Mittwoch, 25. Januar 2012
Die Freiheit des Alfons G.
Alfons G. war genau das was man einen mittelmäßigen Menschen nennt.
Er fiel nicht besonders auf und auch nicht besonders ab. Sein Job, seine Wohnung, sein Auto, seine beiden Ehen, seine Ansichten, sein Schwanz, seine Leidenschaft und Hingabe, seine Bedürfnisse, Träume und Hoffnungen, sein Glaube alles, aber auch wirklich alles war mehr oder minder mittelmäßig. Alfons G. schlug nie wirklich über die Strenge. Nicht einmal auf der Weihnachtsfeier kam etwas Anstößiges oder gar Ruchloses über seine Lippen. Mit rassistischen Herabwürdigungen oder Anzüglichkeiten hielt er sich auch dezent zurück. Natürlich waren seine Komplimente auch nur von der Stange wie seine Garderobe. Alfons G. hatte es sich in der Welt ganz gemütlich eingerichtet.
So verging die Zeit wie sie nun mal vergeht im Uhrzeigersinn, nicht zu schnell aber auch nicht zu langsam.
Mit den Jährchen wurde Alfons G. alt, älter, pensioniert und irgendwann hinfällig und gebrechlich.
Aus seiner geliebten Wohnung, in der er 35 Jahre gelebt hatte, musste er raus und er wurde in ein Altersheim überstellt. Das Altersheim ist ein typischer Ort der Mittelmäßigkeit. All jene die zu schnell leben schaffen es nicht dorthin und dann gibt es noch jene die sich lieber eine Kugel in den Schädel jagen, bevor sie dort vorübergehend endgelagert werden. Das Altersheim ist ein Ort der Endgültigkeit. Von dort gibt es keinen Weg mehr zurück ins Leben. Alfons G. vertrat diese Ansicht natürlich nicht. Trotzdem neigte sich auch sein Leben dem Ende zu.
Seine letzte Frau war nicht gekommen um ihn noch einmal zu sehen. Es hätte keinen Sinn gemacht.
Auf Grund der fortgeschrittenen Demenz hätte sie ihn nicht mehr erkannt und Kinder hatten sie keine.
Hinter vorgezogenen Vorhängen lag Alfons G. schwer atmend in seinem Sterbebett, die müden Augen starr gegen die Zimmerdecke gerichtet, wo eine Fliege verkehrt rum saß. Dass die ihn bewusst anstarrte kann man nicht sagen.
Der werte Herr Pfarrer, ein gebürtiger Ghanaer, war auch da und verpasste, nein verabreichte ihn die letzte Ölung.
Da erhob sich Alfons G. brüchige Stimme noch ein letztes Mal bevor sie für immer verstummte und er bat den Pfarrer noch einmal zu sich.
Der Pfarrer beugte sich zu Alfons G. hinunter und sprach mit leichten Akzent, "ja mein Sohn sprich, wie kann ich dir zu Diensten sein".
Da bäumte sich Alfons G. noch einmal auf, bevor alles Leben aus ihm wich und sprach: "Du gar nicht Kanake, aber richte der Schwester Rosemarie aus, das sie einen klasse Arsch hat".

Anmerkung: Auf Grund seines Vorgeschichte war Alfons G. in Sachen rassistischer Beschimpfungen natürlich nicht besonders geübt. Kanake war, was den Priester betraf natürlich nicht der richtige Ausdruck. "Bimbo" oder " Priester Bimbo", wäre in diesem Fall der richtige Terminus gewesen.

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Dienstag, 24. Januar 2012
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
Normalerweise gehe ich immer zum Supermarkt um die Ecke.
Weil der aber keine Kärntner Käsnudel im Sortiment führte, obwohl er sie an sich anbietet und ich keine Lust hatte, die schlecht bezahlte Kühlwarenbetreuerin darauf aufmerksam zu machen fuhr ich mit dem Fahrrad zum Milleniumstower, in der Hoffnung dort welche zu bekommen.
Ewan McGregor versucht sich im Film "Trainspotting", in einer Toilette, die als das beschissenste Klo Schottlands ausgewiesen wurde, verzweifelt ein Zäpfchen einzuführen.
