Freitag, 9. September 2011
9/11
Es gab Geburtstage und das waren nicht wenige, da gab es bis auf meinen alten Herren, der mich anrief, so ziemlich niemanden den mein Leben etwas bedeutete. Gut der rief auch nur zweimal im Jahr an, zum Geburtstag und zu Weihnachten, wie es sich für einen anständigen Katholiken gehört, aber man will ja nicht kleinlich sein. Ansonsten war Ruhe im Karton. In meinem Leben konnte man das Gras wachsen hören. Der Sommer lag wie jeden September in den letzen Zügen als ich mir zu Ehren meines ersten Schreies, ein paar Stück Mehlspeise gönnte, von der Supermarktbäckerin extra für mich frisch aufgebacken.
Mit drei Stück recht mickrigen und in sich zusammengefallenen Apfelkuchen,
saß ich an meinem 33. Geburtstag vor dem Fernseher, als auf CNN, ein Flugzeug in das World Trade Center krachte.
„Na die haben aber heute ein paar Tricks drauf", dachte ich laut, während ich ein Stück Kuchen auf meine Gabel schaufelte, der nach Arsch und Friedrich schmeckte.
Ein schönes Flugzeug das in ein Hochhaus kracht, das kann auch nur den Amis einfallen", plauderte ich laut und ungezwungen vor mich hin. " Gelungener Trailer" befand ich, "wie in Echt, wirkt nicht im geringsten gestellt. Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, du weiß wie man einen degenerierten Europäer, eine heiden Angst einjagt. Zwischen meinen äußerst geistreichen Bemerkungen schaufelte ich immer ein wenig Apfelkuchen auf meine Gabel. "Onkel Sam", lästerte ich mit vollem Mund, während Feuer und schwarzer Rauch meinen Fernseher einhüllte, "schau nur was aus eurem Marshall Plan geworden. Ja ich sah die größten Köpfe meine Generation, vom Wahn zerstört, hungrig, hysterisch und nackt, durch Negerstraßen irren, auf der Suche nach einer wütenden Spritze, nur ich war nicht darunter". Seit ich an einer schizoaffektiven Psychose erkrankt bin, denke ich prinzipiell nur noch laut. Da mein Fernseher nicht wirklich Flammen aufging, sondern nur das bewegte Bild eines Turms brannte, dachte ich nicht im entferntesten daran, meine kleine Geburtstagsparty zu unterbrechen und aß einfach weiter. Gedankenlos aß ich vor mich hin und starrte in die Glotze. Neuroleptika, entsprechend hoch auf dosiert, besitzen die vielversprechende Eigenschaft, so ziemlich jeden Gedanken, der zum weiter Denken in Frage käme und über das Alltägliche hinaus will, einfach aufzufressen. So wie ein dunkles Loch Materie verschlingt, verschlingen Neuroleptika einen halben Menschen. Neuroleptika sind der natürliche Feind jeder aufschäumenden Emotion. 400 mg Seroquel schnell mal eingeworfen und da schäumt nichts mehr. Früher segelte ich den halben Tag unter Piratenflagge, durch den indischen Ozean, überfiel wenn der Magen knurrte oder Langweile aufkam, reihenweise Handelsschiffe, die unter imperialer Flagge segelten, raubte allen Besitz und verteilte diesen an die Armen. Dann warf ich die keifenden Mütter über Bord und liebte stundenlang das hochwohlgeborene Frauenzimmer. Oder ich stieg im Karakorum, natürlich ohne künstlichen Sauerstoff, nur aus einem Grund, auf den nackten Berg, den die einheimischen Nanga Parbat nennen, weil ich mit dem Herman Buhl ungestört eine rauchen wollte. Unter Einfluss des ärztlich verschriebenen Nervengas geraten ausschweifenden Phantasien zur vollkommenen Unmöglichkeit. Gezähmtes Dopamin, gelähmtes Serotonin, schwachbrüstige Synapsen und auch die ganzen Botenstoffe gehen auch am Stock. Tablettentage sind verlorene Tage, nur ohne das Zeug ist man noch verlorener. Es gibt keine Angst und kein Staunen, Alte biblische Vorhersage verlieren ihren Bedeutung. Kein Meer teilt sich. Lazarus bleibt tot in seinem Grab liegen und Jesus schafft es nicht einem zum Tischlergesellen. Trotz seiner Zerrissenheit ist man gewillt sich man am Riemen zu reißen. Immerhin sind wir eine Leistungsgesellschaft. Jahrelang bläuen sie einem ein, das man etwas zu leisten hat. Leiste etwas, denn ohne Leistung kann man sich nichts leisten. Das ich dieses Prinzip eifrig in die Tat umsetzte, immerhin konnte ich mir, einen Rudel Depressionen leisten, ging ganz in der Geschäftigkeit dieser Welt unter.Mach etwas aus deinem Leben etwas, bevor das Leben etwas mit dir macht. Führt erst mal das Leben Regie, kommt das eigene Leben mitunter zu kurz. Ist es erst mal so weit, kann es schon mal vorkommen, das man narkotisiert auf seinem fetten Arsch sitzt und nicht mehr hoch kommt. Von Sinnlosigkeit geschlagen starrt man mit zerknitterten Gesicht ins Leere, bis die Leere in einen zurück starrt. Minuten des Nichts addieren sich zu Stunden, Stunden zu Tage und Tage zu Wochen. War gestern März oder doch schon Juni. Und plötzlich ist das halbes Leben um ist. Das Bewusstsein nichts als ein leerer Bilderrahmen, in einer Ausstellung die „ICH“ heißt. Von Depressionen befallen zu sein, heißt bei Zimmertemperatur erfrieren. Depressionen haben, heißt beim Gehen innerlich zu versteinern. Depressionen bringen einem zum Verschwinden, während man sich vertikal ausbreitet. Da saß ich also ein, ein depressives verlebtes und trostloses Monster, vom wirklichen Leben abgehängt, allein an seinem 33 Geburtstag, in einem Zimmer vor der Glotze. Aber das bisschen Lethargie und sich Verstecken, war immer noch besser, als ein längerer Aufenthalt in der Klapse.
