Samstag, 19. Mai 2012
Etwas über Krüppel, Stars, meinen Landsmann Eichmann, ein neues Wundermittel zum Einschlafen und den Dalia Lama in zwei Teilen
Teil 1

Krüppel

Seit ewigen Zeiten fühlt sich der einigermaßen intakte Durchschnittsmensch, von Krüppel, Geistesgestörten, Behinderten, Außenseiter und anderswertig Entstellten, die abseits der Norm Leben oder Leben müssen und dort nicht selten ein recht dürftiges Dasein fristen, auf beinahe zu mystische Weise, angezogen wie abgestoßen. Schon im 16 Jahrhundert lebte Tognina Gonsalvus, die von ihrem Vater das Ambras-Syndrom, (Wolfsmensch) geerbt hatte, als Attraktion am Hof Heinrich II von Frankreich. Ansonsten landeten diese außergewöhnlichen Menschen früher nicht selten auf Jahrmärkten und Rummelplätzen, wo sie dann zur Belustigung einer gaffenden und betrunkenen Menge herhalten mussten. Wirklich viel scheint sich seit diesen vorhumanen Zeiten nicht geändert zu haben. Die Jahrmärkte wechselten einfach nur die Lokation und übersiedelten in vollklimatisierte Fernsehstudios. Die Talkshow entwickelte sich zum idealen Format. Sendung um Sendung, ja ganze Nachmittage und Abende wurde mit Krüppel , Entstellten, Außenseiter und anderweitig Behinderten aufgefüllt, um so etwas Aufregung und Abwechslung in das Leben des Durchschnittsmenschen zu bringen, das ja wie jeder weiß, einen latenten Hang zu Monotonie hat. Die guten alten Schaustellern fanden natürlich auch ihren Platz und mutierten im Wandel der Zeit, einfach zu Verlagshäuser und Filmproduzenten. Das Kino z.B. hat sich der Thematik Krüppel, Entstellte, Außenseiter und anderweitig Behinderte mit ganz seltener Hingabe verschrieben. Ein kurzer Werksausschnitt: der Glöckner von Notre-Dame, Rain Man, mein linker Fuß, Sam, Gottes vergessene Kinder, der Elefantenmann, die Maske, Taucherglocke mit Schmetterling, a beautiful Mind, König der Fischer, Jenseits der Stille, Mr. Jones, geboren am 4.Juli (nach den ersten 45 Minuten), Me Too, am achten Tag, Zeit des Erwachens, das Meer in mir. Mehr Filmtitel fallen mir so auf die Schnelle nicht ein. Fast jeder dieser Filme war ein Publikumserfolg oder wurde wenigstens von der Kritik hoch gelobt. Einfühlsame Annäherung an das Thema, ein Film der unter die Haut geht, grandiose schauspielerische Leistung usw. befanden die Kritiker. Dem Charme, der so ein Film oder ein Buch über Kaputte versprüht scheint so gut wie jeder halbwegs empfindsame und sensible Mensch zu erliegen. Nicht selten verlässt man in ganz rührseliger Stimmung das Kino. Von seinen eigenen Gefühlen übermannt, möchte man für einen Augenblick alle Kaputten und nicht ganz so Funktionssüchtigen dieser Welt in seine offenen Arme schließen. Dass der eigene Freundeskreis zu meist leider viel zu wenige Kaputte einschließt, mein Gott dafür kann man ja nichts. Und sich mit aller Gewalt einen Kaputten aus Freund suchen um auf der sicheren Seite zu sein ist auch nicht gerade die feine Art. Aber das macht nichts. Denn bei Bambi heulen ja auch alle und deswegen muss man sich ja auch nicht sofort ein Reh als Haustier halten. Ich habe sogar bei der Schnulze Marley & Ich ein paar Tränen verdrückt und einen Irren als Freund brauch ich mir auch nichts zu halten, da ich ja selbst zu diesen erlauchten Kreis zähle. Ich bin mir sozusagen selbst genug. In einer auf reibungslosen Ablauf und Funktion getrimmten Welt, kommt es trotzdem ganz gut wenn man die Fraktion der Krüppel nicht ganz aus dem Blick verliert. Könnte