Wie heißt es im Film: "sag ja zum Leben, sag ja zum Job, sag ja zur Karriere, sag ja zur Familie. Sag ja zu einem pervers großen Fernseher. Sag ja zu Waschmaschinen, Autos, CD-Playern und elektrischen Dosenöffnern. Sag ja zur Gesundheit, niedrigem Cholesterinspiegel und Zahnzusatzversicherung. Sag ja zur Bausparkasse, sag ja zur ersten Eigentumswohnung, sag ja zu den richtigen Freunden. Sag ja zur Freizeitkleidung mit passenden Koffern, sag ja zum dreiteiligen Anzug auf Ratenzahlung in hunderten von Scheiß-Stoffen. Das Scheißhaus sah wirklich abartig abgefuckt und zugeschissen aus.
Selbiges könnte ich auch über mein Fahrrad sagen. Seit gut fünf Jahren lasse ich mein Bike stundenlang unversperrt in Wien herumstehen.
Auf die glorreiche Idee den alten Garen zu stehlen ist bis jetzt noch niemand gekommen.
Um dieses Moment meiner Unzulänglichkeit machen sogar die Räuberbanden aus den neuen EU-Staaten einen weiten Boden. Diesen Drehsessel zu klauen lässt sich ganz offensichtlich mit ihrer Würde als Diebe nur schwer vereinbaren.
Unversperrt stellte ich mein Rostgewitter neben ein in bunten Farben strahlendes Rad, das mit einem gewaltigen Vorhängeschloss gesicherte war.
Im Mittelalter trugen so etwas hin und wieder höchstens die Frauen wenn die Männer außer Haus aßen.
Obschon der Milleniumstower nur ein paar hundert Meter von meinem Supermarkt entfernt ist, pflegt hier zuweilen ein anderes Publikum einzukaufen.
Die sehen besser aus, ihre Körper sind weniger verformt, die Gesichtszüge feiner und sie kaufen andere Dinge.
Manche der Frauen sind richtig schön, höchstwahrscheinlich klug und mit Sicherheit gebildet.
Einer gut 1,80 Meter großen, äußerst wohlgeformten Frau bin ich wie ein verklemmter Stalker durch den halben Supermarkt gefolgt.
Zum Schluss standen wir beide bei den Weinen und Spirituosen wo ich normalerweise nicht gerne stehen bleib. Zu viel schöne Erinnerungen.
Aber jeder braucht sein ästhetisches Vergnügen. Meine Käsnudel habe ich auch bekommen.
Sonst landete nicht viel in meiner Einkaufstasche. Mein Ich in den Jahren dezent abgemagert braucht nicht viel.
Würde ich um 100 Euro Fressen reinpacken müsste ich wahrscheinlich kotzen.
Hinter mir und vor mir türmten sich bei der Kasse die Einkäufe.
Die Menschen die zu den Einkäufen gehörten, sahen alle einigermaßen glücklich und zufrieden aus. Zu jedem Einkaufswagen gehörten mindestens zwei Personen. Bis auf den nervösen Mann vor mir der ein Sechser Trägerl Null Komm Josef kaufte.
Das waren keine verbitterten Verlierer. Aus deren Gesichtern konnte man die Tragödien nicht so einfach herauslesen.
Da stand ich nun allein, ohne nur den Hauch einer Chance zu haben, meine Käsnudel mit jemand zu teilen, den sie vielleicht überhaupt nicht schmecken.
Scheiße dachte ich. Eigentlich gehöre ja in die Freakshow „Liebesgeschichten und Heiratssachen“, wo andauernd diese komischen Teddybären herumstehen und ausgefressene Weiber, deren Männer sich zu Tode gesoffen haben noch einmal die große Liebe suchen.
Schizo sucht….Was ich suche, keine Ahnung ich kann mir nichts mehr vorstellen.
13, 76 Euro. Als ich bezahlte umarmte die Frau, der ich eine Zeit lang wie ein herrenloser Hund hinter getrottet war ihren Mann, so einen Vorzeigespießer, der einigermaßen gelangweilt tat. Kurz dachte ich darüber nach ihn einfach so eine zu scheuern.
Arschlöcher dachte ich, während ich hier in Einsamkeit ertrinke, ersäuft ihr in Liebe.
Draußen wartete auf mich nur das beschissenste Fahrrad der ganzen Stadt, mit einer kaputten Gangschaltung und Bremsklötze die so abgefahren waren wie mein Leben. Schlimmer noch. Diese Rad war mein Leben. In äußeren Zufälligkeiten spiegelt sich bei Zeiten dein Sein wieder.