Heilanstalt nennen sie diese ehrenwerten Einrichtung um den humanitären Schein zu wahren. Eingekerkert, degradiert und von Göttern in Weiß bevormundet. Alte, Betagte, Irre und Debile sind die Roma und Sinti jeder Gesellschaft. Adorno würde sogar nach einen Schritt weiter gehen uns als „die Juden“ bezeichnen. Dieser Adorno, auf den kann man sich, wenn es ernst wird auch nicht wirklich verlassen. Seine männlichen Kommilitonen mit den langen Haaren lachten ihn aus und die Girls hielten ihm die Titten ins Gesicht und das alles im Namen der Revolution. Ho-ho Ho Chi Minh, Holger, der Kampf geht weiter, nur der Holger, lag leblos und bis auf die Knochen abgemagert in dieser Grube und der Mann der diesen Schlachtruf, in die trauernde Runde warf, hatte einen Loch im Kopf. Depressive Gedanken schweifen gern an. Die innere Welt sucht und findet eine äußere Welt. Mit Worten lassen sich äußere Ereignisse und Zustände so zuschreiben, das die innere Welt sich darin wieder spielgelt. Greise und Betagte, echauffierte ich mich weiter, in vollgeschissen Windeln, wundgelegen und an gusseisernen Betten gefesselt, dem Lebensende entgegen sichernd, sind unsere Antwort auf 2000 Jahre Christentum. Privatversichert, Privatversichert bekundete ich sollte man sein. Ausrangierter, ausgegrenzter und klapprig gelebter Menschenmüll, den man auch noch den letzten Rest von Menschlichkeit verwehrt, sind die Kehrseite unseres Jungendwahns. Ansatzpunkte um sich in dieser Welt unbehaglich zu fühlen gibt es genug. Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends, wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts wir trinken und trinken wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng. Depressive Gedanken stehen nicht auf und gehen raus in die Sonne. Nein die bleiben im Dunkel sitzen. Am 11. September 2001 saß ich. Den brennenden Turm in der Glotze hielt ich für einen schlechten Scherz. Und dann erst diese ganzen Debilen, moserte ich weiter, jedes Jahr zu Weihnachten steckt man sie kameragerecht in ein rosafarbenes Kostüm und lässt sie Schwanensee nach tanzen. Dieses hochnotpeinliche Herumgestolpere, vom feinen Publikum akklamiert, nennen sie dann Menschlichkeit. Doch wehe wenn der Vorhang fällt und die feinen Herrschaften das delikate Buffet erstürmen, dann sind die Kaputten wieder unter sich. Ich zumindest habe noch nie einen Mongo im Staatsopernballett gesehen. In keinem noch so schwachsinnigen und hingeschissenen Musical dürfen sie mit hopsen. Nicht einmal in der Kirchen dürfen sie den Ministranten machen. Für so eine verantwortungsvolle Aufgabe, bedarf es natürlich unserer Besten. Und was für ein schwuler Pfarrer wird schon bei einem Mongo geil oder sexuell stimuliert, wenn dem die Spucke bei den Mundwinkel heraus quillt. Die Stars fahren auch lieber nach Afrika. Raus aus der Betty Davies Entzugsklinik und rein in den Flieger. Die Wiege der Menschheit gehört gewogen, aufgewogen, den Image ist alles. Beim mir gleich um die Ecke, schrauben Behinderte, zumindest jene, deren motorische und intellektuelle Fähigkeiten das zulassen, den ganzen lieben Tag Kugelschreiber zusammen. Tag ein und Tag aus Kugelschreiber, was für eine Tragödie. Promis, befand ich, habe ich dort noch nie gesehen. In Afrika ist ja auch das Klima wesentlich milder. Ich bekam durst. Notgedrungen erhob ich mich aus meinem Herrensitz und ging in die Küche um mir ein Glas Orangensaft zu holen. Als ich mich wieder hinsetzte, sah ich wie ein zweites Flugzeug in den anderen Turm krachte. Zugedröhnt wie ich war, brauchte es einfach seine Zeit bin ich schnallte was das gerade abging. Zuerst dachte das sei einfach eine Wiederholung. Da aber beide Türme in Flammen standen, lies ich von dieser Theorie ab und zappte ein wenig herum, denn wenn andere Sender auch diese Bilder, mit beiden in Flammen stehenden Türmen ausstrahlten, dann konnte das kein Trailer sein. Kurz gesagt es war kein Trailer. Auf so gut wie allen Sendern stiegen schwarze Rauschschwaden gegen den wolkenlosen Himmel. Nur die Verkaufssender wehrten sich standhaft. Über den völlig zerstörten Stockwerken, sah man Menschen, weiße Tüchern, Hemden und was weiß ich noch nicht schwenken. Fuhr die Kamera nach unten, kamen so kleine unscharfe Teile ins Bild, die rasend schnell zu Boden fielen. Was ist denn das fragte ich mich. Ich tippte auf herab fallende Trümmer. Ganz sicher war ich mich nicht. Mit dem Teller in der Hand ging ich ein Stück näher an die Glotze heran. Kauend stelle ich fest, dass diese herabfallenden Trümmer, zu zwei Drittel aus Wasser bestanden, Gut wenn jemand von Berufswegen her Zyniker ist, dann waren das herabfallenden Trümmer. Nur ganz so kaputt war ich nun auch wieder nicht. Menschen, mit Jobs, Familien, Kinder, Träumen und Wünschen, sprangen lieber in den sicheren Tod, bevor sie da oben verbrannten oder qualvoll erstickten. Das war keine Jerry Bruckheimer Verfilmung. Dieses Armageddon da hatten keinen Helden. Mein mattes Hirn kam endlich in Bewegung. Sprungtücher, ich dachte an Sprungtücher oder so was ähnliches. Mit Sicherheit gibt es da Sprungtücher, oder aufblasbare Matratzenlandschaften, in die man einfach rein springt und alles wird wieder gut. Nur da wurde nichts gut. Meine damalige Glotze hatte eine Spannweite von gut 70 cm. Ich stieg um den Fernseher herum um nicht doch etwas zu erspähen, in das diese Menschen weich fallen könnten. Nur da war nichts..Diese Menschen fielen und fielen, manche überschlugen sich beim Fallen und knallten bevor sie auf den Boden aufschlugen gegen