man den ganzen Ballast, den einen der Alltag aufbürdet, einfach so abschütteln, ja dann käme der eigentliche Mensch zum Vorschein und der quillt, wie das Kino beweist, ja nur so über vor Anteilnahme und Mitgefühl. So erklärt sich auch oder auch nicht, warum auf der aktuellen Spiegelbestseller Liste, in der Kategorie "Sachbücher", auf den ersten beiden Plätzen Bücher über Krüppel und Außenseiter stehen. Der erste Platz in der Bestsellerliste von und mit Samuel Koch, lässt sich vielleicht auch dadurch erklären, das er sich sein Genick "live" im Fernsehen zur besten Sendezeit brach. Hätte er sich sein Kreuz einfach nur zu Hause unter der Dusche oder beim Reparieren der löchrigen Dachrinne gebrochen, wäre seine Leserschaft überschaubar, weswegen er höchstwahrscheinlich im Eigenverlag veröffentlichen müsste. Der herausgebende Verlag wird die Sache wahrscheinlich sehr ähnlich beurteilt haben. Fazit: Die klammheimliche Freude von Hinz und Kunz über die eigene Unversehrtheit scheint ungebrochen.


Stars, Sternchen und andere Göttlichkeiten

Seit Ewigkeiten macht sich der Mensch auf die Suche nach irgendjemanden oder etwas das sich anhimmeln lässt. Die Frage warum das so ist kann ich nicht einmal zu meiner eigenen Zufriedenheit beantworten. Meine Erklärungsmodelle regen mich andauernd zum Widerspruch an. Die Angebote, die in dieser Frage, die alles erklärenden Erkenntnis sozusagen frei Haus liefern, sind vielfältig und reichhaltig, wieder ein Versandhauskatalog vom Neckermann. Angst, Furcht, Sehnsucht, Verzweiflung, Hoffnung, Phantasie, Indoktrination durch was und wen auch immer, Langeweile, Tristesse, zur Sprache gebrachtes Staunen, Neugierde, Dummheit, von allem ein bisschen und von vielen zu viel und weitere Eigenschaften, in Kombination mit den eben genannten, kommen dafür natürlich auch in Frage. Vielleicht lässt sich der menschliche Drang, sich nach etwas umzusehen, das zum Träumen, Glauben und Hoffen einlädt, einfach zum Menschensein dazu gehört, wie das Niesen, Blinzeln und Onanieren vor dem PC, wenn sie ein Mann des 21. Jahrhundert sind. Seit der rasch voranschreitenden Verwissenschaftlichung der Welt, die zur Erfindung verschiedenster multimedialer Massenmedien führte, sind es vor allen die Stars jeder Couleurs, die in der verwestlichen Welt zusehends in die Rolle der Götter, Halbgötter, Helden, heldenhafte Halbgötter usw. schlüpften. Natürlich gibt es noch Gebiete, wie den Jemen, Waziristan, teile Indiens, den Vatikan, Neukölln oder die Wohung mit der Nummer 12, in dem Haus indem ich lebe, wo man sich noch ganz den traditionellen Götter und Helden zuwendet, aber an sich dreht sich unser Planet um eine Sonne die sich Popkultur nennt. Ohne ihre Voll, Halb, Viertel, Teilzeitstars und drei Minuten-Sternchen, die gleich nach dem Aufblitzen wieder verglühen, würde unser Planet ja sofort implodieren und wir müssten und wieder mit Exorzisten, Hexenverbrennungen, dem Ablasshandel usw. vorlieb nehmen. Ein Glück das es da den Teenager gibt. Der ist ja bekanntlich eine Erfindung der Popkultur und von seinem Wesen her ganz verrückt nach Stars und Idolen. Treffen die hormonellen Eruptionen der Teenager an Spiegelneuronen gekoppelt mit entsprechender Intensität auf ein entsprechendes Angebot, entstehen ganz seltsame Figuren, die auch als "role model" bezeichnet werden. Diese zum Leben erweckten Zombies, scheinen in unserer beschleunigten Zeit, vor allem zwei Dinge zu beherrschen. Erstens: schlecht