Deswegen, sag ja zu Do-it-yourself und dazu, auf Deiner Couch zu hocken und Dir hirnlähmende Gameshows reinzuziehen, und dich dabei mit Scheiß Junk-Fraß voll zu stopfen. Sag ja dazu, am Schluss vor dich hinzu verwesen, dich in einer elenden Bruchbude voll zu pissen und den missratenen Ego-Ratten von Kindern, die Du gezeugt hast, damit sie dich ersetzen, nur noch peinlich zu sein. Sag ja zur Zukunft, sag ja zum Leben.
Nur warum sollte ich ja sagen.

Wien 2001

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Sonntag, 22. Januar 2012
Wie ich beinahe österreichischer Finanzminister wurde
Übernacht hatte ich plötzlich dieses riesige Gemächt. Keine Ahnung wie es dazu kam. Dieses furchterregende Ding, das sich meiner bemächtigt hatte war nicht nur groß sondern riesig. Ein normales Lineal von 30 cm war eindeutig zu kurz um die korrekte Länge festzustellen. Aber mein neuer Schwanz war nicht nur lang, sondern zudem auch noch dick wie Feuerwehrschlauch, nachdem der Befehl "Rohr frei" ertönt war. Einen kleinen Hacken hatte die Sache natürlich schon. Mein neuer Pissbalken wich farblich etwas von meinem üblichen Teint ab. Er war nicht nur etwas dunkler gefasst sonder schwarz, genau genommen war er kohlrabenschwarz, wie eine sternenlose Nacht. Heilige Scheiße dachte ich mir, was soll ich denn mit diesem riesigen schwarzen Ding da. Der hing mir ja bis in die Kniekehle und wenn er mal nicht hing und sich aufrichtete, benötigte ich fast eine Bluttransfusion und das Ding zu stemmen. Da der Mensch bekanntlich ja ein Gewohnheitstier ist, gewöhnte auch ich mich mit der Zeit an meinen neuen Schwanz. Nur unbemerkt blieb dieses Monster nicht. Zuerst waren es die Huren, die mit dem Knaben in Berührung, oder besser gesagt nicht in Berührung kamen. Jede lief schreiend davon, oder verlangte einen Längenaufschlag, den ich mir bei meinen bescheidenen Auskommen natürlich nicht leisten konnte. Die Nächsten, die dieses Alien vor die Nase gesetzt bekamen waren die Jungs aus dem Sportverein. Mein Gott wie die alle drauf starten, so etwas wie Scham kannten die nicht. Verstehen konnte ich die Aufregung ja. Immerhin war mein Neuer, auch ungefähr so groß und schwer wie die Schniedel der restlichen Truppe zusammen. Dass es da hie und da und vorübergehend schon mal zu kleineren Unpässlichkeiten kommt, meinetwegen. Nur an einigen, das war nicht zu übersehen, nagte der Neid, wie die Zeit im Raffer an einem schönen Kriegerdenkmal. Wenn man in der Dusche so dasteht, nackt und eingeseift und die Doktor und Magistertitel draußen in der Umkleide liegen geblieben sind, kann es schon mal vorkommen, das einem die guten Argumente, relativ rasch ausgehen. Einige ganz schlaue hingegen versuchten es mit aristokratischer Entrücktheit. So auf die Art von Marie Antoinette, "wenn das Volk kein Brot hat, soll es halt Kuchen essen".