den die Fassade des Turms. Einer nach dem anderen starb, alles Live, alles an meinem Geburtstag. Zwei Flugzeuge die nacheinander in zwei Türme krachten. Dass das konnte kein Zufall. seid. „Ihr seid doch eine Horde von Arschlöchern“, fluchte ich herum, während ich mit großen Augen, wie gefesselt an der Glotze hin. Den Teller mit dem Kuchen stellte ich auf den Fernseher. „Die haben doch niemanden etwas getan“, empörte ich mich. Nur das Glotzen konnte ich deswegen nicht sein lassen. Die fallenden Menschen, der schwarze Rauch, die Wiederholungen des zweites Einschlags, das Feuer, der Horror multiplizierte sich . Plötzlich, nein nicht nur plötzlich sondern völlig unerwartet, stürzte einer der beiden Türme, einfach wie so ein scheiß Kartenhaus, in sich zusammen. Von Ereignissen oder eher den Bildern der Ereignisse benommen hockte ich da. Wie kann so ein mächtiger Turm, einfach so in sich zusammenbrechen frage ich mich? Der ist doch kein Mensch. Noch bevor ich mich von dem, was sich da gerade zugetragen hatte, einigermaßen erfangen konnte, machte auch der zweite Turm schlapp. Wie verrückt drückte ich auf der Fernbedienung herum. New York verschwand so gut wie auf jedem Sender unter einer riesigen Wolke aus Asche. Noch während diese furchterregende Wolke der Apokalypse, eine Spur der Verwüstung hinter sich her zog, fing ich an mich selbst zu bemitleiden. Da das hab ich verdient, jammerte ich los, das geschieht mir nur recht, das ist jetzt die gerechte Strafe weil ich meinen Arsch nicht mehr hochbekomme, scheiß Leben, scheiß Geburtstag. Ja wer den Wind sät, wird den Sturm ernten. In welchen Zusammenhang ich dieses leicht abgewandelte bübische Zitat brachte, kann ich heute noch nicht beantwortet. Vielleicht stellte ich unbewusst eine Verbindung zwischen diesen Bilder und den Eindrücken meines UNO- Einsatz 1991 in Kuwait und Irak, her. Die Straße des Todes zwischen Kuwait und Irak, wohin man auch sah, alles war voll mit zerschossenen Fahrzeugen, brennenden Ölfelder, die uns keinen Tag sehen ließen, die kaputten Vögel, mit den in Öl getränkten Flügeln, die ganten zerlumpten Menschen. Letzten Abend lief der Western "Tombstone", da wurde auch jede Menge Sturm geerntet und das wortwörtlich. Denkbar wäre es natürlich, dass ich den Spruch einfach nur da abgekupfert hatte. Scheiß Geburtstag und erste dieser hingeschissene Kuchen. Wie verblödet muss einer denn sein, das er sich so einen hingeschissenen Kuchen, als Geburtstagstorte aussucht. In höchster Not suchte die menschliche Psyche instinktiv nach einem Ausweg. Meiner bestand darin das mir diese Irren in den Sinn kamen, die mit dem Fahrrad durch das wilde Kurdistan radeln wollten und im Südostens des Irans, von ein paar bösen Buben entführt wurden. In der Provinz Sistan-Belutschistan, das von Drogenbanden kontrolliert wird, hatte man sie von der Weiterfahrt vorübergehend abgehalten. Diese völlig vertrottelten Spießer lästere ich, die sind ja noch bescheuerter als ich. Der Herr Beamte oder die Frau Angestellte, Radfahren auf dem Drogenpfad, weil man dieses langweilige und sinnentleerte Leben anders nicht mehr aushält. Spring doch aus einem brennenden Hochhaus. Auf dem Motorrad durch die algerische Wüste, direkt in die Arme der Tuareg, oder zu Fuß durch den kolumbianischen Dschungel. Dann steht man dann mitten einer Kokainplantage der FARC und fragt sich staunend, was das denn für Pflanzen da sind, weil im Reiseführer sind sie nicht aufgeführt. Das Durchwandern unser heimischen Natur reicht ja nicht mehr. Das ist öde und langweilig. Abendteuer, der Herr Oberspießer, der sich sogar seine Modelleisenbahn versichern lässt, braucht zum Ausgleich ein richtiges Abendteuer. Lebensträume, fluchte ich in Richtung Glotze und Kuchen, gehören erfüllt. Nur im Irak habe ich euch Arschlöcher nicht gesehen. Dorthin schickt ihre dann den menschlichen Ausschuss, die ganzen Versager und Verlierer, weil für so etwas seid ihr euch dann doch zu schade. Ich stand auf nahm den Teller mit dem Apfelkuchen und warf den Kuchen samt den Teller in den Müll. Das inzwischen ein weiteres Flugzeug auf das Pentagon gestürzt war, bekam ich erst so nach und nach mit. Der Absturz von Flug United 93, in der Nähe von Pittsburgh, war ganz in meinem Selbstmitleid untergegangen. Vor zehn Jahren schrieb ich, dass diese Art des Wahnsinns, einer ziemlich eigenwilligen Interpretation des „dschihadistischen Salafimus zu. Unter Salafimus versteht man eine philosophische Schule, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert, als Reaktion auf die Ausbreitung des europäischen Gedankentums entwickelte. Für die militanten Gruppen sind die Salafisten jedoch diejenigen, die die heilige Schrift in ihrem eigentlichen, in der Tradition verankerten Sinn begreifen. Als wichtiger Gewährsmann dieser Tradition gilt der große alim Ibn Taimiyya aus dem 14. Jahrhundert, auf den sich auch das Wahhabitentum als oberste Instanz beruft. Die salafistischen Dschihadisten, oder Gotteskrieger kämpfen für eine strenge Beachtung des genauen Wortlauts der heiligen Schriften. Absoluten Vorrang für diese Irren hat, seit sie die Russen mit generöser Hilfe der USA, aus Afghanistan vertrieben haben, der Dschihad gegen die genau dieses Amerika. Nach und während des 2. Golfkriegs, wagten es diese Burger-Kuffar saudi-arabischen Boden zu betreten. Wortführer, dieser nicht mit Neuroleptika behandelten Ideologie sind die oppositionellen saudischen Prediger Hawali und `Auda und natürlich Osama Bin Laden. Diese salafistische Bruderschaft hegt unter