bis mittelprächtig zu singen und zweitens, auf hohen Absätzen solange recht ungelenk dahin zu stöckeln, bis eine ziemlich schöne Frau fuchsteufelswild wird, woraufhin die Tränen kullern. Eltern und die unzähligen anderen, mitunter zur Langeweile neigenden Erwachsenen, scheinen für Teenager, als "role model" , zu diesem Zeitpunkt ihrer Entwicklung nicht wirklich in Frage zu kommen. Ich hatte natürlich auch mein "role model". In meinem Fall war das der "Paule Dörflinger", seinerseits Fußballer, in dem Verein in dem ich als Jugendlicher kickte . Der konnte auch ziemlich angetrunken ganz tolle Pässe schlagen und gefährliche Freistöße schießen. Der hatte sein Talent zum Okkasionspreis verschleudert. Das imponierte mir. Damit die Mehrheit der Teenager nicht meinen Weg einschlägt und beim Paule Dörflinger an der Haustür läutet, (immerhin geht dieser Mann schön langsam auf die auf die Siebzig), woraufhin die große Schar der an sich zum Anhimmeln Aussondierten, von 1300 Euro brutto leben müssten, was ihnen ziemlich schwer fallen würde, braucht es ein ganzes Gewerbe um immer wieder neue "role models in einem ähnlichen Tempo zu produzieren wie der Saruman die Orks. Nur eines muss schon gesagt werden. Trotz jeder Menge "role models", die dem Teenager zur gelungenen Nachahmung zur Verfügung stehen, scheinen die Eltern und deren Nachbarn, auf die Heranwachsenden, eine beinahe genauso unheimliche Anziehungskraft auszuüben, wie der Ring des Herrn auf den Gollum. Denn mit spätestens 35 nach dem großen Aufreißen sind sie in ihren Grundrissen ihren Erzeugern nicht unähnlich. Wo war ich jetzt stehen geblieben. Ach ja damit das Geschäft mit den Stars nicht zum erliegen kommt, das an sich ja nur um sich selber kreist, braucht es einen vom Service, der die Regenbogenpresse mit entsprechenden Material versorgt und das ist der Paparazzi. Der ist für das Geschäft mit den Stars von außergewöhnlicher Bedeutung, Der Paparazzi ist sozusagen der Briefträger, der den Skandals von A nach B transportiert, damit die Sehnsüchte der Teenager und der für immer Junggebliebenen was zu tun haben. Der Skandal und seine Stiefschwester, das Gerücht, sind ja die eigentlichen Motoren des Stargewerbes. Ohne Skandal, vermeintlichen Skandal, inszenierten Skandal, und Gerücht, unbestätigten Gerücht , vermeintlichen Gerücht, das sich wie ein Lauffeuer ausbreitet und in der Gerüchteküche zu einem vermeintlichen Skandal aufgekocht wird, und sich mitunter als dünne Suppe herausstellt, wäre das Stargewerben, eine ziemlich müde Angelegenheit. Wer da, wie, wann und wo in eindeutig zweideutiger Posse, gefilmt, abgelichtet, oder sonst wie erwischt wurde und wer, was, wie weshalb und warum dahintersteckt, ist völlig unerheblich. Wichtig ist dass das Starlet kein Höschen trägt, dass die Spaghettiträger des Kleidchen der angehenden Diva im richtigen Moment verrutschen und dass das männliche Sexsymbol mit dem gestählten Sixback, genau dann vom Paparazzi abgelichtet wird, wenn der, Adonis gleich aus den Fluten spurtet. Wenn die Stars, beim Erkannt werden, auch noch den Eindruck vermitteln, das sie sich völlig unbeobachtet fühlen, hat der Paparazzi seinen Auftrag zur vollständigen Zufriedenheit aller erfüllt. Das Repertoire des Skandals beinhaltet Geschichten über Drogen, Alkoholexzesse mit entsprechenden Entziehungskuren, genauso so wie Storys über angebliche Schönheitsoperationen, Fehltritte jeweiliger Art, Rosenkriege, Schlammschlachten, ungewollte