten mehr sonder nur noch zwei schlecht aufgepumpte Fahrradschläuche und eine Glatzen“. "Das ist doch ein ausgewachsener Schwachsinn. Du bist in Hochform“. Ganz ließ sie sich von meiner Begeisterung nicht anstecken, obschon ich mich redlich ins Zeug legte. „Er wollt immer nur schlecken. Wegen seiner Rückenmarkverletzung und den vielen Tabletten wollt er immer nur schlecken. Ganz versessen war er drauf. Und mir hat er die Schuld gegeben das er nicht kommen konnte. Was kann ich dafür dass er nicht kommen kann. Das ist doch nicht mein Kaffee. Wie wäre es mir einem Kaffee, gibt es so etwas bei dir?“. Ich entschuldigte mich dass ich mal wieder ein miserabler Gastgeber war. Nach dem ersten Schluck vom Kaffee und einem tiefen Zug aus der Zigarette zeigte sie mir ihre Schafswolle. Sie knüpft jetzt Teppiche. Endlich hat sie so etwas ähnliches wie ein Hobby entdeckt dachte ich mir. „Er wollte immer Kinder. Jetzt ist er mit einer zusammen die eine neunjährige Tochter hat. Ich kann doch nicht schwanger werden mit 43zig nur weil der eine Familie will“. Auf gar keinem Fall mach das bitte ja nicht“. „Letzte Woche hat er wieder mal bei mir geläutet. Um halb fünf in der Früh ist er vor meiner Tür gestanden. Natürlich total angesoffen“. „Warum hast du ihn nur hineingelassen“. „Er hat eh nichts versucht. 40 Euro hat die Tierärztin nur fürs Kommen verlangt“. „Warum bist du nicht mit der Katze zum Tierarzt gefahren“. „Die Mimi wollte nicht. Die war ganz außer sich. Mit dem Kopf hat sie andauernd gegen den Käfig geschlagen, da hab ich gleich wieder umgedreht“. „Nur weil ich keine Kinder wollte. Die Playstation Spiele sind viel zu teuer“. „Ja ich weiß“, antwortete ich, ohne genau zu wissen auf was ich jetzt mit ja antwortete. „Und wenn er dann doch ab und zu gekommen ist hat er am ganzen Körper gezittert. Oder ich habe es ihm mit der Hand gemacht.
Der ganze Arm hat mir schon weg getan, weil das Ewig und drei Tag gedauert hat. Pack ihn nicht so an. Immer hat er mir die Schuld gegeben wenn sein Schwanz zusammen gefallen ist. Das ist doch nicht meine Schuld. Nur bei dir komme ich nicht hat er immer gesagt, weil ich meine Bitschetten nicht richtig zusammenzwicken kann“. „Was meinst du damit“ fragte ich ungläubig. „Na zusammenzwicken. Damit es enger wird für ihn. Ich kann das einfach nicht. Alle Frauen können das nur du nicht. Deswegen könne er auch nicht abspritzen hat er immer gesagt“. „Das ist doch alles glatter Schwachsinn. Der will doch nur dir die Schuld umhängen wegen seiner Hängematte“. Sie lächelte. „Ich rauche noch eine dann geh ich“. Ich nickte. Da ich nichts zu sagen wusste zündete ich mir auch eine an, obwohl ich das Rauchen längst aufgegeben hatte. Als sie dann ging half ich ihr in die Jacke. Ich umarmte sie und gab ihr einen Kuss. Sie roch nicht mehr nach Aufregung. Als ich die Tür hinter ihr schloss war ich froh dass sie wieder auf dem Weg zurück in ihre Welt war. Ich hoffe sie kann mir meinen Hochmut irgendwann verzeihen.
Anhang. Leider ist unsere Verbindung nach beinahe12 Jahren abgebrochen. Was eher an mir lag.