anderem starke Sympathien für eine andere Bewegung des Islam, die zur gleichen Zeit, in ähnlich kargen Gegend und im gleichen Kontext entstand, die Taliban. Die Taliban bekennen sich jedoch zur Schule der Hanafiten und zur Deobandi-Richtung und haben lediglich die lokalen Medresen besucht, die größtenteils in Pakistan liegen. Warum ich diesen kurzen Ausflug, in die Geschichte des Salafimus 2001, unbedingt in diesen Text unterbringen musste, keine Ahnung. Ein bisschen Wichtigmachen und Schaumschlagen, um von den eigenen Unzulänglichkeit abzulenken. Dabei sind diese Zeilen eh nur geklaut. Sie stammen aus Gilles Kepel, "Schwarzbuch des Dschihad". Ohne Kuchen saß ich dann wieder vor der Glotze. In eiligst zusammen gestellten Reportagen, sah man zitternde und von Staub und Asche bedeckte Menschen, zu tiefst verstört und mit weit aufgerissenen Augen an irgendwelche Kameras vorbei laufen. Als dann auch noch so ein Paradeintellektueller mit Vollbart, heute weiß ich das es der Dampfplauderer Slavoj Žižek war, von der ver-hollywoodisierung des Terrors sprach und ein Heer honorige Damen und Herren, aller intellektuellen Gattungen, ihren unvermeidlichen Senf, in Form von glasklaren Analysen absonderten, drehte ich ab. Die Geburtstagsparty war zu Ende. Am späten Nachmittag rief mich mein alter Herr an. Das übliche Gespräch unter zwei erwachsene Männer, die nichts von einander wissen. Zwei emotionale Krüppel. Vater hatte er keinen, der ist im Russlandfeldzug, für den strammen Braunauer gefallen, während seine Mutter, früh an Schizophrenie erkrankte. Noch Mitte der Siebziger, kämpfte die tapfer mit einer Gabel in der Hand, am Balkon unseres Hauses, gegen die alliierte Übermacht. So ein Mann, der schon sehr früh auf sich allein gestellt war und darauf trainiert ist, nur sich selbst im Blick zu haben, ist als Vater nur bedingt einsatzfähig. Das wäre ja noch zu verkraften, wenn er wenigstens bei der Wahl seiner Frauen ein besseren Händchen gehabt hätte. Gut dreißig Jahre hat es gedauert, ihn zu erklären, dass meine Stiefmutter, nicht der Liebensengel war, für den er sie heute noch hält, weil die Blumen im Garten immer so schön blühen und die Wäsche gut duftet. Wir redeten über die Ereignisse dieses Tag was sonst.
Am Abend klopfte dann noch meine Nachbarin, die selbstsüchtige Helga mit ihrem verstörten Sohn dem Markus, an meiner Tür. Die war mal ein ziemliches Aß. Jedem Kerl hängte sie einfach ihre großen und festen Titten ins Gesicht, damit dieses Kerl dann dieses oder jenes für sie tat. Funktionierte ganz ausgezeichnet. Ihr Ex oder zumindest einer ihrer Ex hatte sich vor ein paar Jahren vor ihren Augen, am einem Baum aufgehängt. Deswegen behauptete sie war ihr Sohn war völlig verstört. Gegen den Kleinen sprach der Herr Münchhausen fortwährend nur die Wahrheit. Gut wer will da schon groß widersprechen: Wenn Not am Mann war und die Titten in der Bluse gar so schön hüpften, schaute ich auf ihr verhaltensgestörtes, nein verhaltensauffälliges Kind, das beim Spazieren gehen, schon mal vor allen Leuten einfach auf die Straße pisste. Ich wurde ich reich beschenkt. Es gab ein Rasierwasser, die neue CD von Grönemeyer und eine Torte, auf der die Zahl vierunddreißig stand. Sie hatte sich nur um ein Jahr geirrt. In Anbetracht der Ereignisse dieses Tages nahm ich diesen kleinen Irrtum mit stoischer Gelassenheit hin. Nur nach ihren beiden Küsschen brach in mir irgendetwas zusammen. Ich wollte ihre verlogenen Glückwünsche nicht, dieses aufgesetzte Lächeln, es widerte mich an. Wenn ich mich wenigstens in ihr getäuscht hätte. Nur das hatte ich nicht. Nix aufpassen auf den kleinen Pisser nix Geschenk. Was war ich froh als die Tür hinten den beiden wieder ins Schloss fiel. Als ich dann wieder den Fernseher anmachte, sah ich auf jeden Kanal, bis auf die Verkaufssender, verzweifelte Menschen, Flaggen auf Halbmast und in den Gesichtern drei tausend Kilo Entsetzen und hundert Jahre Trauer. Später am Abend erklärten sie einem, das diese Terroristen nur Stanleymesser bei sich trugen.
Nur Stanleymesser dachte ich laut, nur ein paar so Stanleymesser. Wie können nur ein paar beschissene Stanleymesser, halb New York zum Einstürzen bringen. Während ich so vor mich hin sinnierte, kam mein kleiner Kater, halbpersischer Herkunft, mit dem struppigen Fell, das ich viel zu selten bürste, angetrottet und kotzte mir einfach so vor die Füße. In Anbetracht dessen was dieser Tag so zu bieten hatte, war das noch die angenehmste Überraschung.

Seit dem 11.09.2001 habe ich nie mehr ein Stück Apfelkuchen gesessen.

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Montag, 5. September 2011
E-Mail für Dich!
Oder warum ich eine funktionsfähige ENIGAMA angefordert habe.

Absender: Herr.Benard Cooper [benardcoope@aim.com]
Betreff: dringend

Ich vermute, dass diese E-Mail ein ьberraschend fьr Sie sein wird, aber es ist wahr.Ich bin ein "verify-Routinen in meiner Bank (Standard Bank of South Africa), wo ich arbeite, gestoben in einem Konto, das nicht den Anspruch erhebt getroffen worden zu sein ist, wem Ehre derzeit $ 8.500.000 (acht millionenfunfhundert US-Dollar).

Dieses Konto gehurt Herr Manfred Becker, der einKunde in unserer Bank, der leider verstorben war. Herr Becker war eingeburtiger Deutsch.

So ist es mцglich fьr mich, dass das Geld Verwendung von $ 8,500,000 erhцhte ich die Kooperation mit einer auslдndischen Partner wie Sie markieren, kann ich als Verwandter und Erbe des verstorbenen Herrn Becker vorstellen, so dass wir das Geld inanspruch nehmen kann.