Schwangerschaften, Abtreibungen, Geburten und was weiß ich nicht noch so alles. Hier ein kleiner Ausschnitt: Frank Sinatra war mit der Mafia eng verbandelt , die Knef nackt im Film "die Sünderin", Marylin Monroe machte es mit den Kennedys, die Witwe Kennedy mit dem Onassis und der lies für die Witwe die Callas sitzen. Woody Allen heiratete seine Adoptivtochter, Roman Polanski machte es mit einer Minderjährigen, die Taylor und der Burton waren auch immer für eine Schlagzeile gut. Der so gut wie unschuldige O.J. Simpson, das Polizeifoto Hugh Grants. Arnold Schwarzenegger, der seine Hausangestellte schwängerte, Bum Bum Boris sprach einst vom Samenraub, Tiger Woods setzte die dicke Bertha (das ist der Driver) auch zum Einlochen ein. Marlon Brando, einst Ex-Symbol fraß sich einfach auf 150 Kilo hinauf und sagte allen sie können ihn mal am Arsch lecken, Alfons Haider welch Überraschung als schwul geoutet, Mel Gibson zeitweise außer Rand und Band, Nick Nolte sein halbes Leben besoffen. Micky Rourke auch kein Schlechter, Kate Moss beim Koksen und dann erst die ganzen Eskapaden des musizierenden Gewerbes. Die Beatles, Elvis, die frühen Stones, the Doors, die Sex Pistols, das Rat Back, Madonna, Edith Piaf, Black Sabbath und Ozzy, Joe Cocker, Britney Spears, Motörhead, Rex Gildo der war in Wirklichkeit stock schwul, tat aber 30 Jahre so als ob er auf Frauen stehen würde, eine übermenschliche Leistung. Courtney Love, Micheal Jackson, Peter Doherty, die Liste ist schier unendlich. Weil ich keine Lust verspüre weiter zu schreiben, da mir mein eigenes Gequassel schon fürchterlich auf die Nerven geht und ich im Erstellen von einigermaßen nachvollziehbaren Texten, nicht besonders viel Übung habe, möchte ich vielleicht noch anmerken, das Stars und Idole die verdammte Pflicht haben, als "role model" ziemlich unerreichbar zu sein. Denn um so zu werden wie die eigenen Elternoder deren Bekannte, brauche ich keine Stars, die man andauernd nur beim Shoppen, Diät halten, in der Sporthalle hocken, beim Spielen mit ihren Kinder und schwanger sieht. Das kriegen wir selber auch hin. Stars und Idole sollen gefälligst über die Strenge zu schlagen und das nachhaltig. Ja wo kommen wir denn da hin, wenn schon der ruchloseste Gangster-Rapper mit den Goldzähnen, immer schön brav zu den Elternabenden seiner Kinder geht, oder regelmäßig beim vorgeburtlichen Turnen seiner Lebensabschnittspartnerin mitmacht. Ob die Stars jetzt aus freien Stücken die Sau raus lassen oder von ihren sogenannten Imageberater dazu animiert werden ist völlig unerheblich. Hauptsache sie lassen es anständig krachen. Nur bis auf die Lindsey Lohan und den Charlie Sheen, zwei löbliche Ausnahmen, scheinen die heutigen Stars in der Angelegenheit unvorteilhafte "role modele" völlig zu versagen. Die Lady Gaga ist ja ungefähr so interessant wie die Beschreibung eines Weckers. Anstatt vorbildlich durchzudrehen und keinen Gott neben, unter und über sich zu dulden, machen die andauernd einen auf gesund, umweltbewusst, treten obskuren Glaubensgemeinschaft bei, haben einen Narren an sexuelle Minderheiten gefallen und machen den großen Reibach mit Facebookaktien. Der Keith Richard z.B. könnte doch einen Workshop für angehende Stars abhalten, damit die einigermaßen Bescheid wissen wo es langgeht. Fazit: So viel Geldgeilheit, Biedermeiertum und selbst auferlegte Zurückhaltung der Stars und Sternchen halte ich für ziemlich skandalös und völlig unverantwortlich.