Nur so bald ich mich umdrehte, klebten gefühlte 30 Augen auf meinen Schwanz. Irgendwann ging mir dieser ganze Wirbel, der ja nicht einmal mich als Person betraf, mächtig gegen den Strich. "Ja seid ihr Vollidioten den alle blind", schnauzte ich sie an, nachdem mir der Geduldsfaden endgültig gerissen war, "dieser Pimmel ist doch schwarz. Ja leidet ihr den alle geschlossen unter einer Netzhautablösung oder was, hier schaut doch mal genau, mein Sack, der ist doch aschfahl". Eigenartigerweise schien das mit der Farbe und den eigenartigen Größenverhältnissen niemanden wirklich zu interessieren, ganz im Gegenteil. So schnell konnte ich gar nicht schauen, hatte enige auch schon ihr Handy gezückt, um ein paar gestochen scharfe Bilder von diesen Moby Dick unter den Schwänzen zu schießen oder weils leicht gleich einen kleinen Filme für ihre Facebookseite. So kam das Gerücht in die Welt, dass es da in Wien anscheinend ein ziemlich kleinen Mann mit einer unglaublichen Rute geben soll. Die online gestellten Bilder und Filme verfehlten ihre Wirkung nicht und über Nacht wurde ich weltweit bekannt. Sogar Google Earth kam nicht umhin, auf diesen Zug aufzuspringen. So gut wie jeder wusste jetzt wo ich wohnte und mein Telefon, das an sich Schweigen konnte wie ein Grab , läutete auch in einem fort. Irgendwann meldete sich ein Typ mit leicht nässelnder Stimme am Telefon und bot mir so auf die Schelle 30000 Euro, wenn ich mein Ding bewusst einer größeren Gemeinde zeigen würde. "Aber der ist doch schwarz" schrie ich ganz entnervt in den Hörer, "und ich bin weiß wie ein Stück Baguette, diese Sache hat doch weder Hand noch Fuß und stinkt meilenweit in den Himmel". "Ah, antwortete der Typ, "wer wird denn gleich so kleinlich sein, und ein schwarzer Schwanz an einem weißen Mann, dient doch der Völkerverständigung und vieleicht bin ich das was Dr. Martin Luther King unter seinem " i have a dream" verstand. Aus dieser Perspektive hatte ich die Sache natürlich noch nicht betrachtet, doch weil ich mich weiter zierte und auf der Wahrheit herum ritt, wie auf einem wild gewordenen Gaul, legte der Kerl noch 10000 drauf. 40000 Euro bar auf die Kralle und ohne Abgaben. Pleite wie ich war konnte ich diese Versuchung endlich mal zu Geld zu kommen natürlich nicht widerstehen. Als ich mich meiner Unterhose entledigte, machte ein unglaubwürdiges Raunen am Set die Runde und kreiste und kreiste. Nachdem diese bewegten und weniger bewegten Bilder draußen am Markt waren, kannte der Hype um ich kein Halten mehr. Auf der Straße drehten sich plötzlich alle nach mir um. Sogar dreizehnjährige Mädchen rannte völlig aufgekratzt hinter mir her und flehten mich kreischend um ein Autogramm an. In dieser Tonart ging es immer weiter. Ich wurde eine richtiggehende Berühmtheit. Überall nannten sie mich nur noch "the Hammer" . Überall wo ich hinging oder nicht hinging, hieß es nur noch "The Hammer" hier und "the Hammer" da. Bekannte, Verwandte, alte Freunde und ganz komische Leute, an die ich mich nicht einmal mehr diffus erinnerte, meldeten sich auf einmal wieder bei mir. Ehemalige Freundinnen hauchten mir auf einmal zärtlich in den Hörer, wie schön doch die gemeinsame Zeit damals mit mir gewesen wär. Auf meinen leisen Einwurf, das sie mich doch verlassen hatten, weil sie mich für einen total durch geknallten Irren hielten, antwortenden sie, ach das war doch alles nur ein Missverständnis und wer wird den gleich so kleinlich sein. Eine meiner Ex war jetzt plötzlich und unaufgefordert zu einer etwas progressiveren Sexualität bereit, weil sie sich und ihre Kinder ja so sehr nach einer männlichen Bezugsperson sehnten. Auf meine Frage, das die netten Kinder so klein doch nicht mehr wären wo sich doch schon auf die UNI gingen, und das mit Oxford und Harvard sollte sie mir auch noch mal erklären, ging das mit dem Kleinlichen wieder los. Sogar meine leibliche Mutter, von der ich seit gut 35 Jahren nichts mehr gehört hatte, erklärte mir mit tränenerstickter Stimme, das ich immer schon ihr ein und alles war und das sie damals bei der Scheidung vor Kummer fast umgekommen wäre, weil sie von den Umständen dazu gezwungen wurde, mich