Sonntag, 13. November 2011
Eine Hochzeitsnacht
Manchmal läutet sie an meiner tür
zu später stunde oder am morgen
wenn ich mich im bett an der fernbedienung festhalte
sechsundvierzig fast keine zähne im mund
die weiblichkeit von ihren mann kaputt geschlagen
vielleicht ist sie einmal schön gewesen
vielleicht nur heute kann man das nicht mehr so genau sagen
sie hinkt nimmt tabletten und trinkt
einmal da hab ich sie reingelassen sie hatte sich ausgesperrt
zwei verwirrte verirrte in einer welt ohne ausgang
ich hab keine seele und sie kein gesicht
heute sah ich ihren mann wie er voll getrunken
die treppe zu seinem himmelreich hinaufstolperte
die eine hand am geländer
die andere erhoben zum gruß
morgen lallte er morgen und schon das m
fand die richtige tonlage nicht
morgen ja morgen
werd ich euch nicht kennen
wie ich euch gestern schon nicht gekannt habe
wie ich sie auch übermorgen nicht erkennen werde
dieses hinkende monster
und ihr peiniger
die früher einmal sowas wie menschen gewesen sind
in guten wie in schlechten zeiten
die beiden scheinen sich hingebungsvoll
daran zu halten.

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Freitag, 11. November 2011
Eine Verjüngungskur
Mit spätestens 45 habe sich dich endgültig dran gekriegt
dann haben sie sich
totgeschlagen mir ihrer heiligen Normalität
um die Ecke gebracht mit dem Gift ihrer scheinbaren Offenheit
erhängt in einer Schlinge guter Ratschläge
erschlagen mit ihren Statussymbolen
aufgespießt auf ihrer überdrehten Ichbezogenheit
verbrannt im Feuer ihrer Gekränktheit
zu Tode gequält mit ihrer Individualität
in die Irre geführt mit ihrer sozial verträglichen Sprache
doch erst wenn du über den Rand ihrer Redlichkeit ins Nichts fällst
sprechen sie Klartext.
Mit spätestens 45 habe sich dich endgültig drangekriegt
dann bist du
verglüht unter der gleißenden Sonne ihrer Aufgeblasenheit
erstickt unter einem riesigen Haufen Scheiße aus Lügen und Heuchelei
eingebrochen auf dem dünnen Eis ihrer vorgespielten Anteilnahme
ganz gelassen schauen sie dir dann zu wie du in dir selbst ertrinkst
verstrahlt von ihrer radioaktiven Rechthaberei
riesige Landstricke im Grunde unbewohnbar
nur ein zwei Schritte zu weit und sie lassen dich genüsslich erfrieren
ihre Gleichgültigkeit und ihre Angst nicht zu genügen
sind so eine Art Gestapo
über die Schwelle zu ihrem Ich dürfen nur die Gleichgesinnten
nach unten wird eifrig mit abfälligen Blicken und süffisanten Bonmots getreten und nach oben mit Worten der Bewunderung gekuscht.
Aber so was es schon immer
die Art wie sie die Dinge beurteilen ist ein Pflock den sie dir mitten ins Herz treiben
und hast du kein Lust auf ihr Spiel verhöhnen sie dich oder lassen dich links liegen
bis die dir letztendlich doch die Kraft ausgeht und du wie ein willenloser Zombie durch dein Leben torkelst.
Sie können es links herum und rechts herum
und wenn du nicht aufpasst kommen sie einfach durch die Mitte.
Nur mit spätestens 45 haben sie dich endgültig dran gekriegt
dann haben sie dich
infiziert mit ihren Besitzstreben und dem Neid bis dein Immunsystem kollabiert
völlig verhunzt mit ihrer geliehenen Autorität
geblendet mit ihrer Rührseligkeit
total verunstaltet mit ihren Sinn für Gerechtigkeit
und mit der "oh ich verstehe dich nur zu gut Nummer" quetschen sie dir die Eier;
Ihre Bilder von Haus Heim und Erfolg sind Sprengfallen
wehe dir gefällt nicht was du da siehst schon geht eine dieser Dinger hoch und reißt dich in Stücke
und ganz schlimm sind jene die dich in ihrem mitleidsvollen Gequassel ertränken
das ist wie Waterboarding, Schlafentzug und Dunkelhaft in einem.
Überlebst du zur Verwunderung aller diese Tortur doch, langweilen sie dich einfach so lange bist du das nicht mehr aushälst und schreiend in den allernächsten Abgrund fliehst.
So etwas wie Erbarmen kennen sie nicht. Sind eine gut gelaunte Armee die alles niederwälzt was sich ihnen in den Weg stellt.
Nur wie früher sehen sie nicht mehr aus. Die alten Paten sind tot werden von den Umständen weggefegt oder sterben einfach der Reihe nach weg. Die neuen tragen jetzt Jeans und Leibchen und geben sich ganz leger und aufgeschlossen und tun so als ob sie keiner Fliege was zu leiden tun können.
Doch ehe du dich versiehst zerhacken sie deine Bedürfnisse und Wünsche zu Nullen und Einsen und anstatt Freiheit Gleichheit und Brüderlichkeit haben sie dich mit ihren Tricks endgültig dran gekriegt.
Und so wie ich die Lage einschätze spätestens mit 30 .

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Montag, 7. November 2011
Sittenbild
Der Teufel hat Zahnweh und die Dentisten verstecken sich zwischen Klängen von Bach und zwei Atemzügen und im letzten Wagon sitzt der Sinn meines Lebens der nie in Klagenfurt ankommt aber bei Zeiten, ist das Göttliche verschwindend echt und gesegnet sei die Lungenembolie, während Fahnenflüchtige Griechen, den Schweizer ungefragt Papier im Gegenwert von 280 Mrd. Euro vor die Haustür karren. Nur die wollen kein Geld mehr, die haben genug davon, während Joe Frazier, in der letzten Runde seines Lebens steht und nicht mehr vom Hocker hoch kommt, ist die Welt trächtig vor guten Ideen, negativen CO2 Bilanzen, Auffahrunfällen und Fanatikern, die Atombomben haben und an solchen bauen und die Hoffnung die bleibt, ist ein neues Gleichgewicht des Schreckens. Nur bis es so weit ist, kümmern wir uns hingebungsvoll um unseren Alltag. Multimedial hochgerüstet, darf keine Sekunde mehr ohne uns vergehen. Wir bloggen was das Zeug hält, twittern uns die Finger wund und facebooken uns Nirvana der dreitausend Freunde, die den Daumen heben oder senken wie Cesaren im alten Rom, nur wenn deine Seele in Fetzen hängt, suchen sie sich eine neue Leinwand, die sie mir ihren Wünsche verkleckern können . Eine Diktatur der Quantität, Ramsch killt Inhalt, ob du von deinem Nachmittag in deinem Luftschloss erzählst oder vom Krieg, es macht keinen Unterschied. Alles ist Oberfläche und Schweigen heißt untergehen. Schweigen ist sozialer Selbstmord. Wer schweigt und nicht zu sagen weiß, stirbt leise vor sich hin, der analoge Mensch ist sein eigenes Hospiz, während Syriens But in meinem Kochtopf verdampft und meine Gelenke schmerzen, rüstet sich die EZB als "Lender of the last Resort", mit unendlicher Feuerkraft ausgestattet, für das alles entscheidende Gefecht, im atomaren Dollarregen, schütz uns nur ein Schirm, made in China.

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