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Samstag, 12. Mai 2012
Workin Class Beauties
Fall 1:
250 Euro wollte ich mittels Einzahlungsschein auf mein Konto überweisen. Vorbildlich ausgefüllt überreichte ich der äußerst liebreizend anmutenden Postangestellten, den Einzahlungsschein. Damit sie es leichter hatte gab ich ihr 302 Euro und 50 Cent. Oh mein Gott dachte ich mir ist die süß, zum anbeißen und reinbeißen süß. Für diese Frau würde ich ohne zu zögern, lügen, bewusst die Unwahrheit sagen, stehlen, Dinge ohne Rechnung kaufen und wenn sie drauf besteht würde ich für sie sogar einer geregelten Arbeit nachgehen, wenn die nicht zu schnell vor mir davonb läuft. Und wie es das Schicksal so wollte gab mir dieser unschuldige Engel doch glatt 50 Euro zu viel zurück. Mit den Worten „die ganze Welt könnte ich ohne weiteres betrügen mein schönes Fräulein aber niemals sie“ gab ich ihr die 50 Euro, aufgeplustert wie ein Pfau, postwendend wieder zurück. Nach dem sie kurz nachgerechnet hatte, schenkte sie mir ein verlegenes Lächeln, das war so, als wenn tausend Sternschnuppen, mit flinken Beinen wie Fred Astaire über einen in Mondlicht getauchten See tanzen.

Fall 2
Keine zehn Minuten danach stand ich im Supermarkt an der Kassa. Da rief eine Kassiererin, die fett war wie ein Mastschwein ganz aufgeregt . Noch einmal. Da rief eine Kassiererin, deren rundlich aufgeweichtes Gesicht, vortrefflich zu ihrem wohl befleischten Oberkörper passte, über die Beine kann ich leider keine genaue Auskunft geben, aber die Möglichkeit das die zum Rest passen sollte man nicht unterschätzen, ganz aufgeregt „Frau Strobl, Frau Strobl, Frau Strobl“. „Ja was ist den“ rief die Frau Strobl genervt zurück während sie meine Ware über den Scanner zog. Um ganz ehrlich zu sein. Viel besser als das die Miss Piggy sah die auch nicht aus. Nur der Frau Strobl sei das verziehen. Die Gute hat schon einige Kerben auf der Seele, die aufs Gesicht ausstrahlten. „Ich habe hier eine Packung Haarspangen“ rief die Miss Bork von der 8ter Kasse ganz hysterisch herüber „bei der funktioniert der Strichcode nicht und jetzt weiß ich nicht ob ich die unter „Food“ oder „non Food“ eingeben sollte“. Um Gotteswillen dachte ich, die ist ja nicht nur schiach (unhübsch), nein die ist zu allem Überfluss auch noch so intelligent wie ein kaputter Plastiksack. Auf dem stand im Übrigen. Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden. (Oscar Wilde).