gegen eine Tankstelle eintauschen zu müssen. Das Gefühl der Pflicht dem Vaterland gegenüber , den wirtschaftlichen Aufschwung einer ganzen Nation ja nicht zu gefährden, hätten damals über ihre ganz persönlichen Interessen gesiegt. Alle waren plötzlich scheiß freundlich zu mir. Ich war wie man so schön sagt in aller Munde. Aber natürlich hatte die Sache hatte auch ihr Gutes. Plötzlich bekam ich massenhaft Einladungen zu Partys, Empfängen und anderen Veranstaltungen. Die Türen zu den VIPs Logen standen meterweit offen und verdammt scharfe Frauen hingen an mir wie die Kletten und rieben ganz verzückt auf meinem Schindel herum und all diese Schönheiten wollen plötzlich ungeschützten Verkehr und rausziehen sollte ich ihn auch nicht. Einen Manager hatte ich inzwischen natürlich auch. Und der riet mir, ich sollte dieses sagenhafte Angebot über einen Pornodreh , der mit 10 Millionen Dollar einbringen sollte auf gar keinen Fall ausschlagen. Natürlich sträubte mich, aber nicht mehr wegen meiner moralischen Bedenken, sondern ich wollte 15 Millionen, Bei 12,5 Millionen lenkte ich dann ein und die ganze Welt konnte sehen, wie ich drei Frauen mit gut 3,5 Liter Erektionsplasma abduschte. Das ich nachdem Orgasmus einfach bewusstlos umkippte, kam auch bei den Feministinnen und den Karrierefrauen gut ab. Ja sagten die, das ist ein modernen Mann der zu seinen Schwächen steht. Und so würde ich noch bekannter und berühmter und ich konnte mir aussuchen, für welche Produkte ich werben wolle. Allein der Gangsterrapper 50 Cent zahlte mir 1 Million Dollar einfach nur dafür das ich in seinem neuesten Musikvideo, einer ziemlich schönen Amazone den Hintern tätschelte. Charlotte Roche wollten gar ihren Mann wegen mir verlassen, was ich aber für keine so gut Idee hielt. Aus meiner 22m2 Bude mit Klo am Gang, war inzwischen eine ganz ansehnliche Villa geworden, in der allein die Toilette für die Katzen größer war als meine frühere Behausung. Richtige Berühmtheiten wie der Karl Lagerfeld riefen mich regelmäßig wenn nicht gar einmal in der Woche an und fragten mich dieses und jenes, Georg Michel schrieb mir täglich recht anzügliche SMS, die ich nicht las oder gelangweilt wegdrückte. Bei Boxkämpfen saß ich erste Reihe fußfrei und keine Geringere als Angelina Jolie rückte mir bei einem Empfang einfach nicht von der Pelle, weil sie das so toll fand, das ich jetzt auch UNO-Sonderbotschafter war. Die Geschäfte liefen blendend. Inzwischen hatte ich den Hersteller von Pitralon aufgekauft. Zu der alten Rezeptur mischten wir eine simple Duftlinien hinzu und schon ging das Wässerchen um den dreifachen Preis über den Ladentisch, nur weil auf der Verpackung eine Frauenhand zu sehen war, die ihre Hand auf einer Unterhose hatte, für die ich mit meinen Namen warb, die ich aber selbst nie trug, weil sie mir zu eng waren. Dass Duftwässerchen trug natürlich den Namen "the Hammer". Ein unmoralisches Angebot bekam ich auch. Ein ganz unglaublich reicher Kerl, aus der Abteilung Schwanzlutscher, bot mir doch glatt einen echten Picasso und einen Klimt wenn er mal meinen Stängel lutschen dürfte. Natürlich sagte mein Manager zu. Deswegen besitze ich jetzt einen Picasso und er einen Klimt. Der Picasso hängt jetzt im Scheißhaus über den Katzenklos. Den diamantenen Totenschädel vom Damian hätte ich auch haben können, das Ding wird auf schlappe 70 Millionen geschätzt, aber was bitte soll ich mit einem von Diamanten befallenen Totenschädel? So Geldgeil war ich dann doch wieder nicht. Um eine Lebensabschnittspartnerin, fixe Freundin oder gar Ehefrau habe ich mich nicht bemüht. Die Weiber schlichen um mich herum wie diese kleinen Schlampen im Privatfernsehen um den Bachelor. Ganz arme und ganz reiche Männer haben mehr gemeinsam als man auf den ersten Blick annehmen würde. Um ihrer selbst willen werden sie nur in den seltensten Fällen geliebt. Nur wie dieses Selbst so im Konkreten aufschaut lässt sich nur schwer feststellen. Fürs Ficken bezahlen, war einfach eine liebgewordene Angewohnheit die ich trotz Reichtum einfach nicht missen wollte. Nur jetzt mussten die Damen 100 Seiten dicke Verträge abschließen, ihre Handys wurden