Fьr die Anhдnger erhalten Sie 30% des gesamten Immobilien-und die restlichen 70% stimme ich mit meinen beiden Kollegen, unterstutzen.Wenn mich in diesem Geschдft auch mirmit Sie interessiert sind, kцnnen Sie mich per E-Mail:benardcooper@aol.nl, damit ich Ihnen weitere Informationen senden kцnnen sein. Bitte senden Sie Ihre Antwort auf diese E-Mail: .

Mit freundlichen GrьЯen,
Herr.Benard Cooper

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Freitag, 2. September 2011
Aus der Serie Sex sells Teil 2
Große Oper für ganz kleine Leute

Namen und Handlung dieser Geschichte sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig und nicht gewollt. Falls in diesem Text irgendwann zur doch Sprache gebracht, das diese Geschichte das glatte Gegenteil von frei erfunden ist, der soll sich bitte das Paradox des Epimenides vor Augen führen.
Die Frage nach dem Warum, stellt sich ab einen gewissen Punt des Geschehens nicht mehr. Der Frau mit der Raucherlunge, der Mann mit der Fettleber, das traurige Waisenkind, die zweite Scheidung, ein havariertes Atomkraftwerk, die Schlacht um Mittelerde oder Baquba, ein verwaister Landstrich, ein aufgelassenes Fabrikgelände, die Deutschen die Hitler für einen Faschingskanzler hielten und Franz von Papen fürchteten, der gefällte Baum.
Mit J.H. war es genauso. Alles war weg. Nicht mit einem Schlag aber es war weg. J.H. war an einem Punkt in seinem noch recht jungen Leben angelangt, an dem so gut wie alles, das er sich bewahren wollte weg war. Die Gesundheit, die Liebe, die Hoffnung, der Lebenssinn, oder wenigstens ein Ziel das es wert ist angestrebt zu werden. Beziehungen zu Menschen die man schätzte, Fußball spielen, an einer Theke mit ein paar Kumpels stundenlang Schmäh führen, den Wellen des Meeres lauschen und Frauen den Hof machen. Nichts davon war mehr da, alles war weg. Was noch da war, war dieses verzweifelte Wille weiter zu Leben und schwere Hanteln aus Gusseisen. J.H. war völlig durch dem Wind. Manisch-depressiv, schizoid, wütend, arbeitslos und von allen ein bisschen, hatte alles Gestalterische aufgebraucht. Sein Leben ließ sich nicht mehr gerade biegen oder in eine geordnete Bahn lenken. Die Aufstände, Verletzungen und Verwundungen, die Ausflüchte und tatsächlichen Fluchtversuche, Exzesse und Abstürzte in nicht für Möglich gehaltene Abgründe, die Wut, die Angst, das bisschen Rebellion, alles hatte sich erschöpft. Der Mann war ein Wrack. Ein Wrack mit einer einigermaßen intakten äußeren Hülle, aber innerlich zerfurcht wie das Gesicht eines alten Indianers, der auf Anti-Aging Produkte, keinen großen Wert legte. Alle Zuversicht und Menschliche hatte sich mit der Zeit verflüchtigt. Nein, nicht nur der Weg nach oben ist mit Leichen gepflastert. In seinem Wahn, der ihn antrieb und gleichzeitig immer weiter abtrieben ließ, vom gesunden Mittelmaß und der gediegenen Durchschnittlichkeit, gab es nur noch zwei Sachen, die sein Überleben sicherten. Wetten und die Huren. Das war alles. Die Zockerei und Huren hielten ihn am Leben. Mehr oder etwas anderes zu Wollen ging in diesem Abschnitt seines Lebens nicht. Die Frage nach dem Warum war nicht mehr von Belang. Der Historiker, der in großen Zusammenhängen denkt, der nach Kontinuität und Kontingenz, nach Notwendigkeit und Zufall und letztendlich auch nach Umständen fragt, die dazu führen warum, warum die Welt so wurde wie sie ist oder sich in jene Richtung entwickelt. Bei J.H. können wir und den großen Bogen sparen. Ein einzelnes Leben brauch nicht viel um die falsche Richtung einzuschlagen. Ist der Sinn erst einmal eingetrübt wie die Linse des Auges, schrumpft das Blickfeld rapide und selbst die einfachsten Dinge werden zu einer Herausforderung. Ach Scheiße, dieses künstlerherum schreiben liegt mir einfach nicht. Die Geschichte, die es jetzt zu erzählen gilt ist natürlich keineswegs frei erfunden. J.H. ist natürlich kein Synonym, sondern das sind meine Initiale und auch alle weiteren Personen in dieser Geschichte gibt es oder hat es wirklich gegeben. Warum ich aufs Zocken und die Huren kam? Für alle anderen Formen, der Erwerbstätigkeit war ich einfach zu kaputt und Frauen schlagen einfach irgendwann die Türen hinter sich zu, weil sie das Leben mit so einen krankenTypen einfach nicht mehr aushalten. Bei mir war das nicht ganz so schlimm. In meinem Irrsinn gefangen habe ich einfach die Tür nicht mehr aufgemacht oder mich eine Zeitlang einfach nicht mehr gemeldet. Beziehungen brauchen Stabilität und den ganzen anderen Kram. Um zu wissen was das genau ist müsste ich jetzt in Internet recherchieren oder so ein Buch kaufen, warum die Frau am Mars usw.. Aus Wetten verlegte ich mich, weil meine übrigen Talente recht spärlich gesät sind. Ein StG 77 Sturmgewehr rasch zerlegen und wieder zusammen bauen, Backgammon spielen, mit dem Fußball war ich auch per du, aber dann wird es schön langsam ziemlich düster, was meine Fähigkeiten betrifft . Doch Verstand hab ich. Für 70 Euro hab ich mal meine Nachbarin durch die Knock-Out Prüfung in Publizistik gebracht und das ohne höhere Schuldbildung. Mich schmückt gerade mal ein erzitterter Hauptschulabschluss. Natürlich wirft das nicht gerade ein gutes Licht auf die österreichischen Universitäten, wenn ein Sandler, und was anderes war ich nie, elegant die Barrieren überspringt, die ins intellektuelle Schlaraffenland führen. Aber wir wollen jetzt man nicht so kleinlich sein. Außerdem sind die österreichischen Bibliotheken, öffentlichen Charakters ganz vorzüglich. Entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten für Unqualifizierte gibt es in diesem Land natürlich wie Sand am mehr. Nur habe ich nie entsprochen. Die 40 Stundenmoral war mir immer ein Greul. Dinge kaufen und verkaufen oder andere anleiten das sie Dinge kaufen und weiterverkaufen, ist meine Sache nicht. Natürlich habe ich Adam Smith, Marx, Kenyes und Hayek gelesen. Aber nur so dasitzen ist auch schon und darüber nachdenken, was das erste allgemeingültig verstandene Wort war ist noch viel schöner. Mich wollten sie mal zum Kellner hochqualifizieren. Einen Fisch aus Plastik sollten wir, den Usancen bei Tisch entsprechend vorlegen. Mit Anlauf bin ich auf den Tisch gesprungen und bin dem Freund der Kiemen, in ziemlich eindeutiger Pose auf die Pelle gerückt. Die größte Hetz aber waren jene Tage, als das Arbeitsamt mir eine weitere Chance gewährte, dick im Überlebenskampf mitzumischen zu dürfen und der Versuchung nicht widerstehen konnten, aus mir einen feingaumigen Sommelier zu formen. Der Schuss ging natürlich nach hinten los. Wer bitte der so halbwegs bei Verstand ist spuckt Alkohol schon freiwillig aus. Ja beim Kotzen vielleicht aber da ist die Freiwilligkeit ja nur bedingt gegeben. Nach diesem gescheiterten Versuch aus mir einen ehrbaren Bürgen zu machen, wurde ich wieder downgegradet. Unvermittelbar und verrückt stand in meiner Akte. Das Zocken war also einer der wenigen Möglichkeiten zu Geld zu kommen, wenn man auch weiterhin Wert auf einen unbescholtenen Leumund legt. Und mein Leumund ist heute noch sauber wie der frisch gepuderter Popo eines Babys. Zocken ging. Die allgemeinen Bedingungen fürs Zocken waren auch ganz gut. Das Zocken, oder wetten in den späten 90zigern hat mit dem Wetten heutzutage nicht mehr viel gemein. Als ich noch dick im Geschäft war, hatte einer der Gründer von Bwin, heute immerhin einer der größten Wettanbieter Europas noch ein richtig schönes altmodisches Wettbüro, etwas außerhalb Wiens. Wetten Wien-West oder so ähnlich hieß der Laden. Die 90ziger waren die gute alte Zeit für Zocker. Es waren die letzten Jahre bevor der Wahnsinn des Online-Wetten losging. Wettquoten, die ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis versprachen, hielten damals zuweilen Tage und nicht wie heute ein paar Minuten oder gar nur Sekunden. Die Kursunterschiede zwischen den einzelnen Anbietern waren epochal und Tennisspieler, die auf Sand beinahe unschlagbar waren, wie ein Thomas Muster oder der Sergio Bruguera, wurde auf Rasen eine ähnliche Spielstärke unterstellt. Ein Richi Reneberg, der auf Sand gegen einen Thomas Muster kein Land sah, war in der selben Konstellation auf Rasen haushoher Favorit. Solche Feinheiten, die heute so gut wie in jeden Kurs eingespeist sind, wurden von Seiten der Buchmacher großzügig hinweg gesehen. Das war alles noch learning bei doing. Schlechte Entscheidungen die man traf und die traf man, fielen nicht so sehr ins Gewicht, da einem die Wettbüros immer wieder die Gelegenheit boten, die Verluste wettzumachen. In Wien gab ebenen den drei großen Anbietern von Sportwetten, noch richtige Wett-Spelunken, mit recht zwielichtigen Gestalten. In diesen Etablissements ging es unter anderem auch darum, immer wieder aufs neue zu ermitteln, wer da die größeren Eier hat. Bilanzen, Quartalszahlen und Aktienkurse spielte da nur eine sehr untergeordnete Rolle. Ein mächtiges Gehänge haben und sich wegen jeden 1/4 Punkt Quote auf oder ab anscheißen, das ging schon kulturell nicht. Ein hoher Testosteronausschuss ist natürlich nicht der ideale Ratgeber für ökonomischen Erfolg. Der Schuss ging in den meisten Fällen ziemlich schnell nach hinten los. Lang haben sich diese Herren, denen jeder Zweifel fremd war, weder auf der einen noch auf den anderen Seite am Markt gehalten. Dafür war er es a riesen Hetz und das zählt auch. Nicht wenige haben ihr letztes Hemd und das der Kinder verzockt. Ich kannte den Filialleiter einer Billa Filiale ganz gut, der hätte auch noch den letzten Bodenfetzen verzockt, wenn ihn die Bosse, nicht vorher vorsichtshalber aus dem Verkehr gezogen hätten. Die Buchmacher damals waren auch nicht die Hellsten. Die haben Teilweise Böcke geschossen, mein lieber Herr Gesangsverein. Mit Rodeln, genauer gesagt Rennrodeln haben wir mal zu dritt 20 000 Euro gemacht. 1999 gab mir mal so ein Oberzocker privat, 20:1 für den Lance Armstrong, das der das erste Mal die Tour de France gewinnt. Für den oder besser mit dem hab ich dann später selbst gewettet. Er stellte das Kapital und ich mein Wissen. Halbe-halbe war ausgemacht. Das ich bei der Abgabe der Wetten nur selten anwesend, hatte dieser alte Sack, der immer mit einer Hand voll Viagra nach Ungarn fuhr, um sich an jungen Mädchen zu reiben, natürlich sofort ausgenützt. Andauernd haute er mich übers Ohr, indem er den eingesetzten Beitrag immer nach unten korrigierte. Von ein paar Einschreibern in den Wettbüros hab ich dann erfahren wie hoch er wirklich wettete. Aus gekränkten Stolz habe ich diese Geschäftsverbindung dann aufgekündigt. Trotzdem waren das gute Zeiten. Ich habe natürlich auch jede Menge Kohle versenkt oder Pech gehabt. Einmal trennten mich bei einem Motorradrennen, nur eine beschissene Kurve von 15000 Euro Gewinn. Marco Melandri, damals noch in der 125 Klasse startend, baute sich ganz klar in Führung liegend eine Kurve vor dem Ziel ein. Was für eine Schmach. Mit gesengten Kopf und gedemütigt schlich man nach Hause, leckte dort seine Wunden und kam wieder. Es war ein dauerndes auf uns ab. Zocken und der damit einhergehenden Stress ist natürlich nicht