Wien 2004

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Sonntag, 6. Mai 2012
Klappstuhlsingsang mit Armlehne
Eine geschlagene Woche Sonnenschein und nicht als Sonnenschein. Nichts trübte den blauen Himmel, von keiner noch so schlechten Nachrichten ließ ich mir den zumeist wolkenlosen Himmel zunageln. Die Sonne und beinahe 30 Grad im Schatten, wie Scheuklappen lotsten sie mich unbeschadet durch den Tag und die Aussicht frühzeitig an Hautalterung und in Folge dieser an Hautkrebs zu sterben, mein Gott drauf wird geschissen, wie auf einen Garten mit rotwangigen Zwergen, aus deren Hosentürchen, bestes Hochquellwasser heraus plätschert. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Wenn sie doch nur welchen gekannt hätten. Diese Rothäute, leben ein paar Jahrtausende mehr oder minder im Einklang mit ihrer Umwelt, glücklich und zufrieden so vor sich hin, vögelten, schliefen, aßen, kackten, kümmerten sie um den Nachwuchs und ihre Zehennägel und wenn es mal Zwietracht gab, der Regen ausblieb oder die Büffel streikten, fragten sie einfach bei ihren Medizinmänner nach und der legte eine Platte von Bruno Mars auf und schon begann der Himmel hemmungslos zu flennen und die Büffel begingen Reihenweise Selbstmord. Doch wie aus heiterem Himmel standen plötzlich ein paar Bleichgesicht aus good old Europa vor ihnen und mit gespaltener Zunge, entwarf das Weißbrot sofort ein neues Konzept, wie die Einheimischen ihren Alltag zu handhaben hätten. Schaut her, sagten die Verlierer und religiösen Eiferer vom anderen Kontinent, wir bringen euch jetzt die Zivilisation und Krankheiten von denen ihr noch nie gehört habt und wenn euch das nicht passt, könnt ihr ja verschwinden oder euch verflüchtigen, was sie mit redlicher Mithilfe der Weißbrote dann auch taten. Heute sind die Rothäute so gut wie ausgestorben und die paar von ihnen die es noch gibt, sind fett geworden vom Fastfood und träge vom Feuerwasser. Die Cleveren unter ihnen betreiben heute ein paar Casinos, in denen sich jetzt die übergewichtigen Kinder und Kindeskinder ihrer Schlächter, die Zeit mit kurzweiliger Unterhaltung vertreiben. Das alles widerfuhr den Indianern unter anderen weil sie eine andere Vorstellung von Besitz hatten und von Zäunen und Grundbucheintragungen nicht wirklich viel hielten. Was lernt man daraus. Im Ernstfall sind halbautomatische Waffen, Pfeil und Bogen vorzuziehen, denn Freiheit, Selbstbestimmung oder Autonomie gibt es nicht geschenkt. Irgendwer kommt immer und pfuscht dir ins Handwerk, weil er dein Gras für grüner erachtet. Früher oder später hat man für den Leichtsinn, zu sein wie man sein will zu blechen. Gott sein Dank sind die Menschen heute an Freiheit nicht mehr wirklich interessiert. Die ketten sich doch viel lieber an den technologischen Fortschritt. An den technologischen Fortschritt verkaufen die auch noch den letzten Rest ihrer Seele. Wären die die Dinosaurier, vor 35 Millionen Jahren nicht ein Opfer, ihrer von der Natur aufgedrängten Expansionspolitik geworden, dann.............. Von meinem Standort, keine 300 Meter flussaufwärts, trieb der Ex-Premier Libyens recht leblos in den Fluten der neuen Donau. Während der Schönwetterperiode war auch noch ein Pole abgesoffen und das ein Baby mit gebrochenen Beinen und Hämatomen am ganzen Körper, in ein salzburger Krankenhaus eingeliefert wurde, damit muss man sich arrangieren. Die Tage waren einfach zu schön um in Schockstarre zu verharren. Während ich in meinem Klappstuhl mit Armlehne