auch eingezogen und durch einen Ganzkörperscanner mussten sie auch, bevor sie zu mir vorgelassen wurden. Wenigstens entsprechend belohnen nein entlohnen konnte sie jetzt. Wegen meiner Großzügigkeit kam es in Rumänien und Ungarn zu einem richtigen Bauboom, was natürlich auch zu meinen Vorteil war, da ich ja ein großes Aktienpaket, des weltweit größten Ziegelherstellers besitze, besaß, nicht besaß, wieder besaß usw. Um nicht endlos weiter zu erzählen, auch die Reichen und Berühmten haben so ihren alltäglichen Trott. Mit meinem schwarzen Schwanz hatte ich mich inzwischen auch angefreundet und die Wahrheit, wie sagt man so schön, ist halt eine Tochter der Zeit und mein Geschwätz von gestern interessierte mich irgendwann genau so wenig wie Adenauer. Außerdem hatte ich jetzt die Mittel wirklich Gutes bewirken zu können. War mir sterbenslangweilig oder einfach nur danach, gründete ich einfach eine Fundation und schon zog eine Horde hochdekorierter Wissenschaftler los, all die Fragen zu beantworten, die mir unter den Fingernägel brannten. Eine dieser Fragen war zum Beispiel, wie bringt man eine Schneerosen dazu das sie auch im subtropischen Klima Blühten trägt. Erstens gefielen mit Schneerosen und zweitens hatte ich in der Karibik einen Zwölft-Wohnsitz. Irgendwann lud mich dann einer der Konzerne für den ich warb, zum weltberühmten Opernball ein. Um noch einmal klar zustellen, wie reich und berühmt ich war. Die drei Ladys, die ich auf meiner Wünschelrute saßen und so taten als sei mein Schwanz eine Hollywoodschaukel, wurden vom Baumeister "Mörtel" zu eben diesen Ball begleitet. Am Ball waren mal wieder alle mal hinter mir her. Medienvertreter, Stars, Sternchen und das ganz andere Gesocks. Die Alte vom "für mich gilt ausnahmslos die Unschuldsvermutung" Söhnchen, hauchte mit ins Ohr das sie kein Höschen anhätte, woraufhin ich antworte "ich auch nicht". Irgendwann zu vorgerückter Stunde, klopfte mir dann ein nicht ganz unbekannter Würdenträger dieser Republik auf die Schulter und jammerte mir die Ohren voll, wie schwer es heute doch sei, qualifiziertes Personal für die Politik zu finden. Schlecht bezahlt, von der Öffentlichen Meinung seziert und wegen jeder Kleinigkeit an den Pranger gestellt, erklärte er mir, sind nicht gerade die idealen Zutaten, um wirklich erstklassige Leute an Land zu ziehen. Die Klagen des Mannes wollten schier kein Ende nehmen. Zugedeckt lag es schon in meinen Gehörgang. Irgendwann kam er dann doch auf den Punkt und fragte mich ob ich nicht in die Politik quer einstiegen möchte. Vom Sozialhilfeempfänger zum Milliardär. Das ist eine Erfolgsgeschichte, so etwas mögen die Menschen. Dass ich obendrein auch noch bei den Euromillionen den Jackpot von gut 150 Millionen, mit nur einen einzigen Tipp geknackt hatte, hätte ich fast vergessen zu erzählen. Nur diese paar Millionen fallen bei einem Gesamtvermögen von gut 7 Mrd. Euro auch nicht mehr wirklich ins Gewicht. "Aber in der Politik geht es doch um moralische Glaubwürdigkeit und Authentizität", wandte ich ein "und ein weißer Man mit einem schwarzen Schwanz hat doch mit beiden so seine Schwierigkeiten." Aber", aber", antwortete der Mann beinahe erstaunt, "wer wird denn da so gleich so kleinlich sein und manisch auf ein paar völlig unbedeutenden Einzelheiten herumreiten, die keine besondere Rolle spielen und das Gesamtbild verfälschen. "Na gut", antwortete ich, "wenn das so ist möchte ich mir meiner staatsmännischen Verantwortung nicht verschließen. Nur so angespannt wie die finanzielle Lage des Landes derzeit ist, müssen wir rigoros sparen, wo wir doch wir schon jetzt gut 18% der jährlichen Netto-Bundeseinnahmen allein für den Zinsendienst ausgeben. Staatsreform, Kompetenzdschungel, Finanzausgleich, Förderungen, Pensionen, Gesundheitssystem, Landwirtschaft, überall muss der Rotstift angesetzt werden und das mit allerletzter Konsequenz. Und während ich so vor mich hin redete, hatte sich der gute Mann einfach umgedreht, um einen anderen Mann zugewandt, um den zu klagen, dass es heute schier unmöglich sei wirklich qualifiziertes Personal zu finden.

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