gerade die ideale Freizeitgestaltung für einen Schizo, der an sich von 670 Euro Notstandsgeld lebte. Ob sich mein gesundheitlicher Zustand auch so rapide verschlechtert hätte, keine Ahnung. Die Stimmen im Kopf, das Zwanghafte und die Paranoia wurden mehr. Ich fühlte mich verfolgt und war mir sicher, das sogar der eine Freund, der mir noch geblieben war, sein Ding drehte und irgendetwas Schlimmes gegen mich im Schilde führte. Das ist das schlimmsten am Schizoiden. Die ganze Welt verschwört sich zunehmend gegen einen und für jeden noch so absurden Verdacht gibt es eine ganz logische Erklärung. Dabei war dieser Freund aus alten UNO-Tagen, nur ein Alkoholiker auf zeitweiligen Entzug, das selbst in dem Wahn lebte, das die halbe Welt hinter ihm her sei. Irgendwann bildete ich mir dann ein, die SS oder besser gesagt der Geist der SS hatte sich in meiner Bude festgenistet. Jede meiner Handlungen, war von diesem bösen Geist beeinflusst. Loswerden konnte diesen Geist nur durch den Besuch einer Hure. Hure wie abfällig und abschätzig dieses Wort gebraucht wird. Laut Wikipedia leitet sich dieser Begriff von der indogermanischen Wurzel *qār „begehrlich, lieb“ ab, aus der sich später das lateinische carus „lieb, teuer“ entwickelte. Nur in diesem Sinne wird dieses Wort heute nicht verwendet. Facharbeiterinnen zur beschleunigten Triebabfuhr, Illusionistinnen, Schwanzmechanikerin, Stundenengel, oder Aromatherapeutin, wo doch jede Muschi anders riecht, währen eine gelungene Alternative zu Hure oder Prostituierte. Und teuer sind sie auch nicht. Mit der Ostöffnung sind die Preise rapide in den Keller gerasselt und haben sich auf recht niedrigen Niveau einigermaßen stabilisiert. Moralische Bedenken, wegen meines verwerflichen Verhaltens bitte an die werte Frau Charlotte R. richten. Die scheint sich in diesem Milieu inzwischen ja auch bestens auszukennen. Die letzte Wette war aufgegangen deswegen läutete es an meiner Wohnungstür. Groß, high heels, sexy, ruhig ein wenig vulgär, in irgendetwas Engem hatte ich bestellt. Eine Frau mit richtig Arsch und gewaltigen Brüsten sollte die SS aus meinem trauten Heim vertreiben. Als ich die Tür öffnete, hatte ich nicht gerade den Eindruck, dass die Telefonistin, meinen Wünschen auch nur in Ansätzen nachgekommen war. Das Geschäftsmodell des Escort-Service fußte damals vor allem auf zwei Grundbausteinen und die hießen Lug und Trug. Das Internet steckte damals noch in den Kinderschuhen. Einfach eine Dame per Maus anklicken und bestellen, das war damals noch nicht. Die Telefonistinnen der einzelnen Agenturen, versuchten dir einfach jene Dame unter zu jubeln, die sie gerade zur Hand hatten. Anstatt einer großen Schwarzhaarigen stand dann schon mal eine kleine Blonde vor einem. Man konnte die natürlich auch wieder wegschicken. Aber irgendwie taten einem diese Frauen auch leid, Und wer will schon andauernd mit den Telefonistinnen herum streiten, wenn er erstens geil ist und zweitens unbedingt die lästigen Untermieter loswerden muss, die mit einem in den Topf scheißen. Die sie mir da geschickt hatten, entsprach meinen Anforderungen nicht im geringsten. Anstatt einer scharfen Lady, die man sofort mit Lust und Laster und Überwindung aller Schwierigkeiten assoziiert, schickten sie mir ein biederes Hausmütterchen. Nicht besonders groß, brünett statt pechschwarz, mit traurigen Augen. Da schon halb Osteuropa im Minirock vor meiner Tür stand, war mit sofort klar, das mit der Dame da irgendetwas nicht stimmte. Was ich für das Gastgewerbe war, war diese Frau für das älteste Gewerbe der Welt. Irgendwie stand sie völlig neben sich, der Blick leer, halb weggetreten. Nein dachte ich mir was soll ich mit der. Nur aus mir heute noch unerfindlichen Gründen ließ ich sie trotzdem rein. Wie es dann dazu kam, weiß ich nicht mehr so genau, vielleicht lag es am Kokoschka Poster das über dem Bett hing, oder dem Gedichtband, der aufgeschlagen neben dem Bett lag, aber nachdem wir das Geschäftliche hinter uns gebracht hatten und dazu übergingen uns unser Kleider zu entledigten, sagte sie ohne dass ich sie gefragt hatte, das ihr ein Name nicht Gloria sei, sondern das sie Elena hieß. Völlig verblödet war ich ja auch nicht. Mir war auch so klar das sie nicht als Gloria auf diese Welt gekommen war, nur wenn interessiert das? Doch ihr schien es da um etwas anderes zu gehen. Denn nachdem wir uns auf Elena geeinigt hatten sagte sie einfach so, ohne nur den geringsten Hauch von Ironie in der Stimme, das sie ein großer Star sei. Was bitte dachte ich mir, die Beste steht da halb nackt in einer fremden Wohnung, mit drei Meter Dreck in den Fensterläden und lässt sich für ein paar Euro, damals noch Schilling knallen und behauptet trotzdem ein großer Star zu sein? Die hat sie ja nicht alle dachte ich mir. Mit dem Ausziehen kam sie auch nicht wirklich voran, während ich schon längst nackt wie Gott der Evolution mich schuf dastand, um gegen die SS in die alles entscheidende Schlacht zu ziehen. Da ich ja selbst nicht alle Tassen im Schrank habe, lächelte ich nur als sie das sagte. Ich hätte auch mit allen Tassen im Schrank nicht abgelästert, das verbietet mir meine Erziehung und meine Art zu sein., Also fragte ich sie einfach, was sie den für eine Art von Star sei. "Ich bin eine große Sopranistin", antwortet sie kurz und bündig. Am N.A. Rimski-Korsakow Konservatorium in St. Petersburg habe sie Gesang studiert und jetzt wartete sie nur auf ein Arrangement an der Wiener Staatsoper. Na so werden wir die Nazis aber nicht los dachte ich mir. Und ob diese