vor mich hin sinnierte, ging ganz zufällig Bernard-Henri Lévy an mir vorüber. Ich sprach ihn natürlich sofort an und sagte freundlich, "Monsieur Levi meine Hochachtung. Jetzt wo sie Libyen befreit haben, für einen Philosophen eine ganz extraordinär Leistung, wie wäre es denn wenn sie sich auch noch um die Syrer kümmern würden. Wie sie ja wissen haben die mit ihrem Vorstandsvorsitzenden und dem Rest der schrecklich netten Familie auch so ihre kleinen Auffassungsunterschiede vom guten Leben. Uninteressiert winkte Monsieur Lévy ab und murmelte etwas von Wahlen und geopolitischen Zusammenhängen, die ich nicht verstehe und die schöne Blondine an seinen Arm, hauchte ihn was ins Ohr und da war er auch schon weg, doch ich rief ihn noch hinterher. "Monsieur Lévy stimmt es wirklich das der Gaddafi, Speedy Gonzales Sarkozy Geld gab damit der ihn aus den Schuhen bombte?" Eine Antwort blieb er mir wie jeder große Philosoph natürlich schuldig. Dafür kamen Herr und Frau Ente aus dem Wasser und schnatterten mich an um gefüttert zu werden. Den Fleck zubetonierter Erde, auf der mein Klappstuhlmit Armlehne steht, teilte wir uns schon seit dem letzen Frühjahr. Nachdem ich sie gefüttert hatte, gesellten sie sich zu mir. Die Sonne schien, wie sollte sie auch anders und wir ließen es uns gutgehen. Zum Müßiggang braucht man genauso so Talent wie zu einem 40 Meter Pass der genau am Schlapfen landet. Wenn ich etwas ganz gut kann dann ist es der Müßiggang, Ich bin der geborene Zen-Meister des Langsamkeit. In einer der Arbeitsmoral, Produktivität, Effektivität und letztlich dem Erfolg unterworfenen Welt, zählen solche Talente leider nicht wirklich. Außer man macht daraus ein Geschäft. Vom Hektiker zum Müßiggänger in zehn Schritten. Schritt 1. Erkranken sie unvorbereitet an Schizophrenie. Schritt 2. Trachten sie danach, den Kreis ihrer Freunde, Bekannten und Speichellecker so klein wie nur möglich zu halten. Wie jedes Jahr, machten einige der alteingesessenen Anwohner des genossenschaftlichen Häuserparks, der sich breitbeinig an die neue Donau drängt und einem die Sicht verstellt, bei meinem Anblick, demonstrativ einen weiten Bogen um ich mich, wenn sie ihr geliebten Vierbeiner ausführen. Nicht das wir je ein Wort gewechselt hätten oder uns sonst wie näher gekommen wären. Allein schon meine Anwesenheit und diese ganz offen zur Schau getragene Langsamkeit scheint sie abzustoßen. So ist das nun mal in einem Land in dem viel, sehr viel, des erarbeiteten Wohlstandes durch eine höhere Instanz umverteilt wird. Die Menschlichkeit wird an den Staat ausgelagert. Ja wo kommen wir denn hin, denken sich diese Leute, wenn ich diesen faulen Arsch, für den ich eh schon meinen halben Lohn abdrücke, auch noch die Hand schütteln müsste. Der Sozialstaat ist institutionalisierte Menschlichkeit. Wem das nicht passt oder der das nicht versteht, der soll nach Bangladesch ziehen. Wie es unter Bekannten üblich ist tauschten die Enten und ich den neuesten Tratsch aus. Die Enten quakten und ich steckte ihnen die Sache mit Ikea, das dieser ach so vorbildliche Konzern, seine ach so stillvollen Möbel, von DDR-Zwangsarbeitern zusammen schustern lies, die in das Handwerk des Möbelbauers, erst hinter schwedischen Gardinen herangeführt wurden. Halb Russland sollen sie auch abgeholzt haben. Nachhaltigkeit soll dabei nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. "Untergeordnet ach wie lustig", schnatterte Frau Ente. Herr Enterrich nickte auch ganz begeistert. Beim