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Dienstag, 23. Juni 2015
Ein hochnotpeinlicher Einkauf
der imperialist, 20:50h
Wie sie vielleicht schon bemerkt oder vermutet haben, bin ich ja noch ein Nachkomme oder Abkömmling vom Stamm der old-school Männchen. Ursprünglich stamme ich ja aus einem schwer zugängigen Tal südlich der Drau, das an den steilen Hängen der Karawanken klebt wie Helikopter-Mütter an ihrer Vorstellung vom glücklichen Kind. Für einen old-school Mann meines Schlages wird der Kauf eines Kulturbeutels zu einer richtigen Challenge. Ich sage zum Kulturbeutel ja Toilettentascherl. Bei der Bezeichnung Kulturbeutel erlebe ich eine gewisse Entfremdung. Ich bin nicht Kulturbeutel kompatibel. Noch nicht. Toilettentascherl geht gerade noch so. Dabei Toilettentascherl trifft die Sache ja nicht so recht. Weil ins Toilettentascherl müsste ja vor allem Klopapier rein und Zeitschriften und weniger die Zahnpaste. Außer sie wollen das ihr Arschloch so riecht wie ihr Sexualpartner aus dem Maul als die Liebe noch frisch war. Ich habe ja vor Wien für ein paar Tage Richtung Süden zu verlassen. Vielleicht wird mir das gut tun oder auch ein fürchterlicher Reinfall. Egal. Zahnpaste, Zahnseide, Rasierzeug usw. und vor allem die Tabletten müssen ja irgendwo hinein. An sich bin ich ja ein Fan vom guten alten Plastiksackerl. Ich weiß das ist nicht sehr fortschrittlich und umweltbewusst. In meiner unterkärntner Heimat trugen Plastiksackerl den Titel „Jugokoffer“. Ich bin ein typischer Jugokoffer-Mensch. Da schmeißt man einfach alles hinein und dann ist alles gut. Im Plastiksackerl gibt es ja keine Ordnung. Da herrscht Anarchie. Alles liegt durcheinander. Sogar zum Sport bin ich mit dem Jugo-Koffer gepilgert. Verblödet wie ich bin halte ich stinknormale Sporttaschen für ziemlich elitär. Fahr ich auf die Insel packe ich auch immer alles ins Plastiksackerl. Trotz meiner tiefsitzenden Vorbehalte dem Kulturbeutel gegenüber, wollte ich von der Überzeigung nicht lassen, dass so ein Toilettentascherl für die Reise doch recht praktisch wäre. Gesagt getan. Im Drogeriemarkt fragte ich die Frau Drogistin, sagt man das so, wo denn die Toilettentascherl herum stehen, weil ich vorhabe eines käuflich zu erwerben. Ich hatte das Gefühl so ganz genau wusste sie nicht was ich meinte, weil man zum Toilettentascherl ja in der Regel Kulturbeutel sagt. Ich der geborene Kultur-Beidl krieg das irgendwie nicht hin. Vielleicht will ich es auch nur nicht hinbekommen. „Kommen sie“, sagte die Dame nach kurzem Zögern. Ich folgte mit einem gewissen Respektabstand. Auf kürzestem Wege führte sie mich zur Quelle. Vor mir offenbarte sich ein kleines Meer voller Toilettentascherln, in Form und Farbe eines femininer oder fernseh-tauglich schwuler als des andere. Was mache ich jetzt nur dachte ich mir leicht panisch. Es gab rosa, mit Strass verziert, leoparden-gefleckt, rosa und mit Strass verziert, leoparden-gefleckt mit rosa Spritzer, hellblaue mit weißen Sternen, noch einmal Rosa mit Braun, geblümte Toilettentascherl usw. Wenn ich nicht gerade innerlich kollabiere halten mich Menschen für eine ziemlich lustige Person. „Frau Frauen S. was machen wir den jetzt“, fragte ich an. "Sie können doch nicht von mir verlangen dass ich in so ein Tascherl mein Rasierzeug schmeiße. Können sie das irgendwie nachvollziehen. Wenn ich in eine mit Strass verzierte Tasche mein Rasierzeug schmeiß, verzieht es ja die Klingen von meinem Nassrasierer oder die Zahnseide erhängt sich an der Zahnbürste“. Ich habe ja die Angewohnheit ziemlich geräuschlastig zu sprechen. Deswegen und weil kaum Kunden im Geschäft waren, gesellten sich auch noch die Filialleiterin, die mich ja seit vielen Jahren schon kennt und noch eine Angestellte dazu, der ich auch nicht ganz bekannt bin. „Meine Damen ich bitte euch das könnt ihr mir nicht antun“. An guten Tagen funktioniere ich ja wie ein Stimmungsaufheller. Die Damen kamen nicht umhin in ein leises Kichern zu verfallen. Ich spielte natürlich artig mit. Die Damen von meiner Ohnmacht angespornt, zogen nach einem völlig unmöglichen Tascherl ein noch Unmöglicheres aus der Schublade. Trotzdem war ich weiterhin fest entschlossen mein Vorhaben in die Tat umzusetzen und mich von etweiligen Rückschlägen nicht beeindrucken zu lassen. Ich versuchte es mit sanftem old-school Druck. „Nix da den Schmarrn lasse ich mir von euch sicherlich nicht andrehen. Ich will was old-school männlich-verblödetes und nix metrosexuell und gendergerechtes. Wenn ich nicht sofort ein völlig belangloses old-school Toilettentascherl kriege, mit einem Auto drauf, oder einer Handgranate, oder meinetwegen mit einer Frau, die ihre Hüften zeigt, oder ein Bein auf einem Staubsauger stehen hat, dann bleibe ich einfach meinem Plastiksackerl treu ergeben. Mit einem Plastiksackerl bin ich immer auf der sicheren Seite“. Kein Geschäft wollten die Damen, bei aller Hetz, auch nicht machen. Also kramten sie im Lager in irgendeinen Schachteln. Und wirklich. Die Frau Filialleiterin kam mit einem schön spießigen old-school Toilettentascherl daher, in einem völlig unspektakulären Blau gehalten, auf dem auch noch groß in weißen Buchstaben „Sport“ stand.
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