Bude da der richtige Ort war um auf ein Arrangement an der Wiener Staatsoper zu warten, lasen wir mal dahingestellt. Ich hab mal im Irak, es war im Juni glaube ich, im Schatten hatte es gut 50 Grad Celsius, auf einen Tag Winter gehofft und der ist auch nicht gekommen. Nachdem sie sich so vorgestellt hatte, wie sie sich das vorstellte, kam sie mit dem Ablegen der Kleider etwas zügiger voran. Nackt war sie nichts besonderes. Einfach nur eine ganz normale Frau, mit ein paar kleinen Probelzonen. Dafür soll ich jetzt bezahlen dachte ich mir. Ich hatte in meinen Leben schon wesentlich attraktiver Frauen im Bett und für die musste ich so gut wie keine Kohle locker machen. Irgendwie fühlte ich mich in meinem männlichen Stolz gekränkt. Ich sah damals ja noch richtig gut aus. Muskulös, kein Gramm Fett. Normal müsste diese langweilige Tante da doch für mich bezahlen, dachte ich mir. Während sie sich ins Bett legte, begann sie zu erzählen, welche Arie aus welchen Oper und unter welchen Dirigenten sie nicht schon gesunden hatte. Von Verdi, über Mozart, Bizet bis zu Puccini, keinen der großen Komponisten ließ sie aus. Wirklich viel Ahnung habe ich ja bis heute noch nicht von der Oper und mit meinen Wissen über die begnadeten Stäbchenschwinger stand es auch nichts zum Besten. Der Furtwängler und der Karajan waren zwei so 3/4 Nazi. Aber wo da zwischen den beiden musikalisch oder künstlerische Unterschied lag, wenn das Stäbchen die Luft zerstach? Ich hab da nicht den blassesten Schimmer. Mir kann man über klassische Musik schon einiges erzählen, ohne dass ich den leisesten Verdacht schöpfe., Aber so wie sie von der Klassik sprach, mit dieser Bestimmtheit in ihrer Stimme, und für wie selbstverständlich sie es hielt, schon auf den großen Bühnen dieser Welt gestanden zu sein, hinterließen bei mir wenigstens den Eindruck, dass sie von der ganzen Materie zumindest ziemlich viel Ahnung hatte. Nur deswegen waren wir nicht zusammen gekommen. Anstatt der hohen Kunst der Oper, sollte sie sich mir, einen biederen Habenichts hingeben. Ich hätte natürlich auch groß auftragen und mit der SS dagegen halten können, dann hätten wir schon gesehen wer hier der Wirklichkeit weiter entrückt ist, aber das wollte ich nicht. In Verlegenheit wollte ich die Elena nicht bringen. Elena hätte ich sagen können, du bist mein zu Fleisch gewordener Ghostbuster, dich hat der Herr geschickt du Maria Mutter Gottes der Niederungen, erlöse mich bitte von dem Bösen, aber ich tat es nicht. Da mir diese Diva nicht an den Schwanz ging, wollte ich sie gerade sanft aber doch bestimmt auf den Sinn unseres Zusammentreffens hinzuweisen. Sie kam mir da aber zuvor, indem sie meine Hand nahm, ihre Beine spreizte und sagte, "mach eine Faust". Scheiße dachte ich was will sie den jetzt. Soll ich ihr das Mikrofons machen oder was. Trotz eines Hauch von Zweifel ballte ich mein zartes Klavierhändchen zu einer Faust. Ich traute meinen Augen nicht, denn plötzlich hatte sie die große Künstlerin wieder in eine Gloria verwandelt. So schnell konnte ich gar nicht schauen da war meine Hand auch schon in ihrer Muschi gestrandet. Oh dachte ich "Fisting", einmal was ganz Neues, auch nicht schlecht. Da das horizontale Gewerbe ein knallhartes ist, fragte ich die Elena, die Hand noch immer in ihrer warmen Muschi, ob das jetzt extra kostet? Aber die Elena, Star und Operndiva ausgebildet am Rimski-Korsakow Konservatorium, hörte gar nicht mehr hin, sondern fiel in eine Art Trance, während ich es mit der Angst zu tun bekam, das ihre Muschi, so eine Art Geheimversteck der SS sein könnte. Eine russische Vagina, ein Ort des Verderbens?. Allein schon aus historischer Perspektive betrachtet ging das nicht. Doch während ich noch ernsthaft darüber nachdachte, wer was, wo und warum, erhob die Nicht-Gloria ihre Stimme und begann einfach zu singen. Ich traute meinen Ohren nicht. Bis zum heutigen Tag habe ich noch nie eine Oper von innen gesehen, geschweige denn einer Opernsängerin beim Singen zugehört. Deswegen hatte ich nicht die leiseste Ahnung wie so eine Opernsängerin klingt, wenn sie aus voller Kehle live losträllert. Nur eines kann ich getrost behaupten, Noch nie und seit dem auch nicht mehr, habe ich in meinem durchaus bewegten Leben, einen Menschen so schön singen gehört. Und noch dazu mit einer männlichen Faust in ihrer Muschi. Mein Gott konnte diese Elena singen. Während sie innbrünstig vor sich hin sang und ganz in ihrer Rolle als große Operndiva aufgehend, zog ich meine Faust schön vorsichtig aus ihrer Muschi, setzte mich hin, erste Reige fußfrei, und hörte ihr mit seltener Begeisterung zu. Carmen kam mir in den Sinn. Wenn sie schon mal da ist könnte ich sie ja fragen dachte ich mir, ob sie Carmen kann. Und wie sie Carmen konnte. Andachtsvoll, saß ich da während ich ihr ihre Unterwäsche reichte. Zu einer Operndiva gehören einfach Klamotten. Sie sang wunderschon, eine Arien nach der anderen bis die Stunde um war. In den Pausen erzählte sie ganz Euphorisch von ihrem nächsten Arrangement. Ich saß nur still da, rauchte eine und nickte zustimmend mit dem Kopf. Fragen stellte ich keine mehr. Ich hatte Angst, das sie sich mit jeder weiteren Antwort noch etwas weiter ins Aus singt. Nachdem die Stunde um war, bedankte ich mir artig wie ein kleiner Junge und brachte sie zur Tür. Gevögelt hatte ich nicht, doch die SS war trotzdem verschwunden.

Anmerkung: Fürs StG 77 brauch ich heute wahrscheinlich eine halbe Stunde und was aus ihr geworden ist?
K.A.

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