Hofer (Aldi) erzählte ich weiter soll es ja zuweilen wie in einem amerikanischen Bootcamp für schwererziehbare oder völlig verzogene Kinder zugehen. Dabei würde ich für den Liter Milch durchaus auch zehn Cent mehr bezahlen, wenn dafür die Namensschilder ein wenig schief hängen dürften und die Kassiererinnen (ausnahmslos alle) nicht ganz so aufs Tempo drücken. So schnell wie die das Zeug an einem vorbeischieben, kann einer wie ich niemals einpacken. Ein älterer Herr, wie aus der Zeit gefallen ging an uns vorüber. Oh das ist doch der fesche Karli Lueger dachte ich mir. Der Ring der seinen Namen trägt wurde gerade eben in Universitätsring unbenannt. "Fescher Karl" sprach ich ihn an. An der heutigen Misere der Palästinenser bist du ja nicht ganz unbeteiligt". "Nein nein, brach es aus dem feschen Karl heraus. Die Nummer lass ich mir nicht umhängen. Mein Antisemitismus war nie rassistisch sondern immer nur populistisch". Unweigerlich mussten wir lachen. "Na ist der komisch" quakte Frau Ente. "Ja sagte ich". Unsere gelebte Demokratie ließ sich auch Blicken. In abgetragenen Kleider, auf einem Auge blind und von einem Schwarm Stechmücken umschwirrt schleppte sie sich an uns vorbei. "Lady Δημοκρατία", fragte ich. Ich will sie ja nicht überanstrengen, aber wie ist das jetzt. Darf ich mir bei der EM nur die Spiele aus Polen ansehen und warum steht auf meiner Short Made in China. Müsste ein Mensch, der die Sache mit der Moral persönlich nimmt, nicht nackt gehen, weil Liu Xiaobo und seine Freune, noch immer im Häfen sitzen. "Nein, nein", antwortete Lady Demos, "dafür kann ich nichts. Daran sind Greise aus Schweden schuld". Wieder hatten wir unseren Spaß. Zwei Kampflesben wollten auch die Sonne genießen. Die Kleinere der beiden, von gedrungener Gestalt, mit militärisch korrekten Haarschnitt und einem Blick wie ein Navy Seals, der mithalf Osama Bin Dead, im indischen Ozean zu versenken, textete ihre Begleiterin mit einer Vehemenz zu, das ich nicht im Traum zu fragen traute, ob sie einen gemeinsamen Kinderwunsch hegten, jetzt wo doch alles viel einfacher werden dürfte. Immerhin stimmte die österreichische Bioethikkommission mit deutlicher Mehrheit dafür, das alleinstehende und lesbische Frauen zur Erfüllung ihres Kinderwunsches, eine künstliche Befruchtung, in Anspruch nehmen dürfen. Nur was ist fragte ich meine gefiederten Freunde, wenn eine lesbische Frau eine Affäre mit ihren besten schwulen Freund anfängt, aber schwanger wird, von einem One-Night-Stand mit einem katholischen Pfarrer, diese Frucht der Leidenschaft aber nicht behalten will, weil das Baby später ohne OP zu einem Jungen wird, und deswegen zur Adoption ausschreibt. Darf ihre zum Buddhismus konvertierte Lebensabschnittspartnerin dieses Kind dann trotzdem adoptieren, weil sie jetzt eh eine Fernbeziehung führen oder wird dann doch das eine heterosexuelle Paar zum Zug kommen, das sich auf Anraten einer Online Partneragentur gemeinsam sterilisieren ließ, weil erst dann hätten sie die nötigen 98 von 100 Matchingspoints, die Grundvoraussetzung für eine recht harmonische Partnerschaft sind. Während wir noch herumrätselten erhob ich mich aus meinem Klappstuhl mit Armlehne, um mir auf dem aufgeheizten Asphalt ein wenig die Beine zu vertreten. Ein loser Haufen Ameisen wuselte unter meinen Füßen herum. Ach dachte ich mir, mit Menschen die kein festes Schuhwerk an ihren Füßen tragen scheinen die ganz gut klar zu kommen.

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